PMI-Report 14.04.2026, 15:00 Uhr

Fachkräftemangel in der Bauindustrie: 2,5 Millionen fehlen bis 2035

Der Fachkräftemangel in der Bauindustrie verschärft sich: Bis 2035 fehlen weltweit 2,5 Millionen Fachkräfte – mit massiven Folgen für Bauprojekte.

Symbolbild Fachkräft eim Bau

Die Bauindustrie steht vor einem steigenden Bedarf an qualifizierten Projektfachkräften.

Foto: panthermedia.net/khunaspix

In der Bauindustrie trifft steigende Nachfrage auf ein wachsendes Problem: den Mangel an qualifizierten Projektfachkräften.

Der Report „The Construction Project Management Talent Gap“ des Project Management Institute (PMI) liefert dazu aktuelle Daten und Einblicke aus der Praxis. Er zeigt, wie sich diese Entwicklung konkret auswirkt und welche Strategien Unternehmen nutzen können, um die Talentlücke zu schließen und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben

Bauindustrie: Fachkräftemangel wächst um 60 %

Getrieben durch technologischen Wandel und groß angelegte Infrastrukturinvestitionen steigt die Nachfrage in der Bauindustrie weltweit deutlich an. Aktuelle Analysen des PMI verdeutlichen den akuten Handlungsbedarf: Bis 2035 werden global rund 2,5 Millionen zusätzliche Projektfachkräfte benötigt – ein Anstieg von 60 % gegenüber 2025.

Auch Europa ist stark betroffen: Hier wird ein Mangel von bis zu 231.600 Fachkräften erwartet. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen drohen Projektverzögerungen, steigende Kosten und Wettbewerbsnachteile für Bauunternehmen im internationalen Vergleich.

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Vier zentrale Hürden beim Schließen der Talentlücke

Experten aus der Baupraxis nennen vier zentrale Herausforderungen, die Unternehmen überwinden müssen:

  1. Schwaches Image der Branche
    Die Bauindustrie gilt häufig als wenig modern – insbesondere bei Arbeitsbedingungen und Technologien. Das erschwert die Gewinnung neuer Fachkräfte.
  2. Zu geringer Frauenanteil
    Mit nur 24 % Frauenanteil weltweit bleibt ein großer Talentpool ungenutzt. Strukturelle Hürden und unattraktive Rahmenbedingungen führen zusätzlich zu hoher Fluktuation.
  3. Zu wenig Fokus auf Weiterbildung
    Schulungen werden in vielen Unternehmen noch immer als Kostenfaktor betrachtet. Das behindert die Entwicklung von Fachkräften und verschärft die Qualifikationslücke.
  4. Fehlende klare Karrierewege
    Ohne transparente Entwicklungsperspektiven fehlt Mitarbeitenden Orientierung – ein entscheidender Faktor für die langfristige Bindung.

Strategien für nachhaltiges Talentmanagement im Bauwesen

Um dem Fachkräftemangel in der Bauindustrie wirksam zu begegnen, sollten Unternehmen gezielt in ihr Talentmanagement investieren. Dazu gehört vor allem, das Image der Branche aktiv zu verbessern und moderne Arbeitsbedingungen sowie neue Technologien stärker sichtbar zu machen.

Gleichzeitig ist es entscheidend, die Rahmenbedingungen für Frauen zu optimieren, um zusätzliche Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu halten. Ebenso wichtig ist es, Weiterbildung als strategische Investition zu verstehen: Schulungen, Zertifizierungen und der Zugang zu modernen Tools fördern Kompetenzen und Motivation.

Klare und transparente Karrierewege schaffen darüber hinaus Orientierung und stärken nachhaltig die Mitarbeiterbindung.

Neue Kompetenzanforderungen im Bauprojektmanagement

Der Report zeigt deutlich: Neben der quantitativen Lücke verändern sich auch die Anforderungen an Projektfachkräfte. Gefragt sind zunehmend Kompetenzen in digitaler Transformation und im Umgang mit KI-Tools, die insbesondere Terminplanung und Projektmanagement nachhaltig verändern.

Viele Unternehmen treiben ihre KI-Transformation bereits aktiv voran – etwa durch Automatisierung zur Steigerung von Effizienz und Produktivität sowie zur Verbesserung von Risikomanagement und Entscheidungsfindung. Gesucht werden Fachkräfte, die KI nicht nur anwenden können, sondern auch deren strategische Auswirkungen verstehen.

Zusätzlich steigt die Nachfrage nach Projektfachleuten, die Nachhaltigkeitskompetenz mit fundiertem Projektmanagementwissen verbinden.

„Viele Kandidaten verfügen über einen soliden technischen oder betriebswirtschaftlichen Hintergrund, aber oft fehlt ihnen strukturiertes Wissen in Bereichen wie Folgenabschätzung, nachhaltige Beschaffung, Lebenszyklusdenken und ESG-konforme Berichterstattung.“, kommentiert Aylin Kaptan, PMP, GPM-b, Gründerin der PY Akademi in Istanbul.

Mehr Geschäftssinn als Erfolgsfaktor

Analysen des PMI zeigen, dass Projektfachkräfte mit ausgeprägtem betriebswirtschaftlichem Verständnis messbar bessere Ergebnisse erzielen. Unternehmen sollten daher gezielt in entsprechende Schulungen investieren und insbesondere jüngere sowie weniger erfahrene Mitarbeitende schneller in diesem Bereich entwickeln.

Wie Adel Zadeh, Direktor des College of Professional Studies der Northeastern University in Toronto erklärt, hat sich die Rolle von Projektfachkräften deutlich erweitert: Sie seien heute nicht mehr nur für die Umsetzung verantwortlich, sondern zunehmend in strategische Entscheidungsprozesse eingebunden. Dafür müssten sie die Prioritäten, die Vision und die Mission ihres Unternehmens verstehen.

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Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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