Automatisiertes Parken 01.06.2026, 07:50 Uhr

Diese Parkhäuser brauchen bis zu 60 % weniger Platz

Automatische Parkhäuser benötigen deutlich weniger Fläche als klassische Anlagen. Wie die Technik funktioniert und wo sie bereits eingesetzt wird.

Eine von drei gläsernen Kabinen, die als Übergabepunkte für das im Untergrund befindliche Parksystem in Amsterdam dienen

Eine von drei gläsernen Kabinen, die als Übergabepunkte für das im Untergrund befindliche Parksystem in Amsterdam dienen.

Foto: Hans Peter Föllmi

In vielen Innenstädten wird der Platz knapp. Wohnungen werden benötigt, Unternehmen suchen Flächen und gleichzeitig wünschen sich viele Menschen mehr Grün, breitere Gehwege und attraktive öffentliche Räume. Doch ein erheblicher Teil der verfügbaren Fläche bleibt dem ruhenden Verkehr vorbehalten.

Dabei stellt sich längst nicht mehr die Frage, ob Menschen mobil sein sollen. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie lässt sich Mobilität organisieren, ohne immer mehr Raum zu beanspruchen?

Eine Antwort darauf könnten automatisierte Parksysteme liefern. Sie verändern die klassische Logik des Parkhausbaus grundlegend.

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Warum klassische Parkhäuser so viel Raum benötigen

Wer ein herkömmliches Parkhaus betrachtet, erkennt schnell, dass ein großer Teil der Fläche gar nicht zum Parken dient.

Neben den Stellplätzen werden benötigt:

  • Fahrgassen
  • Rampen
  • Wendebereiche
  • Sicherheitsabstände
  • Verkehrsflächen für Ein- und Ausfahrten

Gerade Rampen und Fahrspuren verschlingen viel Platz. In dicht bebauten Innenstadtlagen wird das zunehmend zum Problem. Grundstücke sind teuer und jeder Quadratmeter zählt. Automatisierte Parkhäuser verfolgen deshalb einen anderen Ansatz.

Das Auto fährt hinein – die Technik übernimmt

Das Prinzip erinnert an ein Hochregallager. Fahrerinnen und Fahrer stellen ihr Fahrzeug in einer Übergabekabine ab. Danach übernimmt die Anlage. Aufzüge, Förderplattformen und automatische Transportsysteme bringen das Fahrzeug selbstständig zu seinem Stellplatz.

Da sich keine Menschen innerhalb des Parksystems bewegen und Fahrzeuge nicht selbst fahren müssen, können die Stellplätze deutlich dichter angeordnet werden.

Europas größtes öffentliches automatisiertes Parksystem befindet sich unter dem Wahrzeichen von Aarhus, dem DOKK1-Gebäude. Foto: Matthias Sandmann

Nach Angaben des Parksystemanbieters Lödige Industries lässt sich die Flächeneffizienz dadurch um bis zu 60 % steigern. Anders formuliert: Für die gleiche Anzahl an Stellplätzen wird deutlich weniger Raum benötigt als bei einem konventionellen Parkhaus.

Für Stadtplanende eröffnet das neue Möglichkeiten. Parken wird nicht mehr zum dominierenden Bauelement eines Quartiers, sondern zu einer technischen Infrastruktur, die vergleichsweise wenig Raum beansprucht.

Rotterdam zeigt, wie Parken Teil moderner Quartiere wird

Ein aktuelles Beispiel entsteht derzeit in Rotterdam. Im Projekt „De Sax“ wird ein automatisiertes Parksystem mit 334 Stellplätzen in ein großes Quartier integriert, das Wohnen, Arbeiten und weitere städtische Nutzungen miteinander verbindet.

Interessant ist dabei vor allem die Planungsphilosophie. Das Parksystem wurde nicht nachträglich eingefügt, sondern von Beginn an mitgedacht. Dadurch konnte es eng mit der Architektur und den übrigen Nutzungen verzahnt werden.

Europas größte Anlage arbeitet seit mehr als zehn Jahren

Noch deutlicher wird die Alltagstauglichkeit im dänischen Aarhus. Unter dem Kultur- und Verwaltungszentrum DOKK1 befindet sich Europas größtes automatisiertes Parksystem. Die Anlage bietet 972 Stellplätze und bewältigt täglich bis zu 2000 Fahrzeugbewegungen.

Besonders aufschlussreich sind die Langzeiterfahrungen. Das System erreicht laut Betreiber eine Verfügbarkeit von rund 99,5 %. Seit der Inbetriebnahme wurden dort bereits weit über zwei Millionen Parkvorgänge abgewickelt.

Solche Zahlen sind wichtig. Denn automatisierte Parkhäuser gelten für viele Menschen noch immer als technische Speziallösung. Die Erfahrungen aus Aarhus zeigen jedoch, dass sie auch unter hoher Belastung zuverlässig funktionieren können.

Das Vijzelgracht-System in Amsterdam bietet Kapazität für 270 Fahrzeuge, darunter 56 Ladestationen für E-Fahrzeuge. Foto: Stadt Amsterdam

Parken über einer Metrostrecke

Wie flexibel sich die Technik einsetzen lässt, zeigt ein weiteres Projekt in Amsterdam. Im historischen Grachtenviertel entstand ein automatisiertes Parksystem direkt oberhalb einer stark genutzten U-Bahn-Trasse. Die räumlichen Voraussetzungen waren äußerst anspruchsvoll.

Gerade dort spielt die kompakte Bauweise ihre Stärken aus. Da weniger Verkehrsflächen erforderlich sind, lassen sich Stellplätze auch an Standorten schaffen, die für konventionelle Parkhäuser kaum geeignet wären.

Die Technik hat nicht nur Vorteile

Trotz der Vorteile sind automatisierte Parksysteme keine Universallösung. Die Anlagen sind technisch deutlich komplexer als klassische Parkhäuser. Planung, Bau und Wartung erfordern spezielles Know-how. Auch die Investitionskosten können höher ausfallen.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Zu Stoßzeiten können Wartezeiten entstehen, wenn viele Nutzerinnen und Nutzer gleichzeitig ihr Fahrzeug abholen möchten. Deshalb eignen sich solche Systeme besonders für Wohnquartiere, Bürogebäude oder gemischt genutzte Stadtquartiere mit relativ gleichmäßiger Auslastung. Für Parkhäuser mit extremen Spitzenlasten müssen Planende genau prüfen, ob das Konzept sinnvoll ist.

Mehr Raum für andere Nutzungen

Dennoch wächst das Interesse an automatisierten Parksystemen. Der Grund liegt auf der Hand: Städte verfügen nur über begrenzte Flächen.

Wenn für die gleiche Zahl an Stellplätzen weniger Raum benötigt wird, entstehen neue Möglichkeiten. Zusätzliche Wohnungen, Büros, Grünflächen oder öffentliche Plätze können dort entstehen, wo früher Rampen und Fahrgassen eingeplant werden mussten.

Das Auto verschwindet dadurch nicht aus der Stadt. Es benötigt jedoch deutlich weniger Platz. Genau darin könnte einer der wichtigsten Vorteile automatisierter Parksysteme liegen. Nicht weil sie Mobilität ersetzen, sondern weil sie helfen, den vorhandenen Raum effizienter zu nutzen.

Mehr zum Thema: Zu viele Autos in der Stadt, wie werden wir sie wieder los?

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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