135 Erdsonden für ein Quartier 02.07.2026, 12:38 Uhr

23.000 Bohrmeter für ein kaltes Wärmenetz: Warum Lübeck so tief geht

135 Erdwärmesonden, 3 km Leitungsnetz und dezentrale Wärmepumpen: Lübeck baut ein kaltes Nahwärmenetz und nutzt Geothermie fürs Wohnquartier.

Ein Bauarbeiter hält ein Bohrrohr für die Erdwärmesonden in der Hand

Für das kalte Nahwärmenetz im Lübecker Wohnquartier Lauerhofer Feld wurden 135 Erdwärmesonden eingebaut. Jede Sonde reicht rund 170 m tief in den Boden.

Foto: Bauer Gruppe

135 Erdwärmesonden, jeweils rund 170 m tief, insgesamt 23.552 Bohrmeter: In Lübeck entsteht derzeit ein kaltes Nahwärmenetz, bei dem nicht die Netztemperatur die technische Herausforderung ist, sondern die langfristige Energiebilanz des Untergrunds. Denn ein Quartier kann dem Boden im Winter nur dann dauerhaft Wärme entziehen, wenn das System über das Jahr hinweg wieder ausreichend regeneriert wird.

Genau darauf zielt das Projekt im Stadtteil St. Gertrud. Für das neue Wohnquartier „Schlutuper Straße / Lauerhofer Feld“ setzen Stadt und Stadtwerke nicht auf ein klassisches Fernwärmenetz mit hohen Vorlauftemperaturen. Stattdessen entsteht ein niedrig temperiertes Netz, das Umweltwärme aus dem Boden erschließt und an die Gebäude verteilt.

Bauer Resources hat für die Stadtwerke Lübeck die Bohrungen ausgeführt, die Erdwärmesonden eingebracht und die Anlage an das Leitungsnetz angebunden. Das Netz soll ein neues Quartier etwa 2,5 km östlich der Lübecker Altstadt versorgen. Auf dem früheren Teil einer Kleingartenanlage plant die Stadt Wohnraum für 800 bis 1000 Menschen (rund 400 Wohneinheiten, darunter Geschosswohnungsbau sowie Reihen- und Doppelhäuser). Hinzu kommen eine Quartiersgarage, Grünflächen und soziale Infrastruktur.

Stellenangebote im Bereich Immobilien, Bau, Finanzierung

Immobilien, Bau, Finanzierung Jobs
Heilbronner Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Planungsingenieur in den Bereichen Gas und Wasser (m/w/d) Heilbronner Versorgungs GmbH
Heilbronn Zum Job 
Intego GmbH-Firmenlogo
Servicetechniker / Field Service Engineer (m/w/d) - Einsatz in Kalifornien (USA) Intego GmbH
Erlangen Zum Job 
PohlCon GmbH-Firmenlogo
Anwendungsingenieur (m/w/d) PohlCon GmbH
Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (m/w/d) (Master/Uni-Diplom) Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)
Bergisch Gladbach Zum Job 
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Bauprojektleiter (m/w/d) Allbau Managementgesellschaft mbH
Stadt Weinheim-Firmenlogo
Ingenieur*in (w/m/d) im Bereich Landschaftsarchitektur, Landschafts- oder Freiraumplanung für die Gestaltung städtischer Außen- und Freianlagen Stadt Weinheim
Weinheim Zum Job 
Stadt Norderstedt-Firmenlogo
Ingenieur/in / Technische/r Mitarbeiter/in (w/m/d) Bereich Verkehrswesen Stadt Norderstedt
Norderstedt Zum Job 
WipflerPLAN Planungsgesellschaft-Firmenlogo
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d) WipflerPLAN Planungsgesellschaft
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen Die Autobahn GmbH des Bundes
SCHEIDL-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau SCHEIDL
Moosburg/Landshut Zum Job 
Lederer GmbH-Firmenlogo
Mitarbeiter m/w/d für den Bereich Technischer Support Lederer GmbH
Ennepetal Zum Job 
DELTA Gruppe-Firmenlogo
Fachplaner / Projektleiter Versorgungstechnik (m/w/d) DELTA Gruppe
Regensburg, Geisenhausen, Landshut Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für die Projektleitung im Konstruktiven Ingenieurbau (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur / erfahrener Bautechniker für den Streckenbau (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für die Projektleitung im Streckenbau (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur / erfahrener Bautechniker für den Konstruktiven Ingenieurbau (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 
TenneT TSO GmbH-Firmenlogo
Servicetechniker Automatisierungstechnik (m/w/d) Schleswig-Holstein TenneT TSO GmbH
Raum Schleswig-Holstein Zum Job 
Universität zu Köln-Firmenlogo
Bauingenieur*in (w/m/d) für den Bauunterhalt mit dem Schwerpunkt statische Prüfungen Universität zu Köln
BG ETEM-Firmenlogo
Ingenieur/-in (m/w/d) für den Außendienst als Aufsichtsperson BG ETEM
Region Minden Zum Job 

Oberflächennahe Geothermie statt tiefer Geothermie

Die 170 m tiefen Bohrungen wirken auf den ersten Blick massiv. Tiefe Geothermie ist das dennoch nicht. Das Lübecker Projekt nutzt oberflächennahe Geothermie – tiefere Geothermie erschließt deutlich größere Tiefen und arbeitet mit völlig anderen Temperatur- und Bohrregimen.

Im Lauerhofer Feld zirkuliert ein Wasser-Glykol-Gemisch durch die Erdwärmesonden. Es nimmt Wärme aus dem Untergrund auf und führt sie dem kalten Nahwärmenetz zu. Dieses Netz verbindet die Sondenfelder mit den Gebäuden des Quartiers über ein rund 3 km langes Leitungsnetz. Die 135 Sonden sind dabei auf neun Sondenfelder verteilt.

Das Netz arbeitet mit extrem niedrigen Temperaturen im Bereich von 5 bis 12 °C. Damit liefert das System keine direkt nutzbare Heizwärme wie klassische Fernwärme. Es stellt vielmehr eine thermische Quelle bereit, die in den Gebäuden technisch weiterverarbeitet werden muss.

Die Wärmepumpen liefern die eigentliche Heizwärme

Das kalte Nahwärmenetz liefert noch keine fertige Heizwärme. Die Temperatur des Netzes ist dafür zu niedrig. In den Gebäuden übernehmen deshalb dezentrale Sole/Wasser-Wärmepumpen die eigentliche Wärmebereitstellung. Sie heben die Temperatur auf das Niveau, das für Raumwärme und Warmwasser benötigt wird.

Der Vorteil liegt vor allem in den geringen Netzverlusten. Weil das Leitungsnetz nur mit niedrigen Temperaturen arbeitet, geht auf dem Weg zu den Gebäuden weniger Wärme verloren. Außerdem kann das System auch im Sommer eine Rolle spielen. Dann kann es zur Kühlung beitragen. Die dabei abgeführte Wärme lässt sich in den Untergrund zurückführen. Das hilft, die Erdwärmesonden thermisch zu regenerieren.

Entscheidend wird dabei die Jahresbilanz. Dem Boden darf über die Heizperioden nicht dauerhaft mehr Wärme entzogen werden, als er auf natürlichem Weg oder durch sommerliche Rückspeisung zurückerhält. Deshalb wurden im Quartier zwei Temperaturmessstellen vorgesehen. Sie sollen künftig überwachen, wie sich die Bodentemperaturen entwickeln.

Bohrungen in Feinsand ohne Verrohrung

Die Arbeiten für den geothermischen Teil begannen im November 2024. Bauer Resources setzte für die Bohrungen eine KLEMM KR 806-3GW ein. Nach Angaben des Unternehmens erfolgte das Abteufen im Feinsand ohne Verrohrung. Das ist bautechnisch anspruchsvoll, weil nicht bindige Böden Bohrlöcher instabil machen können.

Nach den Bohrungen folgten die Erdarbeiten und die Anbindung der Sonden. Außerdem wurden elf Verteilerschächte gesetzt. In der letzten Bauphase im Herbst 2025 wurden die Erdwärmesonden mit dem Wasser-Glykol-Gemisch befüllt.

Auch die Mengen zeigen die Dimension der Baustelle. Das Team entsorgte nach Bauer-Angaben 1455 t Bohrgut und 700 t Boden. Zusätzlich wurden 750 t Sand geliefert und verbaut.

Erdwärmesonden für das Lübecker Wohnquartier
Bohrarbeiten für das kalte Nahwärmenetz im Lübecker Lauerhofer Feld: 135 Erdwärmesonden sollen das neue Wohnquartier künftig mit Wärme aus dem Boden versorgen. Foto: Bauer Gruppe

1760 kW Heizleistung für das Quartier

Die Stadtwerke Lübeck geben für das System eine thermische Heizleistung von 1760 kW an. Der erwartete Wärmebedarf liegt bei rund 3 GWh pro Jahr. Die Inbetriebnahme des kalten Nahwärmenetzes ist für 2026 vorgesehen.

Für die künftigen Grundstückseigentümer ist das Wärmenetz nicht nur ein freiwilliges Zusatzangebot. Die Stadtwerke verweisen auf eine Anschlusspflicht. Das ist bei solchen Quartierssystemen technisch und wirtschaftlich relevant. Ein kaltes Nahwärmenetz funktioniert vor allem dann, wenn ein großer Teil der Gebäude angeschlossen ist. Sonst wird die Auslegung schwieriger, und die Kosten verteilen sich auf weniger Nutzer.

Gleichzeitig bedeutet das für Eigentümer eine langfristige Bindung an die Quartierslösung. Sie kaufen also nicht nur ein Grundstück oder eine Wohnung, sondern werden Teil eines fest geplanten Energiesystems.

Das Projekt in Zahlen

Kennzahl Wert
Thermische Heizleistung 1760 kW
Erwarteter Wärmebedarf ca. 3 GWh / Jahr
Bohrgut-Entsorgung 1455 t
Gelieferter Sand 750 t
Geplante Inbetriebnahme 2026

CO₂-arm, aber nicht automatisch klimaneutral

Das Lübecker Projekt zeigt, wie neue Wohnquartiere mit niedrigen Netztemperaturen und oberflächennaher Geothermie versorgt werden können. Es ersetzt keine fossile Heizzentrale durch eine einzelne Großanlage, sondern kombiniert Erdwärmesonden, ein kaltes Leitungsnetz und Wärmepumpen in den Gebäuden.

Das kann den CO₂-Ausstoß gegenüber konventionellen Heizsystemen deutlich senken. Automatisch klimaneutral ist die Lösung aber nicht. Entscheidend sind der Strombedarf der Wärmepumpen, die reale Jahresarbeitszahl, der Anteil erneuerbarer Energien im Betrieb und die langfristige thermische Entwicklung des Sondenfelds.

Auch die ökologische Gesamtbilanz hängt nicht nur am Wärmenetz. Das Quartier entsteht auf einer früheren Kleingartenfläche und bringt neue Versiegelung mit sich. Die Wärmeversorgung ist also nur ein Teil der Bewertung. Technisch bleibt das Projekt dennoch bemerkenswert: Lübeck setzt im Lauerhofer Feld auf ein groß dimensioniertes kaltes Nahwärmenetz mit 135 Erdwärmesonden, rund 3 km Leitungsnetz und dezentralen Wärmepumpen. Damit wird das Quartier zu einem konkreten Beispiel dafür, wie sich oberflächennahe Geothermie in der Stadtentwicklung einsetzen lässt.

Lübeck ist natürlich nicht das einzige Projekt, bei dem das Potenzial von Geothermie deutlich wird. So wird zum Beispiel in Berlin ein Fußballplatz zum Wärmelieferant. Bei rund 45.000 Sportplätzen in ganz Deutschland könnte hier einiges gehen. Ganz aktuell berichten wir zudem von Deutschlands größtem Geothermie-Projekt im Ruhrgebiet. Erdwärme lässt sich allerdings nicht überall in der Republik anzapfen. Wieso das so ist und wo Geothermie möglich ist, darüber sprechen wir in diesem Beitrag.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.