Black Friday naht, Paketflut kommt: Dieser deutsche Roboter ist darauf vorbereitet
Bis zu 1800 Pakete pro Stunde sortiert ein Roboter bei der Schweizerischen Post. Die KI-Unterstützung dafür kommt aus Deutschland.
Sortiertechnik für Paketzentren. Zusammen mit der Schweizerischen Post hat Robominds die Sortiertechnik Titan entwickelt. Bei den Parcel and Postal Technology International Awards in London gab es für die robotische Paketvereinzelung den Titel "Sorting Technology of the Year".
Foto: robominds GmbH
Noch sind es einige Wochen bis zum nächsten Black Friday am 27. November 2026. Für die Paketbranche beginnt mit der Black Week wieder die stressigste Zeit des Jahres. Während die Auslieferung noch Handarbeit ist, wird in den Paketzentren stark automatisiert. Laut eurotransport.de sortierte allein DHL 2025 an einem Tag rund 12,4 Mio. Pakete. Laut DHL war das ein neuer Rekord. Dieses Jahr dürfte es kaum ruhiger werden.
Sortiertechnik arbeitet KI-unterstützt
Umso wichtiger wird die Sortiertechnik. Die arbeitet inzwischen KI-unterstützt und wird immer schneller. Das Produkt des Jahres 2026 kommt aus Deutschland. Auf der Parcel+Post Expo in London, dem wichtigsten Branchentreff für Paketdienstleister, Postunternehmen und E-Commerce-Logistik Ende September, konnte die Münchner Firma Robominds die Jury mit ihrem Produkt Titan überzeugen.
Zusammen mit der Schweizerischen Post hat das Unternehmen eine KI-gestützte robotische Paketvereinzelung entwickelt, die wenig Stellfläche benötigt. Ein einzelner Roboterarm sortiert dabei ungeordnete Pakethaufen (3D-Ströme) und legt die einzelnen Teile hintereinander zu einem 1D-Paketstrom auf ein Band. Dabei kann der Haufen Kartons, flache Stülpschachteln (Flats), Polybags und Kunststoffbehälter umfassen.
Industrieroboter hebt auch schwere Pakete
Das Besondere: Auf einer Stellfläche von 10 m2 schafft die Anlage nach Unternehmensangaben einen Durchsatz von bis zu 1800 Paketen pro Stunde. Dabei handhabt der Industrieroboter Gewichte bis zu 35 kg und Teile mit bis zu 120 cm Länge. Das ist wichtig, weil gerade die Vereinzelung schwerer Pakete bei Ziehbewegungen beim Personal zu dauerhaften Schäden an der Wirbelsäule führen kann und platzsparende Sortierautomaten bisher eher geringere Gewichte handhaben.
Außerdem stießen Robotergreifer bisher bei der Handhabung neuer Verpackungsformate und Tüten an Grenzen. Dafür sorgt jetzt ein Bündel aus Sauggreifern.
Grundlage für die kompakte Bauform ist ein Portalaufbau. Der Roboter arbeitet von oben nach unten und benötigt keine eigene Stellfläche. Eine zusätzliche Linearachse erweitert seinen Einsatzbereich. Weil die Zelle nicht mehr Platz erfordert als ein für Menschen gestalteter Sortierplatz, kann sie auch in bestehende Förderanlagen integriert werden.
KI plant die Bewegung des Roboters nach menschlichem Vorbild
Die Planung der Roboterbewegungen steuert ein KI-basiertes System. Das interpretiert Sensordaten und das Paketverhalten laut Robominds in Echtzeit. Der Greifer ermöglicht dann eine am Menschen orientierte Handhabung. Tobias Rietzler, CEO und Mitgründer von Robominds, beschreibt den Titan so: „Wir entwickeln seit bald zehn Jahren Physical AI für die Industrie, sowohl mit zahlreichen Partnern in der Praxis als auch in der Forschung. Wir wussten, wir müssen wie immer zunächst genau beobachten, wie der Mensch es macht.“

So habe das Unternehmen seiner Plattform „Robobrain“ beigebracht, auch die Sortierung unterschiedlicher Pakete sicher zu handhaben. Die dabei entstandene Innovation ist inzwischen mehrmals patentiert. „Wir nehmen grundsätzlich zum Vorbild, was sich in der Praxis bewährt hat, und fügen die Vorteile der Automation hinzu“, unterstreicht Rietzler. Im Wettbewerb in London haben sich die Münchener damit gegen Wettbewerber wie Körber, Paketdienstleister DPD und Zebra Technologies durchgesetzt
KI-Robotik übernimmt auch Aufgaben in der Produktion
Die Firma Robominds entwickelt seit 2016 KI-Robotiklösungen für Logistik und Produktion. Im Grunde geht es dabei immer darum, dass Roboter ihre Umgebung wahrnehmen und eigenständig handeln, damit sich Unternehmen eine aufwendige Programmierung sparen können. Einsatzbereiche sind neben dem Pakethandling das Ein- und Auslagern von Kleinladungsträgern (KLT), die Handhabung von Proben in Laboren sowie der klassische Griff in die Kiste.
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