Anzeige

Google-Tochter gibt Kern ihrer Roboter-Software frei – was Entwickler jetzt bekommen

23. September 2026

Intrinsic AMB 206
Digitale Zwillinge und Bilder aus einer Kamera nutzt die KI-basierte Softwarelösung von Intrinsic zur Bewegungssteuerung von Handhabungsrobotern. Nun hat das Unternehmen eine Open-Source-Lösung vorgestellt. Foto: Martin Ciupek
Industrieroboter sollen sich künftig deutlich einfacher programmieren lassen. Die Google-Tochter Intrinsic stellt dafür zentrale Teile ihrer Robotikplattform als Open Source bereit – kostenlos und auch für kommerzielle Anwendungen.
Anzeige
Anzeige


Für die Entwicklung anspruchsvoller, KI-gestützter Robotikanwendungen gibt es jetzt eine Open-Source-Sammlung.  Das Softwarepaket soll Entwicklern den Weg von ersten Prototypen bis zum industriellen Einsatz erleichtern. Es ist mit dem Robot Operating System (ROS) kompatibel und bündelt zentrale Funktionen, die die Google-Tochter Intrinsic nach eigenen Angaben bereits in realen Fertigungsanwendungen nutzt. Unter dem Namen Intrinsic Core hat das Unternehmen die Software im Rahmen der ROSCon 2026 in Toronto veröffentlicht.

Inhaltsverzeichnis

Physische KI: So reagieren Roboter auf Veränderung ihrer Umgebung

Der Anbieter versteht Core als Baustein für „Physical AI“. Robotersysteme sollen damit ihre Umgebung wahrnehmen, Veränderungen berücksichtigen und ihr Verhalten während der Ausführung anpassen können. Ziel ist es, die bislang aufwendige Integration von Hard- und Software zu vereinfachen und somit mehr Entwickler für die Robotik zu gewinnen.

Anzeige
Anzeige

Das Software-Paket richtet sich insbesondere an Anwender in der industriellen Handhabungstechnik, etwa für Montage, Maschinenbeschickung, Teileprüfung oder Blechbearbeitung. Intrinsic Core steht auf GitHub unter der freizügigen Apache-2.0-Lizenz bereit. Damit können Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Systemintegratoren den Quellcode nutzen, anpassen und auch in kommerziellen Anwendungen einsetzen.

Reaktionen in Echtzeit

Kernbestandteil der Open-Source-Lösung ist ein hardwareunabhängiges Echtzeit-Steuerungsframework. Es soll Robotern ermöglichen, auf Sensordaten unmittelbar zu reagieren und Bewegungsabläufe noch während einer laufenden Bahn anzupassen. Die Echtzeitdaten liefert eine Kamera oder Kraft-Momenten-Sensoren im Roboter bzw. am Greifer.

Beispielsweise kann ein Roboterarm seine Bewegung verändern, wenn ein Werkstück verrutscht oder die Kamera ein Hindernis erkennt. Laut Intrinsic sollen sich dabei Roboterarme, Greifer und Sensoren austauschen lassen, ohne Treiber und Steuerungslogik jeweils grundlegend neu entwickeln zu müssen.

Anzeige
Anzeige

KI automatisiert Bewegungs- und Greifplanung

Zum Softwareumfang gehören außerdem laut dem jüngsten Blog-Beitrag von Intrinsic Verfahren zur Lageerkennung von Bauteilen, zur Bewegungs- und Greifplanung sowie zur Kamerakalibrierung. Letztere soll die Einrichtung der Kamera sowie die Konfiguration des Bildverarbeitungssystems optimieren.

Für die 3D-Pose-Schätzung integriert Intrinsic die Nvidia-Technologie FoundationPose. Diese bestimmt die Position und die Orientierung eines Objekts im Raum mit sechs Freiheitsgraden. Dazu zählen die drei Raumachsen sowie die Drehung um diese Achsen herum.

Anzeige
Anzeige

Solche Funktionen sind unter anderem wichtig, wenn Roboter ungeordnet bereitliegende Teile erkennen und aufnehmen sollen. Starre, speziell angefertigte Spann- oder Zuführvorrichtungen könnten dadurch in manchen Anwendungen entfallen.

Kompatible Treiber und Open-Source-Simulation helfen beim Einrichten der Roboter

Nach Unternehmensangaben erzeugt die Bewegungsplanung effiziente und kollisionsfreie Bahnen automatisch, statt Roboterachsen einzeln zu programmieren. Ergänzend plant die Greifsoftware die Auswahl und Ausrichtung eines Greifers anhand von aktuellen Sensordaten. Sie soll somit auch dann zuverlässig arbeiten, wenn die Lage eines Werkstücks variiert. Vorgefertigte ROS-kompatible Treiber für unterstützte Roboter, Greifer und 3D-Kameras sollen die Inbetriebnahme weiter beschleunigen.

Ebenfalls enthalten sind nach Angaben von Intrinsic Simulationsdienste auf Basis der Open-Source-Softwaresammlung Gazebo sowie ein integrierter digitaler Zwilling. Entwickler können Roboterzellen damit virtuell abbilden, Softwarelogik prüfen und Änderungen testen, bevor sie diese auf reale Anlagen übertragen.

Digitale Modelle von Hardware und Kinematik sollen Simulatoren und reale Steuerung dabei enger verbinden. Damit sinke das Risiko, Fehler erst bei der physischen Inbetriebnahme zu entdecken.

Das Referenzdesign OMTS: Vorgefertigte Anwendung zur Bestückung von Maschinen

Als praktische Referenz veröffentlicht Intrinsic zusätzlich die Open Machine Tending Solution, kurz OMTS. Das Referenzdesign bildet eine Anwendung für die Maschinenbeschickung in Werkstätten ab: Ein Roboter soll Werkstücke handhaben und Werkzeugmaschinen be- oder entladen. Die Lösung läuft nach Unternehmensangaben sowohl mit Intrinsic Core als auch mit der Open Robotics Suite. Sie kann unter anderem für Hardware von Fanuc und Universal Robots angepasst werden. Auch die Pose-Erkennung von Nvidia lässt sich damit einbinden.

Gerade kleinere und mittlere metallverarbeitende Betriebe gelten als potenzielle Anwender. Viele Unternehmen benötigen Automatisierung für repetitive Tätigkeiten, verfügen jedoch nicht über die Ressourcen, komplette Robotiklösungen von Grund auf zu entwickeln oder hochspezialisierte Anlagen zu beschaffen. Intrinsic positioniert OMTS deshalb als Ausgangspunkt für individuell angepasste Anwendungen – nicht als universell einsetzbare Standardzelle.

Intrinsic sieht zunehmenden Bedarf an Entwicklungswerkzeugen für die industrielle Automatisierung

In seinem Blog-Beitrag verweist Intrinsic zugleich auf den zunehmenden Bedarf an offenen Entwicklungswerkzeugen für die industrielle Automatisierung. Bei der unternehmenseigenen „AI for Industry Challenge“ zur Elektronikmontage hätten sich nach Angaben des Unternehmens mehr als 5000 Entwickler und Robotiker aus 115 Ländern beteiligt. Das unterstreicht das Interesse an KI-basierten Robotiklösungen, sagt jedoch noch wenig über deren industrielle Reife oder Wirtschaftlichkeit aus.

Mit Intrinsic Core verbindet das Unternehmen eine offene Einstiegsebene mit kommerziellen Angeboten. Anwendungen, die auf Core basieren, sollen ohne grundlegende Code-Umbauten mit weiteren Intrinsic-Diensten kombiniert werden können, etwa mit erweiterten KI-Modellen, Flowstate und industriellen Cloud-Diensten. Für Anwender bleibt damit entscheidend, welche Funktionen tatsächlich vollständig quelloffen verfügbar sind und an welchen Stellen proprietäre Komponenten oder Cloud-Angebote erforderlich werden.

Die Veröffentlichung dürfte vor allem für Entwickler und Integratoren relevant sein, die ROS bereits nutzen und industrielle Anwendungen schneller aufsetzen wollen. Grundkenntnisse in Robotik, Steuerungstechnik und Softwareentwicklung bleiben jedoch notwendig. Open Source kann den Integrationsaufwand reduzieren, ersetzt aber weder die Sicherheitsbewertung einer Roboterzelle noch die anwendungsspezifische Auslegung von Greiftechnik, Sensorik und Prozessabläufen.



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

13.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Bauprojektleiter (m/w/d)
Allbau Managementgesellschaft mbH

13.09.2026
Essen
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

13.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

13.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

13.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

13.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

13.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Netphen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bochum
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Osnabrück
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hagen
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau
SCHEIDL

13.09.2026
Moosburg/Landshut
Projektingenieur Fachplanung Versorgungstechnik (m/w/d)
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH

13.09.2026
Achim, Celle, Salzgitter, Wolfsburg
Meister (m/w/d) für die mechanische Fertigung
Montanhydraulik GmbH

13.09.2026
Gelsenkirchen
Bauingenieur (w/m/d)
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bayreuth

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige