Roboter läuft schneller als Usain Bolt, doch erstaunlich ist was anderes
Tiangong Ultra schafft 100 m in 9,39 s. Der humanoide Roboter ist damit schneller als Usain Bolt bei seinem Weltrekordlauf.
100-m-Lauf bei den World Humanoid Robot Games in Peking. Der humanoide Roboter Tiangong Ultra (nicht auf dem Foto) hat bei diesem Wettbewerb eine Zeit von 9,39 s erreicht.
Foto: picture alliance / Xinhua News Agency | Ju Huanzong
9,58 s. Seit dem 16. August 2009 steht diese Zahl für den 100-m-Weltrekord von Usain Bolt. Bei der Leichtathletik-WM in Berlin lief der Jamaikaner die Strecke so schnell wie kein Mensch vor oder nach ihm.
Am 22. August 2026 benötigte der humanoide Roboter Tiangong Ultra bei den World Humanoid Robot Games in Peking nur 9,39 s für dieselbe Distanz. Damit war der Roboter über 100 m 0,19 s schneller als Bolt bei seinem Weltrekordlauf. Tiangongs Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei rund 38,3 km/h, Bolts bei etwa 37,6 km/h.
Im Vorlauf folgte der humanoide Roboter Lightning mit 9,47 s. Ein Modell von Unitree kam auf 12,41 s. Tiangong wurde vom Beijing Humanoid Robot Innovation Center entwickelt. Beim diesjährigen 100-m-Wettbewerb muss der Roboter die Strecke vollständig autonom absolvieren. Eine Fernsteuerung ist nicht erlaubt.
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2025 gewann Tiangong noch mit einem Ergebnis von 21,50 s
Tiangong Ultra hatte den 100-m-Wettbewerb bereits bei den ersten World Humanoid Robot Games im August 2025 gewonnen. Damals lautete das offizielle Ergebnis 21,50 s. Die Zahl lässt sich allerdings nicht direkt mit den heutigen 9,39 s vergleichen.
2025 konnten die Roboter entweder ferngesteuert oder autonom antreten. Für vollständig autonom laufende Systeme sah das Reglement einen Bonus vor: Ihre gemessene Zeit wurde mit dem Faktor 0,8 multipliziert.
Tiangongs 21,50 s waren deshalb ein Wertungsergebnis. Xinhua berichtete damals zudem, dass Tiangong nicht als erster Roboter die Ziellinie überquerte. Durch den Bonus für den autonomen Betrieb gewann er dennoch den Wettbewerb. 2026 gelten andere Regeln. Die 100 m müssen vollständig autonom zurückgelegt werden.
Tiangong muss die Bahn selbstständig halten
Ein Bediener darf während des Sprints nicht eingreifen. Tiangong muss seine Bewegung selbst steuern und innerhalb seiner Bahn bleiben.
Das Beijing Humanoid Robot Innovation Center hat für die aktuelle Version Änderungen an Hardware und Software beschrieben. Dazu gehören überarbeitete Gelenke, eine angepasste Gesamtkonfiguration und eine Gewichtsreduzierung. Auch die äußere Form wurde verändert. Hinzu kommen angepasste Algorithmen für Bewegungssteuerung und Navigation.
Nach Angaben des Entwicklerteams nutzt Tiangong Verfahren zur Lokalisierung und Kartierung, um seine Position auf der Strecke zu bestimmen. Bei seiner Durchschnittsgeschwindigkeit von 10,65 m/s legt der Roboter innerhalb von 100 ms bereits rund 1,07 m zurück.
Gelenke, Sensorik und Regelung arbeiten zusammen
Beim schnellen Laufen müssen mehrere technische Systeme gleichzeitig arbeiten. Die Gelenkantriebe bewegen die Beine und stabilisieren den Körper. Sensoren erfassen Lage und Bewegung des Roboters. Die Steuerung verarbeitet diese Daten und berechnet daraus die Bewegungen der einzelnen Gelenke.
Mit zunehmender Geschwindigkeit steigen außerdem die Beschleunigungen der Beinsegmente und die Belastungen beim Bodenkontakt. Bei einem Laufgang mit Flugphase verlieren beide Füße zeitweise den Kontakt zum Boden. In dieser Phase sind keine Korrekturen über Bodenreaktionskräfte möglich. Körperhaltung und der folgende Fußkontakt müssen deshalb bereits vorher entsprechend gesteuert werden.
Neben der Leistung der Antriebe beeinflussen damit auch Masseverteilung, Gelenkregelung, Sensorik und Bewegungsplanung das erreichbare Tempo. Wie Hersteller die dafür benötigten kompakten und leistungsfähigen Gelenkantriebe entwickeln, zeigt beispielsweise Schaeffler. ingenieur.de hat die Technik hinter solchen Robotergelenken genauer vorgestellt.
Auch beim Halbmarathon wurden die Roboter deutlich schneller
Wie stark sich die Laufleistungen verändert haben, zeigt auch der Halbmarathon für humanoide Roboter in Peking. Beim ersten Rennen im April 2025 benötigte Tiangong Ultra für die 21,0975 km 2:40:42 h. ingenieur.de berichtete damals über den ersten Halbmarathon für humanoide Roboter.
Im April 2026 absolvierte Tiangong dieselbe Distanz nach Angaben der Veranstalter in rund 1:15 h und vollständig autonom. Für den Sieg reichte das nicht mehr. Der Honor-Roboter Lightning kam bereits nach 50:26 min ins Ziel. Auch die Plätze zwei und drei gingen an Lightning-Roboter.
Lightning war im Test sogar noch schneller
Die 9,39 s von Tiangong sind nicht die niedrigste bislang gemeldete Zeit eines humanoiden Roboters über 100 m. Reuters zufolge absolvierte Lightning die Strecke bei einem Test vor den World Humanoid Robot Games in 9,32 s. Im direkten Vorlauf am 22. August blieb Lightning mit 9,47 s hinter Tiangong.
Der Wettbewerb ist noch nicht abgeschlossen. Insgesamt treten 40 Teams in neun Vorlaufgruppen an. Weitere Runden sind für den 25. und 26. August angesetzt.
Mehr als 2000 Roboter treten in Peking an
An den World Humanoid Robot Games 2026 nehmen nach Angaben der Veranstalter 2056 Roboter aus 666 Teams und 16 Ländern teil. Auf dem Programm stehen 51 Wettbewerbe. Neben Laufdisziplinen gibt es unter anderem Fußball, Tanz und Kampfkunst sowie Aufgaben aus Industrie, Haushalt, Einzelhandel und Rettung.
Sportliche Leistungen sind dabei nur ein Teil des Programms. Für industrielle Anwendungen werden humanoide Roboter nach anderen Kriterien bewertet. Das Fraunhofer IPA hat beispielsweise sechs Kriterien für die Auswahl humanoider Roboter in der Industrie zusammengestellt.
Auch die Entwicklung der chinesischen Robotikindustrie geht weit über die Wettbewerbe hinaus. ingenieur.de hat mit dem Fraunhofer IPA über Chinas Robotikstrategie und mögliche Folgen für Deutschland gesprochen.
Für Tiangong stehen damit zwei Ergebnisse aus zwei aufeinanderfolgenden Wettbewerbsjahren: 2025 gewann der Roboter die 100-m-Wertung mit einem bonifizierten Ergebnis von 21,50 s. 2026 absolvierte er die Strecke unter den neuen Regeln vollständig autonom in 9,39 s.
Quellen
- Reuters: Tiangong Ultra läuft die 100 m in 9,39 s, 22.08.2026
- The Paper: Ergebnisse und technische Änderungen an Tiangong Ultra, 22.08.2026
- People’s Daily: Regeln und Teilnehmer der World Humanoid Robot Games 2026, 13.08.2026
- Xinhua: Tiangongs 100-m-Sieg 2025 und Wertungsregel für autonome Roboter
- Stadt Peking: Technische Entwicklung von Tiangong und Halbmarathon 2026
- Beijing Economic-Technological Development Area: Lightning gewinnt Halbmarathon in 50:26 min
- World Athletics: Usain Bolts 100-m-Weltrekord von 9,58 s, 16.08.2009
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