Steif oder flexibel auf Knopfdruck 03.02.2026, 19:16 Uhr

Lego-Prinzip für Ingenieure: Material passt sich seiner Aufgabe selbst an

Programmierbare Materialien ändern ihre mechanischen Eigenschaften in Echtzeit. Ein Roboterfisch zeigt, wie flexibel das Konzept ist.

Xiaoyue Ni beobachtet einen Roboterfisch mit einem umprogrammierbaren Schwanz

Xiaoyue Ni beobachtet einen Roboterfisch mit einem umprogrammierbaren Schwanz, der in einem Aquarium schwimmt. Der Demonstrationsnachweis könnte zu Materialien mit umprogrammierbaren Materialeigenschaften führen, die im menschlichen Körper oder in Elektronikgeräten eingesetzt werden könnten.

Foto: Duke University

Materialien, die ihre Eigenschaften nachträglich ändern, gelten als ein zentrales Ziel moderner Ingenieurwissenschaften. Ein Team von Maschinenbauingenieuren der Duke University zeigt nun ein Konzept, das diesem Ziel deutlich näherkommt. Die Forschenden programmieren mechanische Eigenschaften direkt in feste, Lego-ähnliche Bausteine. Härte, Biegsamkeit und Dämpfung lassen sich gezielt umschalten, ohne das Material neu zu fertigen.

Die Arbeit ist ein Proof of Concept. Sie zeigt aber klar, wohin die Reise gehen kann: Materialien, die sich während des Einsatzes an neue Aufgaben anpassen. Die Ergebnisse erschienen am 23. Januar in der Fachzeitschrift Science Advances.

Mechanik wie auf einer Festplatte gespeichert

Der Kern der Idee ist überraschend einfach. Statt ein Material von vornherein auf eine Eigenschaft festzulegen, teilen die Forschenden es in viele kleine Zellen auf. Jede dieser Zellen kann ihren Zustand wechseln – von fest zu flüssig und zurück. „Wir wollen Materialien herstellen, die lebendig sind“, erklärt Yun Bai, Erstautor der Studie. „3D-Drucker können Materialien mit bestimmten mechanischen Eigenschaften herstellen, aber man muss den Druckvorgang wiederholen, um diese Eigenschaften zu ändern. Wir wollten etwas schaffen, das wie menschliche Muskeln funktioniert und seine Steifigkeit in Echtzeit ändern kann.“

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Stadt Köln-Firmenlogo
Ingenieur*in (m/w/d) Stadtplanung, Geographie oder vergleichbar Stadt Köln
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)-Firmenlogo
Architektin / Architekt bzw. Ingenieurin / Ingenieur (w/m/d) als Referentin / Referent für Öffentliches Baurecht Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Vergabeingenieur (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
verschiedene Standorte Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) konstruktiver Ingenieurbau - Außenstelle Netphen Die Autobahn GmbH des Bundes
Netphen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau/ Brückenbau Die Autobahn GmbH des Bundes
A.S.T. Angewandte System Technik GmbH Energie & Umwelttechnik-Firmenlogo
Ingenieur Elektrotechnik / Energietechniker (w/m/d) A.S.T. Angewandte System Technik GmbH Energie & Umwelttechnik
Wolnzach Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Straßenplanung und Straßenentwurf - Außenstelle Netphen (nahe Siegen) Die Autobahn GmbH des Bundes
Netphen Zum Job 
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)-Firmenlogo
Ingenieurin / Ingenieur (w/m/d) der Elektrotechnik für die Museumsinsel Berlin Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)
hyjoin GmbH-Firmenlogo
Senior Design Engineer - Sondermaschinen- und Anlagenbau (gn) hyjoin GmbH
München Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau - Außenstelle Hagen Die Autobahn GmbH des Bundes
Ingenieurbüro IBH Zaehle & Buse | Beratende Ingenieure PartG mbB-Firmenlogo
Fachplaner Versorgungstechnik / HKLS / TGA (m/w/d) Ingenieurbüro IBH Zaehle & Buse | Beratende Ingenieure PartG mbB
Karlsruhe Zum Job 
Freie Universität Berlin-Firmenlogo
Ingenieur*in für Elektrotechnik (w/m/d) Freie Universität Berlin
Freie Universität Berlin-Firmenlogo
Projektleitung Hochbau (w/m/d) Freie Universität Berlin
Stadt Sindelfingen-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) im Bereich öffentliche Gewässer Stadt Sindelfingen
Sindelfingen Zum Job 
BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung-Firmenlogo
Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (m/w/d) der Fachrichtung Chemie, Physik, Bauingenieurwesen, Mineralogie, Materialwissenschaften oder vergleichbar BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung
Lederer GmbH-Firmenlogo
Mitarbeiter m/w/d für den Bereich Technischer Support Lederer GmbH
Ennepetal Zum Job 
Ingenieurbüro Fast und Partner-Firmenlogo
Ingenieur/in für Straßen- und Tiefbau (m/w/d) Ingenieurbüro Fast und Partner
Mannheim Zum Job 
Stadt Nürnberg-Firmenlogo
Ingenieur/in (FH) / Bachelor (w/m/d) Architektur / Bauingenieurwesen (Hoch- / Tiefbau) im Bereich Bunker- / Zivilschutz- und Kanalanlagen Stadt Nürnberg
Nürnberg Zum Job 
ELAC SONAR GmbH-Firmenlogo
Electronical Engineer / Elektroingenieur (m/w/d) ELAC SONAR GmbH
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Verkehrszentrale und Telematik Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg-Fischbach Zum Job 

Um das zu erreichen, füllte das Team jede Zelle mit einer Legierung aus Gallium und Eisen. Diese Metallmischung liegt nahe der Raumtemperatur an der Grenze zwischen fest und flüssig. Wird gezielt elektrischer Strom angelegt, erwärmt sich die Zelle und verflüssigt sich. Bleibt der Strom aus, erstarrt sie wieder. So lassen sich Muster aus festen und flüssigen Zellen erzeugen. Die Forschenden vergleichen das Prinzip mit dem Schreiben von 1en und 0en auf eine Festplatte. Die Information bestimmt hier nicht Daten, sondern mechanische Eigenschaften.

Dünne Folie oder dreidimensionaler Baukasten

In einer zweidimensionalen Ausführung ähnelt das Material einer dünnen Folie. Ihre Steifigkeit und Dämpfung lassen sich lokal einstellen, ohne dass sich die Form verändert. Tests zeigen, dass sich damit Eigenschaften klassischer Materialien nachahmen lassen – von Kunststoffen bis hin zu Gummi. Richtig spannend wird das Konzept jedoch in drei Dimensionen. Dafür entwickelten die Forschenden modulare Bausteine, die sich wie Lego-Steine verbinden und wieder trennen lassen. Jeder Block erinnert an einen Rubik-Würfel und besteht aus 27 einzeln steuerbaren Zellen.

„Dies gibt uns die Flexibilität, 3D-Strukturen mit unterschiedlichen mechanischen Eigenschaften zu schaffen“, sagt Bai. „Und wenn man die Blöcke bei null Grad einfriert, werden alle Zellen wieder in ihren festen Zustand zurückversetzt, sodass ihre Konfiguration immer wieder neu programmiert werden kann.“

Ein Roboterfisch als Testplattform

Um die Idee greifbar zu machen, bauten die Forschenden zehn dieser Würfel zu einer schlanken Säule zusammen. Diese fungierte als programmierbarer Schwanz für einen einfachen Roboterfisch. Der Motor blieb in allen Tests identisch. Nur die Anordnung der festen und flüssigen Zellen im Schwanz änderte sich.

Das Ergebnis war eindeutig. Je nach innerer Konfiguration schwamm der Roboter auf unterschiedlichen Bahnen. Mal schlängelte er sich stärker, mal bewegte er sich geradliniger. Die Mechanik des Materials bestimmte also direkt die Funktion – ohne Eingriffe in Antrieb oder Steuerung.

Perspektiven für Medizin und Robotik

Langfristig denken die Forschenden deutlich weiter. Geplant ist, andere Metalle einzusetzen, um verschiedene Schmelz- und Gefrierpunkte zu erreichen. So ließen sich Versionen entwickeln, die bei Körpertemperatur arbeiten. Denkbar wären miniaturisierte Systeme, die sich durch Blutgefäße bewegen, deren Zustand prüfen oder sich sogar zu einem anpassungsfähigen Stent umformen. Auch für empfindliche elektronische Systeme oder enge industrielle Umgebungen wäre das Konzept interessant.

„Unser Ziel ist es, letztendlich größere Systeme aus den Verbundwerkstoffen zu konstruieren“, sagt Xiaoyue Ni. „Wir wollen flexible, programmierbare Materialien für die Robotik entwickeln, die es ihnen ermöglichen, eine Vielzahl von Aufgaben in einer Vielzahl von Umgebungen auszuführen.“

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.