Humanoide Roboter aus China kommen nach Deutschland: Das plant Agibot
Weltweit hat kein Hersteller mehr humanoide Roboter ausgeliefert als der chinesische Hersteller AgiBot. Jetzt kommt die Firma nach Europa.
Der humanoide Roboter von Agibot bei der Präsentation in München. Das Unternehmen ist seit einiger Zeit auf Europatour. Es gehört zu den größten Herstellern humanoider Roboter in China.
Foto: Guo Peng
AgiBot hat bis Ende 2025 nach eigenen Angaben 5000 humanoide Roboter ausgeliefert. Damit liegt es laut einer Analyse von Counterpoint Research weltweit an der Spitze. Gegründet wurde die Firma erst 2023 von zwei ehemaligen Huawei-Managern. Jetzt startet das chinesische Unternehmen von München aus seinen Vorstoß nach Europa.
Im Interview erklärt Europa-Chef William Shi, warum seine Firma so schnell in die Serienproduktion kam, wo die Roboter bereits im Einsatz sind und welche Rolle deutsche Industriepartner dabei spielen sollen.
Inhaltsverzeichnis
5000 Roboter ausgeliefert
Ingenieur.de: Europa ist erstaunt über die Geschwindigkeit, mit der China humanoide Roboter entwickelt. Wie ist es möglich, nur wenige Jahre nach der Gründung von AgiBot mit der Serienproduktion zu beginnen?
William Shi: Von Anfang an hat AgiBot seine Produkte auf reale kommerzielle und industrielle Anwendungsszenarien ausgerichtet und nicht auf experimentelle Prototypen. Wir haben eine einheitliche Technologieplattform mit modularer Architektur aufgebaut, die es ermöglicht, Kernfunktionen für verschiedene Roboterformen wiederzuverwenden und den Entwicklungszyklus erheblich zu verkürzen.
Bis Ende 2025 haben wir 5000 humanoide Roboter ausgeliefert und damit ein stabiles und skalierbares Fertigungssystem etabliert. Wir legen Wert auf eine nachhaltige Massenproduktion und eine Skalierung nach den Grundsätzen von Qualität, Stabilität und langfristiger Zuverlässigkeit, anstatt nur auf Geschwindigkeit zu setzen.
Wie viele Roboter können Sie pro Jahr produzieren?
Wir geben zum jetzigen Zeitpunkt keine konkreten Zahlen zur jährlichen oder monatlichen Kapazität bekannt. Wichtiger als eine einzelne Zahl sind die Fertigungsqualität, die Lieferzuverlässigkeit und die langfristige Betriebsleistung in realen Umgebungen. Die Kapazität wird entsprechend der Nachfrage und dem Einsatzrhythmus stetig weiter steigen.
Wo werden Ihre Roboter derzeit eingesetzt?
Die Roboter von AgiBot werden derzeit in verschiedenen gewerblichen und industriellen Bereichen eingesetzt, darunter: Empfangs- und Begleitdienste, Unterhaltung und kommerzielle Darbietungen, intelligente industrielle Fertigung, Logistiksortierung, Sicherheitsinspektionen und -patrouillen, Datenfabrik und Schulungen, wissenschaftliche Forschung und Bildung.
In Deutschland konzentrieren wir uns vorrangig auf Bereiche wie Empfangs- und Begleitdienste sowie Unterhaltung und kommerzielle Darbietungen.
Lokale Partnernetze in Europa
Sie sind seit mehreren Monaten auf Europatournee und starten nun in München. Planen Sie die Eröffnung von Vertriebs- oder Produktionsstätten in Europa?
Unsere derzeitige Priorität liegt eher auf dem Aufbau langfristiger Partnerschaften mit lokalen europäischen Partnern, Kunden und Branchenökosystemen als auf der bloßen Etablierung von Vertriebskanälen. Ob wir lokale Produktionsstätten eröffnen, hängt von der Marktnachfrage, der Reife der Partnerschaften und einer langfristigen strategischen Bewertung ab. Konkrete Pläne werden zu gegebener Zeit über offizielle Kanäle bekannt gegeben.
Welche Rolle spielt München dabei?
München ist als einer der führenden Industrie- und Technikstandorte Europas ein wichtiges Tor für den Aufbau tiefer Verbindungen zum europäischen Industrieökosystem.
Roboter-Training mit KI
KI-Training ist für eine natürliche humanoide Interaktion von entscheidender Bedeutung. Wie gehen Sie dabei vor?
Wir verfolgen einen Ansatz der verkörperten Intelligenz, bei dem wir reale Einsatzdaten mit hochpräzisen Simulationen kombinieren. Durch den kontinuierlichen Einsatz in realen Umgebungen können wir multimodale Betriebsdaten sammeln, um die Wahrnehmungs-, Entscheidungs- und Manipulationsfähigkeiten zu verbessern. Gleichzeitig ermöglicht der Einsatz von Simulationen ein groß angelegtes, kontrollierbares Algorithmustraining und eine Validierung der Richtlinien.
Durch Simulationen können wir Bewegungsstrategien und Ausnahmebehandlungsfähigkeiten schnell iterieren, wodurch die Trainingseffizienz gesteigert und die Testkosten gesenkt werden. Wir konzentrieren uns darauf, die Fähigkeiten der gesamten Aufgabenverkettung zu verbessern und nachweisbare Fortschritte in realen Anwendungen zu erzielen, anstatt isolierte Funktionsdemonstrationen durchzuführen.

AgiBot-Europachef William Shi sagte anlässlich der Roboterpräsentation in München: „Bis Ende 2025 haben wir 5000 humanoide Roboter ausgeliefert und damit ein stabiles und skalierbares Fertigungssystem etabliert.“
Foto: Guo Peng
Wie gehen Sie mit den europäischen Bedenken hinsichtlich Datensicherheit und technologischer Souveränität um?
AgiBot legt großen Wert auf Datensicherheit und Compliance. In Europa halten wir uns strikt an die DSGVO und andere relevante Vorschriften und unterstützen lokalisierte Bereitstellungslösungen.
Welche Rolle spielen Industriepartner in Ihrer Europa-Strategie?
Die Zusammenarbeit mit Industriepartnern ist ein wichtiger Bestandteil der globalen Strategie von AgiBot. Industriepartner wie Minth verfügen über umfassende lokale Ressourcen und können eine aktive Rolle bei der Anbindung an das lokale industrielle Ökosystem und die Lieferkette spielen.
Das ist AgiBot
- Die Firma wurde 2023 von zwei ehemaligen Huawei-Managern gegründet. Hauptsitz ist Shanghai, China.
- Im Dezember 2024 startete AgiBot die Serienproduktion von Robotern.
- Der humanoide Roboter AgiBot A2 erzielte 2025 den Guinness-Weltrekord im Lauf über eine Strecke von rund 106 km.
- Laut Counterpoint Research führte AgiBot 2025 die weltweite Liste der Anbieter mit der höchsten Anzahl an jährlichen Installationen humanoider Roboter an, gefolgt von Unitree, UbiTech, Leju und Tesla.
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