400.000 neue Roboter: Toyota baut sich seine Belegschaft selbst
Toyota will weltweit 400.000 selbst entwickelte Roboter in seinen Fabriken einsetzen. Im Zentrum steht der humanoide Roboter Eley, der auf Rädern rollt, mit Zwei-Finger-Greifern zupackt und von den Beschäftigten lernt.
Weltweit will Toyota in den kommenden Jahren seine Werke modernisieren. Das Bild zeigt eine ältere Aufnahme aus dem Werk in Arifiye/Türkei. Rund 400.000 selbst entwickelte Roboter sollen im Rahmen der Modernisierung zum Einsatz kommen, auch Humanoide.
Foto: picture alliance / AA | Ibrahim Yozoglu/Anadolu Agency
Im Zuge der Modernisierung ihrer Produktionsstätten will die Toyota Motor Group laut Nikkei Asia weltweit 400.000 selbst entwickelte Roboter einsetzen. 150.000 davon sollen in den kommenden Jahren in den eigenen Werken zum Einsatz kommen. Weitere 250.000 sollen in den Werken anderer Konzerngesellschaften und großer Zulieferer Aufgaben übernehmen.
Inhaltsverzeichnis
- In ganz Japan arbeiten aktuell rund 500.000 Industrieroboter
- Roboter sollen bei Toyota künftig Seite an Seite mit Menschen arbeiten
- Toyota trainiert eigenen humanoiden Roboter namens Eley
- Präzise Antriebe für humanoide Roboter sind Toyota wichtig
- Toyota und sein Produktionssystem
- In Kanada erprobt Toyota humanoide Roboter von Agility
In ganz Japan arbeiten aktuell rund 500.000 Industrieroboter
Diese Zahl erfordert eine Einordnung. Denn laut der International Federation of Robotics (IFR) waren in ganz Japan 2024 rund 450.000 im Einsatz. Neu installiert wurden dort in dem Jahr 44.500 Industrieroboter. Bei ähnlichem Wachstum und abzüglich inzwischen ersetzter Roboter dürften aktuell etwa 500.000 Industrieroboter in Japan produktiv sein.
Aber die neuen Roboter werden nicht allein in Japan installiert, sondern im globalen Produktionsnetz von Toyota, mit weltweit 60 Fabriken. Dazu kommt, dass die Modernisierung über mehrere Jahre hinweg erfolgen soll. Laut Nikkei planen Toyota und die Konzerngesellschaften weltweit ab 2028 jährlich 1 Billion ¥ (umgerechnet ca. 6,5 Mrd. $) in die Renovierung und den Umbau von Fabriken zu investieren.
Roboter sollen bei Toyota künftig Seite an Seite mit Menschen arbeiten
Anders als bisher in den Automobilfabriken sollen die Roboter dabei Seite an Seite mit den Menschen arbeiten. Ein Teil der neu installierten Roboter dürften deshalb auch Humanoide sein. Toyotas Frontier Research Center hat dazu das Modell namens Eley entwickelt. Es sieht deutlich funktionaler aus als die Modelle der meisten Wettbewerber und soll etwa 50 kg wiegen. Eley steht für „Embodied Learning robot for Enhanced Yield“ und bezeichnet einen physisch lernenden Roboter, der auf hohe Leistung und Produktivität ausgelegt ist.
Statt Beine nutzt Toyota eine stabilere rollende Plattform. Die Hände bilden Zwei-Finger-Greifer, mit denen sich die meisten Tätigkeiten bewältigen lassen. Anstelle eines Gesichtes hat das aktuelle Modell einen funktionalen Bildschirm. Kein Schnickschnack also, sondern Fokussierung auf das Wesentliche. Das ist ganz im Sinne des in nahezu allen Automobilfabriken der Welt etablierten Lean-Management-Ansatzes, des Kerns des Toyota-Produktionssystems (TPS).
Toyota trainiert eigenen humanoiden Roboter namens Eley
Der humanoide Roboter Eley kann laut Toyota feinmotorische Fähigkeiten erlernen. Er kann damit zum Beispiel Teile von einer Kiste in eine andere umräumen und auch Stoff falten. Durch den Einsatz künstlicher Intelligenz lernt er dabei nach Herstellerangaben selbstständig und findet den optimalen Ansatz zur Ausführung von Aufgaben.
Nach Informationen von Nikkei wurde der Roboter bereits an einigen Produktionslinien eingesetzt. Noch gehe es darum zu lernen, wie die Mitarbeiter ihre Aufgaben ausführen. In Videos ist zu erkennen, dass die Mitarbeiter dazu Vorrichtungen nutzen. Technisch sind das Parallelkinematiken für die beiden Arme. An deren Enden befinden sich Controller, wie sie bei Computerspielen genutzt werden. Darüber werden die Finger von Eley gesteuert. In mehreren Wiederholungen trainiert die Maschine damit reale Aufgaben.
Präzise Antriebe für humanoide Roboter sind Toyota wichtig
In einem Onlinebeitrag berichtet Toshihide Yamada von der „Factory Innovation Robotics Group“ des Frontier Research Centers, wie dabei die Genauigkeit der Roboter verbessert wird. „Bei früheren Prototypen bestand eine der Herausforderungen darin, wie präzise sich Eley ohne Abweichungen an eine vorgegebene Position bewegen konnte“, beschreibt er den internen Prozess.
Weiter führt er aus: „Um dieses Problem zu lösen, sind wir auf einen Direktantrieb umgestiegen, der ohne Drähte oder Kunststoffriemen auskommt, wodurch sich die Positionsgenauigkeit verbessert hat.“ Darüber hinaus habe Toyota jedes Gelenk mit speziellen Aktuatoren, sogenannten Quasi-Direct-Drives (QDD), ausgestattet. Darin werden drehmomentstarke Motoren mit einer niedrigen Getriebeuntersetzung kombiniert.
Dadurch werden eine hohe Rücktreibbarkeit und eine geringe Trägheit erreicht. Das bedeutet: Der Arm lässt sich damit leicht durch äußere Kräfte antreiben und nimmt sanften Kontakt mit seiner Umgebung auf.
In Kanada erprobt Toyota humanoide Roboter von Agility
Allerdings hat die Toyota Motor Manufacturing Canada (TMMC) Anfang 2026 einen Vertrag mit Agility Robotics unterschrieben. Danach sollen zumindest in Kanada auch humanoide Roboter des US-Unternehmens eingesetzt werden. Die sollen nach Aussagen des Roboterherstellers Beschäftigte in Produktion und Logistik unterstützen. Welche Rolle diese im globalen Verbund spielen sollen, ist derzeit aber nicht bekannt.
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