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Premiere im Realbetrieb: Teleoperiertes Shuttle mischt sich in Düsseldorfer Verkehr

27. März 2026

Teleoperiertes Shuttle am Flughafen Düsseldorf
Teleoperiertes Shuttle am Flughafen Düsseldorf: Das Fahrzeug steht für den Pilotbetrieb bereit und wird künftig aus einem Leitstand gesteuert. Foto: Rheinmetall AG
Teleoperiertes Shuttle startet am Düsseldorfer Flughafen in den Realbetrieb. Pilotprojekt testet 5G, Cloud-Edge und neue Mobilitätskonzepte im Verkehr.
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Wer ab Mai 2026 am Düsseldorfer Flughafen unterwegs ist, könnte einem Shuttle begegnen, das nicht von einer Person im Fahrzeug gesteuert wird. Rheinbahn, Rheinmetall und die MIRA starten dort einen Pilotbetrieb für teleoperiertes Fahren im öffentlichen Straßenverkehr.

Die Fahrzeugführung erfolgt aus einem Leitstand. Im Shuttle sitzt während der Testphase zur Absicherung noch ein „Safety Driver“. Der Test im öffentlichen Straßenraum ist ein wichtiger Schritt für teleoperierte Mobilitätsdienste in Deutschland.

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Inhaltsverzeichnis

Fernsteuerung als Zwischenschritt zum autonomen Fahren

Beim teleoperierten Fahren sitzt die fahrende Person nicht im Fahrzeug, sondern in einer Leitstelle. Sie steuert das Shuttle über Bildschirme, Lenkrad und Pedale – ähnlich wie in einem Fahrsimulator. Kameras und Sensoren liefern die Umgebung in Echtzeit.

Rechtlich gilt die fernlenkende Person als Fahrzeugführer im Sinne der Straßenverkehrsordnung. Grundlage ist die seit Dezember 2025 gültige Straßenverkehr-Fernlenk-Verordnung. Sie schafft erstmals einen klaren Rahmen für solche Einsätze – zunächst befristet bis Ende November 2030.

Die Anforderungen sind bewusst streng:

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  • Mindestalter: 21 Jahre
  • Mindestens drei Jahre Fahrpraxis
  • Spezielle Schulung durch den Betreiber
  • Maximal drei Punkte im Fahreignungsregister
  • Keine parallele Steuerung mehrerer Fahrzeuge

Teststrecke im Düsseldorfer Norden

Das Pilotprojekt verbindet zentrale Punkte rund um den Flughafen. Die Strecke führt vom Flughafen-Bahnhof über den EUREF-Campus bis zum Terminal und wieder zurück. Das Besondere: Die Fahrzeuge bewegen sich nicht auf abgesperrten Wegen. Sie teilen sich die Fahrspur mit Autos, Lastwagen und Radfahrenden.

Annette Grabbe, Vorständin der Rheinbahn, sieht darin eine notwendige Entwicklung: „Der ÖPNV steht vor strukturellen Herausforderungen bei Personal und Finanzierung. Wenn wir Verlässlichkeit sichern wollen, müssen wir technologische Optionen konsequent prüfen. Deshalb gehen wir neue Wege und testen Technologien dort, wo sie wirken müssen: im Alltag.“

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Während der aktuellen Testphase fährt zur Sicherheit, wie eingangs bereits geschrieben, noch ein „Safety Driver“ im Shuttle mit. Langfristig soll dieser Platz jedoch leer bleiben, um den Betrieb wirtschaftlicher zu gestalten.

Die größte Herausforderung: stabile Datenverbindung

Technisch entscheidet nicht das Fahrzeug über den Erfolg – sondern die Datenübertragung. Das Shuttle sendet permanent Videobilder und Sensordaten an den Leitstand. Gleichzeitig müssen Steuerbefehle ohne Verzögerung zurückfließen.

Schon geringe Latenzen können sicherheitskritisch werden. Deshalb ist ein leistungsfähiges Mobilfunknetz Voraussetzung, in der Praxis vor allem 5G.

Das Projekt in Düsseldorf ist eingebettet in die europäische „8ra Initiative“ und das Forschungsprojekt PoQuaSIA. Hier entwickeln Rheinmetall und MIRA eine Cloud-Infrastruktur, die speziell für sicherheitskritische Anwendungen gedacht ist. Dabei kommt ein sogenanntes Cloud-Edge-Kontinuum zum Einsatz.

Technische Grundlagen im Überblick:

Technologie Funktion im Projekt Vorteil
Edge-Computing Datenverarbeitung direkt am Netzwerkrand Minimale Latenzzeit für schnelle Reaktionen
Cloud-Computing Zentrale Rechenpower im Internet Hohe Skalierbarkeit für große Flotten
5G-Mobilfunk Übertragungsstandard Hohe Bandbreite für Videostreams der Kameras

Lösung für den Personalmangel?

Der Fachkräftemangel trifft Verkehrsbetriebe und Logistikunternehmen hart. Teleoperation könnte hier Abhilfe schaffen. In einem Leitstand können Mitarbeitende theoretisch verschiedene Fahrzeuge nacheinander übernehmen. Wenn ein Shuttle pausiert oder beladen wird, steuert die Person im Büro bereits das nächste Gefährt.

Win Neidlinger, Geschäftsführer der MIRA GmbH, betont den praktischen Nutzen: „Durch die effiziente Teleoperation von On-demand Shuttles leisten wir einen realen Beitrag zur Bewältigung des Personalmangels und schaffen somit die Grundlage, Mobilitätsangebote zuverlässig zu sichern und gezielt weiter auszubauen.“

Auch Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller unterstützt das Vorhaben: „Innovationen wie diese entstehen nicht am Reißbrett, sondern im Zusammenspiel starker Partner. Für uns als Stadt ist wichtig, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und solche Projekte möglich zu machen.“

Eingebettet in europäische Infrastrukturstrategie

Das Düsseldorfer Projekt ist Teil des Forschungsprojekts PoQuaSIA und damit in die europäische „8ra Initiative“ eingebettet. Dahinter steht das IPCEI-CIS-Programm, das eine eigene Cloud- und Edge-Infrastruktur für Europa aufbauen soll.

Der Hintergrund ist strategisch: Der Cloudmarkt wird derzeit stark von Anbietern außerhalb Europas dominiert. Europäische Lösungen sollen unabhängiger, interoperabel und skalierbar werden.

Für teleoperiertes Fahren ist das entscheidend. Anwendungen dieser Art benötigen:

  • extrem geringe Latenzen
  • hohe Ausfallsicherheit
  • sichere Datenverarbeitung

Das sogenannte Cloud-Edge-Kontinuum kombiniert zentrale Cloud-Systeme mit dezentraler Rechenleistung nahe am Fahrzeug. Dadurch lassen sich Echtzeitprozesse stabil abbilden.

Wo Teleoperation realistisch ist

Die Teleoperation ist keine Technik, die nur auf Shuttles begrenzt bleibt. Fachleute wie Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management sehen insbesondere im Carsharing großes Potenzial. Fahrzeuge könnten nach der Nutzung selbstständig – gesteuert aus einem Leitstand – zum nächsten Einsatzort gebracht werden.

Auch in der Landwirtschaft laufen bereits erste Anwendungen mit ferngelenkten Traktoren. Relevante Einsatzfelder sind darüber hinaus On-Demand-Verkehre im ÖPNV, Logistik- und Rangierprozesse sowie verschiedene Spezialfahrzeuge. Gleichzeitig warten noch einige Herausforderungen: Die Technik erfordert hohe Investitionen, ist stark von stabilen Netzverbindungen abhängig und lässt sich aufgrund der aktuellen gesetzlichen Vorgaben bislang nur eingeschränkt skalieren.

Vier zentrale Fragen des Projekts

In Düsseldorf konzentrieren sich die Forschenden zunächst auf vier Kernbereiche:

  • Betriebssicherheit: Wie stabil läuft das System unter Zeitdruck?
  • Integration: Passt sich die Technik in die bestehende Leitzentrale an?
  • Akzeptanz: Fühlen sich Fahrgäste in einem ferngesteuerten Bus wohl?
  • Wirtschaftlichkeit: Rechnen sich die Kosten für die aufwendige Technik?

Die Antworten darauf entscheiden, ob Teleoperation über Pilotprojekte hinausgeht.



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