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Point Nemo: Hier soll auch die ISS enden

25. Januar 2026

Raumstation ISS kreist um die Erde
Noch kreist die Raumstation ISS um die Erde. Im Jahr 2030 soll sie im Bereich von Point Nemo zum Absturz gebracht werden. Foto: picture alliance/dpa | NASA/Roscosmos
Point Nemo liegt fern jeder Zivilisation. Genau deshalb ist er das Ziel kontrollierter Abstürze großer Raumfahrzeuge – bis hin zur ISS.
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Große Raumfahrzeuge verglühen beim Wiedereintritt nicht vollständig. Triebwerke, Drucktanks und massive Strukturbauteile können den aerodynamischen und thermischen Belastungen teilweise standhalten. Damit sie niemanden gefährden, steuern Ingenieure sie gezielt an den entlegensten Ort der Erde: Point Nemo.

Irgendwann wird auch die Internationale Raumstation ihr letztes Manöver fliegen. Mitten im Südpazifik wird die ISS gezielt aus dem Orbit entfernt. Was den Wiedereintritt übersteht, fällt innerhalb einer definierten Sicherheitszone ins Meer.

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Ein Ort, den niemand zufällig erreicht

Point Nemo ist der ozeanische Pol der Unzugänglichkeit. Von hier sind es rund 2700 Kilometer bis zur nächsten bewohnten Landmasse. Wer dort treibt, ist weiter von Menschen entfernt als Astronautinnen und Astronauten auf der ISS von der Erde.

Genau das macht den Ort so wertvoll. In der Raumfahrt geht es beim Wiedereintritt großer Objekte nicht um Eleganz, sondern um Kontrolle. Und Kontrolle braucht Raum.

Raumfahrtagenturen sprechen deshalb meist nicht von Point Nemo, sondern von der South Pacific Ocean Uninhabited Area (SPOUA) – einem riesigen, bewusst gewählten Seegebiet, dessen Zentrum nahe Point Nemo liegt.

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Warum große Raumfahrzeuge nicht einfach verglühen

Viele Satelliten verschwinden beim Wiedereintritt spurlos. Große Raumfahrzeuge tun das nicht.

Triebwerke, Drucktanks oder massive Strukturbauteile bestehen aus extrem hitzebeständigen Materialien. Sie überstehen den Eintritt durch die Atmosphäre teilweise unbeschadet. Was bleibt, fällt weiter – und landet irgendwann auf der Erdoberfläche.

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Ein unkontrollierter Wiedereintritt verteilt diese Teile über Tausende Kilometer. Für Raumfahrtagenturen ist das ein Albtraum: rechtlich, politisch und technisch. Die Konsequenz: kontrolliertes Deorbiting.

Wie ein kontrollierter Wiedereintritt wirklich abläuft

Ein solches Manöver ist kein spontanes Bremsen, sondern ein sorgfältig geplantes Finale:

  1. Absenken der Umlaufbahn
  2. Finaler Deorbit-Burn
  3. Gezielt steiler Eintritt
  4. Zerfall in großer Höhe
  5. Trümmer-Footprint im Meer

Was die Planung schwierig macht: Die Atmosphäre ist kein statisches System. Dichte, Temperatur und Widerstand schwanken mit Sonnenaktivität und geomagnetischen Effekten. Deshalb ist die Zielzone bewusst großzügig ausgelegt.

Welche Teile überleben den Wiedereintritt?

Typischerweise überstehen nicht große Flächen den Eintritt, sondern dichte, kompakte Komponenten. Dazu zählen vor allem:

  • Haupttriebwerke
  • Drucktanks
  • massive Strukturadapter
  • Verbindungselemente aus Titan oder Stahl

Die ESA hat beim Wiedereintritt ihrer ATV-Transporter genau diese Bauteile als potenzielle „Überlebende“ identifiziert. Alles andere zerlegt sich oder verglüht.

 

Was bereits in der Nähe von Point Nemo gelandet ist

Der Südpazifik rund um Point Nemo ist kein Einzelfall, sondern seit Jahrzehnten etabliert.

Die Raumstation Mir – ein kontrollierter Abschied

2001 lenkte Russland die Raumstation Mir gezielt aus dem Orbit. Mehrere Bahnmanöver führten zum finalen Deorbit-Burn. Die Trümmer landeten planmäßig im Südpazifik. Mir war der Beweis, dass selbst riesige Strukturen kontrolliert „entsorgt“ werden können.

Routine für Versorgungsraumschiffe

Europäische ATV, japanische HTV und russische Progress-Raumschiffe folgen demselben Prinzip. Nach ihrer letzten Mission zur Raumstation werden sie gezielt in die SPOUA gelenkt. Müllabfuhr und Selbstentsorgung in einem.

Der oft missverstandene Fall Tiangong-1

Die chinesische Raumstation Tiangong-1 wird häufig genannt, passt aber nicht ins Schema. Der Wiedereintritt war unkontrolliert. Dass Trümmer im Südpazifik landeten, war Zufall – kein geplantes Point-Nemo-Manöver.

Beispiele kontrollierter Deorbit-Missionen

Objekt Jahr Masse (ca.) Agentur
Mir 2001 130 t Roskosmos
ATV „Jules Verne“ 2008 20 t ESA
ATV „Johannes Kepler“ 2013 20 t ESA
HTV-Serie ab 2009 16 t JAXA

Diese Umweltfragen stellen sich

Der Begriff „Raumschiff-Friedhof“ weckt Bilder von Schrottfeldern am Meeresboden. Das ist wahrscheinlich nicht ganz. Die Mengen an Material sind gering, die Trümmer liegen weit verstreut in mehreren Kilometern Tiefe.

Mehr Aufmerksamkeit bekommt inzwischen die Atmosphäre. Beim Wiedereintritt entstehen Metalloxide, vor allem Aluminiumoxid. Studien untersuchen, ob diese Partikel langfristig Ozon oder Strahlungshaushalt beeinflussen könnten – ein Thema, das mit steigender Zahl von Satelliten und Wiedereintritten an Bedeutung gewinnt.

Ironisch: Selbst Point Nemo ist längst nicht frei von menschlichen Spuren. Forschende haben dort Mikroplastik nachgewiesen. Der entlegenste Ort der Erde ist also alles andere als unberührt.

Rechtlich kein Niemandsland

Auch über internationalem Gewässer endet die Verantwortung nicht. Nach dem Weltraumrecht haftet der Startstaat für Schäden, die sein Raumfahrzeug auf der Erde verursacht – unabhängig davon, wo es niedergeht.

Gerade deshalb sind kontrollierte Wiedereintrittsmanöver so wichtig. Point Nemo ist kein Schlupfloch, sondern eine Vorsichtsmaßnahme.

Der größte Brocken kommt noch: die ISS

In den 2030er-Jahren steht der kontrollierte Abstieg der International Space Station an. Mit über 400 Tonnen Masse ist sie das größte Objekt, das je gezielt aus dem Orbit geholt werden soll.

NASA plant dafür ein eigenes Deorbit-Fahrzeug. Ziel ist ein präziser Wiedereintritt über einer unbewohnten Pazifikregion – faktisch der Bereich um Point Nemo. Technisch wird das eine der anspruchsvollsten Raumfahrtoperationen überhaupt.

Lesen Sie dazu: So wird der Absturz der Raumstation ISS ablaufen

Ein Ort, der Verantwortung symbolisiert

Point Nemo ist kein dunkles Geheimnis der Raumfahrt. Er ist ihr Sicherheitsnetz. Der einsamste Ort der Erde ist die letzte Adresse für Technik, die uns jahrzehntelang gedient hat.

Je voller der Orbit wird, desto wichtiger wird dieser Punkt im Südpazifik. Still. Abgelegen. Er ist entscheidend dafür, dass die Raumfahrt nicht nur nach oben, sondern auch an das sichere Ende denkt.



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