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Neuer Porsche-Designchef: Tobias Sühlmann und der Kampf um die Form der Zukunft

29. Januar 2026

Tobias Sühlmann
Tobias Sühlmann übernimmt als neuer Designchef bei Porsche die Verantwortung für die Weiterentwicklung der ikonischen Formensprache – zwischen Tradition, Elektrifizierung und neuen digitalen Anforderungen. Foto: Jonathan Jacob Photography Ltd/Bentley Motors/Porsche Holding; Alle Rechte vorbehalten
Mit Tobias Sühlmann wagt Porsche einen Generationswechsel im Design. Große technische Veränderungen stellen gerade bei Sportwagen auch ihre Herausforderungen an eine nachhaltige Gestaltung. Der 46-Jährige ist dafür ein idealer Brückenbauer.
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Form follows function. Den Satz wird Tobias Sühlmann sicher unterschreiben. „Wo du Luft absaugen musst, soll das Design einen Einlass gestalten. Aber auch nur da.“ Funktionalität soll in einem Sportwagen sichtbar sein. Möglichst schön natürlich. „Aber ich mag kein Fake. Ich will Sachen, die Substanz haben. Langlebigkeit, Zeitlosigkeit … Future-Icons, die man auch noch in zwanzig Jahren anschauen kann und sagt: ,Wow, das ist cool.’“

Inhaltsverzeichnis

Warum Porsche der logische nächste Schritt ist

Wo könnte ein Mann mit einem solchen Glaubensbekenntnis besser aufgehoben sein als bei Porsche? Kein Wunder, dass der neue Firmenchef Michael Leiters jetzt seinen Designchef vom vorherigen Arbeitgeber der beiden, McLaren, abgeworben hat. Ab sofort beerbt der 46-Jährige den bisherigen Amtsinhaber Michael Maurer, der zwei Jahrzehnte lang die Fahrzeuge der Zuffenhausener gestaltet hat.

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Ein Generationswechsel mit strategischer Bedeutung

Für den Sportwagenhersteller markiert dieser Wechsel einen Generations- und zugleich Transformationspunkt: Die klassische Porsche-Formensprache muss sich in Zeiten von Elektrifizierung, Software und neuen Nutzungsgewohnheiten behaupten, ohne ihren Kern zu verlieren. Ein Designer, der noch in analoger und Verbrenner-Zeit aufgewachsen ist, passt da als Brückenbauer bestens.

Frühe Leidenschaft für Dynamik und Gestaltung

Sühlmann beschreibt sich im Webtalk mit „Chapter“ als „extremen Autofan“. Schon mit fünf Jahren hat er sein erstes Auto gezeichnet, „mit eingeschlagenen Rädern“. Das sah für den kleinen Tobias einfach dynamischer aus. Und schon in der Schule malte er „ganze Hefte voll“ mit Fahrzeugen.

Pforzheim, Ablehnung und Durchbruch

Pforzheim war darum nach dem Abitur seine Traum-Hochschule. Im ersten Anlauf allerdings haben ihn die strengen Ausbilder abgelehnt. Die Zeichnungen waren den Lehrern „wohl zu künstlerisch“, vermutet Sühlmann. Macht nichts. Hartnäckigkeit und ständige Arbeit auch an der persönlichen Weiterentwicklung zahlen sich aus. Im zweiten Anlauf schaffte der Bewerber die Aufnahme.

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Volkswagen: Serienrealität trifft Markenidentität

Praktika bei Mercedes und PSA haben ihm die ganze Bandbreite des Autodesigns aufgezeigt – und potenziellen Arbeitgebern, was der junge Designer draufhat. So landete Sühlmann 2005 im brandneuen Volkswagen-Designzentrum in Potsdam, bevor er 2007 nach Wolfsburg wechselte. Dort arbeitete er unter anderem an Passat, Arteon und Touareg sowie an mehreren Showcars – also genau an den Modellen, in denen sich Markenidentität und Großserienrealität treffen.

Aufstieg im Konzern und erste Führungsrollen

Sein Talent für strategische Fortentwicklung von edlen Produkten unter Bewahrung des Markenkerns ist in Wolfsburg schnell aufgefallen – und hat ihm viele Förderer und eine zügige Karriere beschert. Im Volkswagen-Konzern war Sühlmann Teil eines Netzwerks aus Designern wie Andreas Mindt, den er 2021 als Bentley-Designdirektor ablöste, während Mindt als Designchef zu Volkswagen Pkw wechselte.

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In Crewe verantwortete er ein rund 50-köpfiges Team, das Exterieur, Interieur sowie Farb- und Ausstattungsdesign einschließlich Konzeptfahrzeugen entwickelt – eine Führungserfahrung, die in Zuffenhausen mit interdisziplinären Studios, Strömungsprüfständen und Konzeptbau nahtlos anschlussfähig ist.

Von Bugatti bis McLaren: Stationen der Hochleistung

Aber der Reihe nach: Nach der Arbeit für Top-Modelle der Massenmarke VW landete Sühlmann zunächst über leitende Positionen als Leiter Exterieurdesign bei Bugatti – und wechselte schließlich als Head of Exterior Design zur Nischen-Konkurrenz von Aston Martin, wo es um Hochleistungs- und Luxusfahrzeuge mit stark emotionalem Auftritt ging.

Britishness, Londoner Lebensstil und die Renngeschichte haben es dem Vater zweier Jungs („beide Autofans“) angetan. Die noch exotischere Edelmarke McLaren war darum ein logischer nächster Arbeitgeber. Bei Bentley war er später maßgeblich am Design des Batur beteiligt. Im September 2023 kam er als Chief Design Officer wieder zu McLaren, wo er mit CEO Leiters eng zusammenarbeitete.

Zwischenzeit als Freelancer – und tiefer Einblick

Als Freelancer in seiner eigenen Firma war er zuvor während der Pandemie tätig – und hat für McLaren einen Prototypen gestaltet. Eine tolle Zeit für ihn, gerade „wegen der Zusammenarbeit mit Technikern und dem tiefen Einblick in Historie und die Zukunft“, so Sühlmann.

Design als integraler Teil der Marke

Marke, Produkt und Design gehören für den Designer integral zusammen, gerade bei den ikonischen Marken, die Sühlmann im Laufe von zwanzig Jahren Karriere weiterentwickelt hat. „Das ist die Kunst des Ganzen“, sagt er mit der ruhigen, freundlichen Stimme, die sein persönliches Markenzeichen ist.

Die große Aufgabe in Zuffenhausen

Seine Teams sind oft mit Weggefährten aus früheren Stationen bereichert – und haben sich auch dort schon mit den Gestaltungs-Herausforderungen durch die Transformation und disruptive Technik beschäftigt. Eine Aufgabe, die ihn etwa bei der Weiterentwicklung klassischer Porsche noch stärker beanspruchen wird.

Sühlmann übernimmt in Schwaben ein Studio mit klar definierter Identität, das gleichzeitig vor tiefgreifenden Aufgaben steht: die Integration neuer Antriebsarchitekturen, wachsende Aerodynamik- und Effizienzanforderungen, neue Software- und HMI-Konzepte … und das in einer steigenden Vielfalt an Derivaten.

Die Herausforderung besteht darin, ikonische Elemente – etwa die 911-Silhouette, den Turbo-Spoiler oder die Taycan-Front – behutsam weiterzuentwickeln und zugleich in neuen Segmenten, etwa elektrischen SUVs oder künftigen Sportwagen, eine eigenständige Zukunftssprache zu formulieren.

Personalisierung, Luxus – und Markentreue

Bei McLaren war Sühlmann übrigens auch für Personalisierung und Kundenprojekte zuständig. Solche millionenteuren „Bespoke“-Modelle sind ein neues, lukratives Segment bei Edelherstellern.

Wichtig bleibe es aber, dass die Fahrzeuge weiter klar so aussehen und sich auch so fahren, wie es die Marke verspricht, betont der Chefdesigner in Zuffenhausen. „True to the brand“, bringt es Sühlmann auf den Punkt. Porsche-Chef Leiters wird die Botschaft gern hören. Es ist ja auch die Arbeitsplatzbeschreibung seiner Techniker.

Kurzbiografie: Tobias Sühlmann

Tobias Sühlmann wurde 1981 geboren und studierte Transportation Design an der Hochschule Pforzheim, wo er 2005 sein Diplom ablegte. Im selben Jahr stieg er bei Volkswagen ins Design ein und arbeitete zunächst in Potsdam, später im Designzentrum in Wolfsburg.

Anschließend übernahm er leitende Designfunktionen bei Bugatti, Aston Martin, McLaren und Bentley und prägte dort verschiedene Sport- und Luxusmodelle. Ab Februar ist der Vater zweier Jungs („Autofans“, so Sühlmann) der fünfte Leiter Design in der Geschichte der Porsche AG und verantwortet die Gestaltung des gesamten Modellportfolios.



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