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Konstruktion als Stellschraube für Kostensenkungen

16. März 2012

Der Mammutanteil an den Produktkosten wird bereits beim Engineering festgelegt. Kostensenkungen sind jedoch nicht nur Soloaufgabe für Konstrukteure, meint Jan O. Fischer, Chef der GKP Gesellschaft für kostenorientierte Produktentwicklung in Köln. Die besten Ergebnisse würden erzielt, wenn unternehmensweite Projektteams die Vorschläge diskutieren und mit vorantreiben.
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Aufgaben im Bereich kostensenkender Produktentwicklung werden oft von der Vertriebsabteilung eines Unternehmens angestoßen: Der Vertrieb beobachtet Marktentwicklungen und weiß, dass die Kunden von Qualitätsführern durchaus Preise akzeptieren, die bis zu 15 % höher als bei den Wettbewerbern sind. Soll die Konkurrenzfähigkeit erhalten bleiben, dürfen sie das Marktniveau aber keinesfalls um 50 % überschreiten. „Rückt diese kritische Marke näher, dann ist es höchste Zeit für ein wirksames Kostenmanagement. In einer solchen Situation müssen die Kosten und damit der mögliche Verkaufspreis einer Maschine oder Anlage reduziert werden“, fordert Jan O. Fischer. Gleichzeitig sei sicherzustellen, dass die Qualität des Produkts nicht beeinträchtigt werde.

Konventionelle Maßnahmen des Kostensenkens beschränken sich oft auf den Beschaffungs- oder Fertigungsbereich. „Da die Konstruktion aber bereits bis zu 80 % der späteren Produktkosten festlegt, ist es offensichtlich, dass es die Entwicklung ist, die den wirksamen Stellhebel zum Kostensenken in der Hand hält“, betont Fischer. Um dieses Potenzial zu nutzen, seien innovative Ansätze erforderlich. „Schließlich sind Konstrukteure von Haus aus eher Profis in der Technik als im Kostendenken“, weiß der Berater. Meist ließen sich die geforderten Kostensenkungen auch nicht durch eine einfache Überarbeitung des Produkts erreichen. Maßnahmen wie die Verringerung der Materialkosten oder die Vereinheitlichung von Bauteilen bzw. Komponenten würden oft nur zu Einsparungen von etwa 10 % führen.

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Kostensenkungen: Wünsche des Kunden in den Mittelpunkt rücken

Dagegen könnten Kostensenkungen bis etwa 30 % mit Anpassungskonstruktionen bewirkt werden. Eine höhere Drosselung der Ausgaben lässt sich dann erzielen, wenn die vom Kunden geforderten Funktionen in den Mittelpunkt der Analyse gestellt werden. Unvoreingenommene Untersuchungen und Diskussionen der Produktmerkmale zeigen laut Fischer nicht selten, dass allen Kunden standardmäßig die „eierlegende Wollmilchsau“ angeboten wird, obwohl eine Vielzahl der darin enthaltenen Funktionen ganz offensichtlich nur für einen Teil der Kunden von Wert ist. Daher müssen die oft historisch gewachsenen Produktfunktionen kritisch auf den Prüfstand gestellt werden. Ein wichtiger Schlüssel für den Projekterfolg liegt dabei darin, dass die Aufgaben von einem integrativen Team bearbeitet werden.

Insbesondere bei der anfänglichen Funktionsanalyse ist dabei ebenso der Vertrieb gefragt wie die Mitarbeiter aus dem Service. Fischer meint: „Diese haben durch ihre Anwesenheit vor Ort das Ohr beim Kunden und wissen oft am besten, wo diesen der Schuh drückt.“ Seien die Funktionen identifiziert, die für die verschiedenen Marktsegmente tatsächlich erforderlich sind, würden im nächsten Schritt die kostengünstigsten Möglichkeiten für deren Realisierung gesucht. Auch hier müssten regelmäßige Treffen erfolgen, bei denen die Vorschläge der Konstrukteure im Projektteam diskutiert werden. Die Bildung eines solchen Teams über die Abteilungsgrenzen hinweg sei für viele Unternehmen ungewohnt, und mitunter prallten sehr unterschiedliche Mentalitäten der verschiedenen Bereiche aufeinander.

Kostensenkungen durch innovative Teamarbeit

Aber gleichzeitig gewährleistet diese Heterogenität, dass das gesamte Fachwissen aller der Konstruktion nachgelagerten Unternehmensbereiche in die Entwicklung der Produkte einfließt. „Ein weiterer Vorteil des integrativen Teams ist, dass die Unternehmensbereiche, welche sich später mit der Fertigung und dem Vertrieb der Neuentwicklung ‚herumplagen‘ müssen, von Beginn an in deren Entwicklung eingebunden waren“, berichtet Fischer. Daher seien sie dann auch gegenüber innovativen und möglicherweise ungewöhnlichen Lösungen aufgeschlossen und hätten die Motivation, sich Herausforderungen zu stellen, wie sie etwa neue Bearbeitungsverfahren mit sich bringen. Denn bei der Bewertung konstruktiver Lösungsvorschläge müssten neben den technischen Aspekten genauso die Kosten berücksichtigt werden.

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Das bedeutet, dass belastbare Kostenprognosen bereits zu einem Zeitpunkt getroffen werden müssen, zu dem es oft nicht mehr gibt als eine Skizze. Fischer erläutert: „Hierzu werden spezielle Methoden eingesetzt, mit denen sich zu sehr frühen Zeitpunkten der Entwicklung die späteren Kosten prognostizieren lassen.“ Dabei würden beispielsweise durch Vergleiche mit bereits vorhandenen Baugruppen und Bauteilen die Kosten für neue Konstruktionslösungen abgeleitet. Kostenwachstumsgesetze, Relativkosten und Regressionsanalysen ermöglichten das fallbasierte Schließen auf die Kosten ähnlicher Objekte. Indem die technischen den wirtschaftlichen Merkmalen von vorhandenen Konstruktionsobjekten gegenübergestellt werden, ließen sich auch Kostenfunktionen bilden, die den Kostenverlauf in Abhängigkeit der technischen Merkmale darstellen.



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