Auftragsrückgänge bei Ingenieuren 29.04.2020, 11:26 Uhr

Ingenieurbüros: So hart trifft sie die Coronakrise

Selbstständige Ingenieure haben bereits jetzt mit den Auswirkungen der Coronakrise zu kämpfen. Dabei haben kleine und große Büros teils recht unterschiedliche Probleme.

Das größte Problem für Ingenieure: Wegbrechende Aufträge. Viele Büros haben zudem mit Verzögerungen auf der Baustelle zu kämpfen. Foto: panthermedia.net/Kzenon

Das größte Problem für Ingenieure: Wegbrechende Aufträge. Viele Büros haben zudem mit Verzögerungen auf der Baustelle zu kämpfen.

Foto: panthermedia.net/Kzenon

Die Coronakrise hat spürbare wirtschaftliche Auswirkungen: Unternehmen brechen Aufträge weg, ganze Branchen vor allem im Dienstleistungssektor aber auch in der Produktion sind gefährdet.  Experten rechnen mittelfristig mit einer Rezession: Dass sie kommen wird, ist für viele klar. Die Frage ist eher, wie stark sie ausfallen wird. Grundsätzlich gilt: Je länger die Krise andauert, desto schwerwiegender werden auch die wirtschaftlichen Folgen sein.

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Auch viele Ingenieurbüros sind von den Auswirkungen der Coronakrise betroffen, wie eine aktuelle Befragung der Bundesingenieurkammer klar macht. Demnach gaben 24 % der Befragten an, deutliche Auswirkungen der Epidemie zu spüren. 51 % sehen leichte negative Auswirkungen, 25 % stellen bislang gar keine negativen Folgen der Corona-Epidemie fest.

Ingenieure in der Coronakrise: Abgesagte Aufträge sind größtes Problem

Überdurchschnittlich häufig betroffen sind laut der Befragung mit 86 % größere Büros, in denen zehn Personen und mehr arbeiten. Von den Ein-Personen-Büros gaben 65 % an, leichte bis deutlich negative Entwicklungen zu spüren.

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Das größte Problem für die Büros sind erwartungsgemäß abgesagte oder zurückgestellte Aufträge von Kunden. Das gaben 46 % der Befragten an. Viele Kunden stoppen derzeit angesichts der Unwägbarkeiten durch die Coronakrise zum Beispiel Bauvorhaben oder andere Projekte.

An zweiter Stelle der drängendsten Probleme stehen laut der Befragung Verzögerungen im Genehmigungsprozess wegen arg unterbesetzter öffentlicher Verwaltungsstellen:  33 % nannten das als spürbare negative Auswirkung. Für 25 % sind zudem Verzögerungen auf der Baustelle durch Lieferverzögerungen eine Folge der Coronakrise sowie Personalengpässe der ausführenden Unternehmen. Die Umsetzung von Hygienevorschriften auf der Baustelle sehen 20 % der befragten Büros als Problem.

Unterbesetzung der Verwaltung macht Ingenieuren zu schaffen

Dabei belastet die Unterbesetzung der öffentlichen Verwaltungsbehörden, Verzögerungen auf der
Baustelle und der Ausfall eigener Mitarbeiter größere Büros häufiger als kleinere. Auftragsausfälle sowie Zurückstellungen oder Zahlungsengpässe bei Auftraggebern belasten die Büros hingegen ungeachtet ihrer Größe in ähnlichem Maße, so das Ergebnis der Bundesingenieurkammer.

Büros mit vornehmlich privaten oder gewerblichen Bauherren berichten demnach häufiger von Auftragsausfällen und  Auftragsrückstellungen sowie von Zahlungsengpässen bei Auftraggebern als Befragte, die überwiegend für öffentliche Auftraggeber tätig sind. Letztere geben demgegenüber aber häufiger an, darunter zu leiden, dass die Rechnungsbegleichung verzögert ist, weil die öffentliche Verwaltung durch die Coronapandemie und die damit einhergehenden Maßnahmen unterbesetzt ist.

Kleine Ingenieurbüros haben häufiger mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen

Auch zu den direkten wirtschaftlichen Folgen gaben die Befragten Auskunft: 51 % stellen demnach bereits zum Zeitpunkt der Befragung negative wirtschaftliche Folgen für das eigene Büro fest oder können diese absehen. 41 % stellen sich auf Liquiditätsengpässe ein: 11 % von ihnen haben bereits jetzt Liquiditätsprobleme oder erwarten sie in der ersten Jahreshälfte. 30 % rechnen im zweiten Halbjahr 2020 damit.

Die Auftragsrückstellungen wirken sich spürbar auf die Auslastung aus: In gut einem Fünftel der Büros sind die Mitarbeiter laut der Befragung nicht mehr ausgelastet oder werden es in Kürze nicht mehr sein. Dabei zeichnet sich eine Tendenz abhängig von der Größe der Betriebe ab: Während vor allem kleine Büros häufiger mit akuten Liquiditätsproblemen zu kämpfen haben, geben mittelgroße und größere Büros häufiger an, nicht mehr ausgelastet zu sein.

Großteil der Ingenieure braucht noch keine Finanzhilfe

Aber: 71 % der Büroinhaber brauchen derzeit noch keine finanziellen Hilfen. 18 % erklärten, eine Entlastung bei Steuervorauszahlungen zu benötigen, 17 % brauchen Zuschüsse. Vor allem die größeren Büros mit mehr Mitarbeitern setzen häufiger auf Entlastungen bei Sozialabgaben und Lohnkosten, kleinere Büros benötigen eher Zuschüsse.

Die kompletten Umfrageergebnisse können hier eingesehen werden.

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Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

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