Neue Wege zur Jobsuche 07.10.2026, 13:30 Uhr

Jobsuche mit ChatGPT: Die Empfehlung ist erst der Anfang

Jobsuche mit KI: ChatGPT empfiehlt Arbeitgeber, doch Bewertungen von Beschäftigten bleiben der entscheidende Gegencheck für Bewerbende.

AI-Suche

ChatGPT und andere KI-Tools verändern die Jobsuche – Arbeitgeberbewertungen bleiben dabei eine wichtige Orientierung für Bewerbende..

Foto: Smarterpix/sarachnarat@gmail.com

KI unterstützt die Jobsuche. Wer ChatGPT nach einem passenden Arbeitgeber fragt, kann neben Unternehmensinformationen auch Hinweise auf Bewertungen von Mitarbeitenden und ehemaligen Beschäftigten erhalten. Eine aktuelle Befragung zeigt, wie viele Bewerbende bereits auf KI setzen und welche Rolle Arbeitgeberbewertungen dabei spielen.

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Wer einen neuen Job sucht, fragt inzwischen nicht mehr nur Google oder Jobbörsen. Auch ChatGPT und andere KI-Tools werden zur Anlaufstelle: Welche Arbeitgeber passen zu mir? Welche Unternehmen bieten gute Karrierechancen? Und wo sollte ich mich besser nicht bewerben?

Die Befragung eines interdisziplinären Forschungsteams der Wirtschaftsuniversität Wien, des IMC Krems und der Universität Amsterdam zeigt, welche Rolle KI bei der Jobsuche in Deutschland spielt. 29 % der Bewerbenden geben an, KI-Tools wie ChatGPT oder Claude für die Jobsuche und die Recherche zu Arbeitgebern zu nutzen. Weitere 44 % können sich vorstellen, bei der nächsten Jobsuche auf solche Werkzeuge zurückzugreifen.

Besonders offen für die neue Form der Jobsuche sind jüngere Menschen. Unter den 18- bis 29-Jährigen nutzen bereits 38 % KI für die Suche nach einem neuen Job. Weitere 43 % können sich das vorstellen.

KI wird zur neuen Anlaufstelle bei der Jobsuche

42 % halten die Informationen zu Jobs und Arbeitgebern, die ihnen KI-Tools liefern, für glaubwürdiger als Ergebnisse einer klassischen Suche über Google oder Jobbörsen. 15 % bewerten die KI-Ergebnisse als weniger glaubwürdig. Das beschreibt das Vertrauen in die Antworten – nicht deren nachgewiesene Richtigkeit.

Bei der KI-Recherche nehmen Bewerbende unterschiedliche Quellen wahr. Dazu gehören neben den eigenen Unternehmensseiten auch externe Bewertungen, Medienberichte und Beiträge aus sozialen Netzwerken.

Die Befragung nennt dafür folgende Werte:

  • 82 %: Karriereseiten und andere eigene Quellen der Arbeitgeber
  • 69 %: Arbeitgeberbewertungen, etwa auf kununu
  • 58 %: Presseberichte
  • 58 %: Beiträge in Foren, Communities oder sozialen Medien

Diese Angaben beschreiben die Wahrnehmung der Befragten. Sie zeigen nicht, wie KI-Systeme die Quellen tatsächlich auswählen oder gewichten.

Arbeitgeberbewertungen können als Gegencheck für Informationen dienen, die ein KI-Tool über ein Unternehmen liefert. Allerdings können dieselben Bewertungen bereits in die KI-Antwort eingeflossen sein. Eine unabhängige Bestätigung sind sie dann nicht.

Lesen Sie auch: Arbeitgeber scheitern an Kununu: Wie Sie durch Ignoranz Vertrauen verlieren

Wenn Bewertungen einer KI-Empfehlung widersprechen

Welche Bedeutung Bewertungen haben, zeigt sich besonders dann, wenn KI-Tools konkrete Unternehmen empfehlen. Wird Jobsuchenden beispielsweise von ChatGPT ein Arbeitgeber vorgeschlagen, der gleichzeitig schlechte Bewertungen aufweist, orientieren sich laut Befragung 76 % eigenen Angaben zufolge an den Bewertungen.

Das heißt nicht automatisch, dass sie den empfohlenen Arbeitgeber ausschließen. Eine KI-Empfehlung allein reicht vielen Bewerbenden offenbar aber nicht.

„KI verändert die Jobsuche nicht dadurch, dass sie bisherige Kanäle wie Google einfach ersetzt. Vielmehr gehen Bewerbende in einen Dialog mit dem KI-Tool ihrer Wahl, das Empfehlungen ausspricht, welche Arbeitgeber infrage kommen und vor allem auch, welche nicht“, erklärt Prof. Dr. Markus Latzke vom IMC Krems.

Für Unternehmen bedeutet das: Eine attraktive Karriereseite und professionell formulierte Stellenanzeigen sind nur ein Teil des Bildes. Auch die Erfahrungen aktueller und ehemaliger Beschäftigter sowie anderer Bewerbender können die Einschätzung eines Arbeitgebers prägen.

Lesen Sie auch: Wenn ChatGPT zum Karriereberater wird

Was Bewerbende von Arbeitgebern erwarten

Damit ergänzt die Befragung frühere Untersuchungen des Forschungsteams zu Arbeitgeberbewertungen. Diese sind für viele Bewerbende längst kein beiläufiger Zusatzaspekt mehr.

„Neu ist nun, dass sie diese wichtige Rolle auch innerhalb der KI-gestützten Suche behaupten. Sie werden dort zu einer Art Prüfstein für automatisch generierte Arbeitgeberempfehlungen“, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Mayrhofer von der Wirtschaftsuniversität Wien.

Die Befragten erwarten dabei einen aktiven Umgang mit dem Feedback:

  • 54 % möchten, dass Arbeitgeber auf negative Bewertungen reagieren und Stellung beziehen.
  • 52 % finden es wichtig, dass Unternehmen Bewertungen analysieren und das Feedback für ihre Weiterentwicklung nutzen.
  • 47 % wünschen sich laut Befragung, dass Arbeitgeber Bewertungen „neutral fördern“.

Für Unternehmen kann es deshalb sinnvoll sein, Bewertungen nicht nur öffentlich zu beantworten, sondern auch die angesprochenen Probleme intern zu prüfen.

Warum Jobbörsen trotz KI wichtig bleiben

KI-Tools und Jobbörsen können sich bei der Jobsuche ergänzen. Jobbörsen bieten Zugang zu konkreten Stellenangeboten. Einige integrieren inzwischen selbst KI-Funktionen, sodass sich beide Formen der Suche überschneiden.

Gerade spezialisierte Jobbörsen können für Fachkräfte eine Ergänzung zur Arbeitgeberrecherche sein. Auf jobs.ingenieur.de können Ingenieurinnen und Ingenieure gezielt nach passenden Stellen suchen.

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Was die neue Jobsuche für Bewerbende bedeutet

Für Jobsuchende kann die Kombination verschiedener Quellen sinnvoll sein. KI-Tools ermöglichen einen ersten Überblick über Arbeitgeber und können Hinweise auf weitere Informationen liefern. Bewertungen zeigen, wie Beschäftigte oder Bewerbende ein Unternehmen erleben. Jobbörsen machen konkrete Stellenangebote auffindbar.

Dabei sollten Bewerbende die Informationen aus der KI nicht ungeprüft übernehmen. Antworten können falsch, unvollständig oder veraltet sein. Bewertungen wiederum spiegeln individuelle Erfahrungen wider und bilden nicht zwangsläufig die gesamte Arbeitsrealität eines Unternehmens ab. Wichtig sind deshalb auch deren Aktualität, der Standort, der Tätigkeitsbereich und wiederkehrende Kritikpunkte.

Eine Recherche kann aus mehreren Schritten bestehen:

  1. Mit KI recherchieren: Welche Arbeitgeber und Stellen könnten interessant sein?
  2. Quellen und Bewertungen prüfen: Sind die Belege erreichbar und aktuell? Wie bewerten Beschäftigte und Bewerbende das Unternehmen?
  3. Weitere Quellen ansehen: Was berichten Medien, Fachportale wie ingenieur.de oder Communities?
  4. Stellenangebote vergleichen: Welche konkreten Positionen sind aktuell ausgeschrieben?
  5. Direkt beim Arbeitgeber nachsehen: Stimmen die Angaben mit der aktuellen Stellenanzeige überein? Welche Fragen bleiben für das Vorstellungsgespräch offen?

Studie mit mehr als 2000 Bewerbenden

Im Mai 2026 befragte ein interdisziplinäres Forschungsteam 2076 Bewerbende in Deutschland. Alle Teilnehmenden hatten sich in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal beworben. Das Durchschnittsalter lag bei 44,5 Jahren. Männer und Frauen waren zu gleichen Teilen vertreten.

Auch unterschiedliche Bildungsniveaus wurden berücksichtigt: 33 % der Befragten hatten einen niedrigen Bildungsabschluss, 34 % einen mittleren und 34 % einen höheren. Die Abweichung von insgesamt 100 % ergibt sich aus den gerundeten Angaben.

Die Forschenden untersuchten vor allem, welche Rolle Arbeitgeberbewertungen bei der Jobsuche spielen und wie Bewerbende diese im Zusammenhang mit KI nutzen. Die Ergebnisse beruhen auf den Angaben der Teilnehmenden. Sie belegen weder die technische Funktionsweise der KI-Systeme noch das tatsächliche spätere Bewerbungsverhalten.

Zum Forschungsteam gehören Prof. Dr. Wolfgang Mayrhofer von der Wirtschaftsuniversität Wien, Prof. Dr. Markus Latzke vom IMC Krems und Dr. Marco Rapp von der Universität Amsterdam.

Die Befragung bezieht sich auf Bewerbende in Deutschland insgesamt. Spezifische Aussagen über Ingenieurinnen und Ingenieure lassen sich daraus ohne gesonderte Auswertung nicht ableiten.

Quellen

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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