Frauen in Tech 24.04.2026, 13:30 Uhr

Zwischen Selbstzweifeln und Erfolg: Verena Pausder spricht Klartext auf der Femworx 2026

Verena Pausder auf der Femworx 2026 spricht über Selbstzweifel, Führung und Gründung – und warum Karriere selten geradlinig verläuft.

Eröffnung und Preisverleihung Engineering Woman Award 2026, Verena Pausder, Unternehmerin, Investorin und Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Startups

Verena Pausder, Unternehmerin, Investorin und Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Startups spricht bei der Eröffnung und Preisverleihung Engineering Woman Award 2026.

Foto: Deutsche Messse AG/Rainer Jensen

Es ist ein Vormittag, der weniger nach klassischer Konferenz und mehr nach Aufbruch wirkt. Schon beim Betreten des Convention Centers wird deutlich: Die Femworx 2026 ist kein reines Netzwerktreffen, sondern ein Raum für Orientierung, Austausch und Zukunftsfragen – besonders für Frauen im MINT-Bereich.

„Grow Together, Rise Higher“ lautet das Motto der diesjährigen Veranstaltung, die als eine der wichtigsten Plattformen für Female Leadership in Deutschland gilt. Über zwei Tage hinweg geht es um Karrierewege, neue Arbeitswelten, Innovation und die Frage, wie Frauen Führungspositionen in Wirtschaft und Technologie stärker prägen können.

Die Moderatorin Ninia LaGrande bringt diesen Anspruch in ihrer Eröffnung auf den Punkt: Sie begleite die Teilnehmenden durch zwei Vormittage voller Panels, Workshops und Keynotes – und betont, dass die Femworx nicht nur Bühne, sondern vor allem Begegnungsraum sei.

„Ihr habt die richtige Entscheidung getroffen, heute hier zu sein“, sagt sie sinngemäß und verweist auf das breite Programm aus praxisnahen Formaten, Networking-Möglichkeiten und konkreten Karrierechancen.

Auch Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG, unterstreicht in seiner Begrüßung die Bedeutung der Veranstaltung in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Gerade jetzt seien Themen wie Fachkräftemangel, Chancengleichheit und Innovation entscheidend.

„In einer hochentwickelten Gesellschaft gibt es nur zwei Dinge, die uns wirklich nach vorne bringen: junge Menschen und Innovationen“, so Köckler. Besonders die vielen Schülerinnen im Publikum seien dabei nicht nur Zuschauerinnen, sondern zentrale Zukunftsgestalterinnen.

Verena Pauser: „Karriere ist kein gerader Weg nach oben“

Einen der zentralen Impulse des Vormittags liefert Verena Pausder – Unternehmerin, Investorin und Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Deutsche Startups. Sie wird von Köckler als prägendes Beispiel für modernes Chancendenken und gesellschaftliches Engagement vorgestellt.

Pausder beginnt ihre Keynote bewusst nah an der Realität statt an der Erfolgserzählung. Karriere, so ihre zentrale Botschaft, sei selten planbar oder geradlinig.

„Karriere wirkt von außen oft wie eine klare Linie nach oben, ist in Wahrheit aber ein Weg voller Zweifel, Umwege und Entscheidungen ohne Garantie“, sagt sie sinngemäß vor dem Publikum.

Besonders wichtig ist ihr der Blick auf das, was hinter Erfolgen liegt: Unsicherheit, Lernprozesse und Situationen, in denen man sich selbst infrage stellt. Gerade diese Momente würden in öffentlichen Karrieren häufig unsichtbar bleiben.

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Frauen in Führung: „Eine der größten ungenutzten Ressourcen“

Ein Schwerpunkt ihrer Rede ist die Rolle von Frauen in Führungspositionen. Trotz wachsender Aufmerksamkeit seien Frauen in Wirtschaft, Start-ups und Technologie weiterhin deutlich unterrepräsentiert.

„Die größte stille Reserve dieses Landes sind die vielen Frauen, deren Potenzial wir noch nicht konsequent in Verantwortung bringen“, macht Pausder deutlich. Es gehe dabei nicht um individuelles Können, sondern um Strukturen, Zugänge und Vorbilder.

Gerade in innovationsgetriebenen Branchen sei das ein entscheidender Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit.

Gründen in Deutschland: Warum der perfekte Moment nicht existiert

Auch das Thema Gründung spielt eine zentrale Rolle. Viele Frauen würden den Schritt in die Selbstständigkeit als hochriskant und nur unter perfekten Bedingungen möglich wahrnehmen.

Diese Vorstellung relativiert Pausder deutlich. „Wir glauben oft, wir bräuchten die perfekte Idee, das perfekte Team und den perfekten Zeitpunkt – aber entscheidend ist nicht der perfekte Moment, sondern dass man überhaupt anfängt“, sagt sie sinngemäß.

Erfolgreiche Gründungen entstünden selten im geschlossenen Raum, sondern durch Austausch, Feedback und den Mut, früh sichtbar zu werden.

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Selbstzweifel im Job: ein leiser, aber ständiger Begleiter

Sehr persönlich wird Pausder beim Thema Selbstzweifel. Auch mit Erfahrung und Verantwortung verschwinde dieses Gefühl nicht vollständig.

„Manchmal sitzt man in einem Raum und denkt: Gleich merkt jemand, dass ich hier eigentlich gar nicht hingehöre“, beschreibt sie ein inneres Muster, das viele im Publikum kennen dürften.

Doch die Realität zeige etwas anderes: Kompetenz werde nicht sofort anerkannt, aber langfristig sichtbar – durch Vorbereitung, Kontinuität und das wiederholte Bestehen in neuen Situationen.

Vereinbarkeit und Grenzen: Karriere braucht Klarheit statt Dauerverfügbarkeit

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der Anspruch, in allen Lebensbereichen gleichzeitig perfekt zu funktionieren, führe häufig zu Überlastung.

„Es wird nie jemanden geben, der dir sagt: Jetzt hast du alles richtig gemacht“, so Pausder. Deshalb sei es entscheidend, eigene Maßstäbe zu entwickeln statt sich an externen Erwartungen zu orientieren.

Dazu gehöre auch die Fähigkeit, bewusst Grenzen zu setzen. „Nein sagen ist keine Schwäche, sondern eine Form von Klarheit“, betont sie. Wer dauerhaft jede Anfrage annehme, verliere Fokus und langfristig auch Wirkung.

Junge Schülerinnen im Publikum: Karriere beginnt mit Möglichkeiten, nicht mit Perfektion

Besonders präsent im Saal sind viele junge Schülerinnen, die sich in der Phase der Berufsorientierung befinden. Für sie ist die Femworx nicht nur eine Fachveranstaltung, sondern ein erster direkter Kontakt mit möglichen Zukunftswegen.

Die Keynote zeigt ihnen vor allem eines: Karrieren verlaufen nicht nach Plan, sondern entwickeln sich. Sie entstehen durch Entscheidungen, Umwege und den Mut, Dinge auszuprobieren.

Und genau hier setzt der optimistische Schlussgedanke der Veranstaltung an: Wenn Karriere kein perfektes Konzept mehr sein muss, sondern ein gestaltbarer Prozess ist, dann eröffnet das neue Freiheit.

Die entscheidende Perspektive verschiebt sich damit – weg von der Frage, ob alles richtig gemacht wird, hin zu einer viel wichtigeren Frage: Wie viele neue Möglichkeiten werden diese jungen Schülerinnen nutzen, die heute hier sitzen, wenn sie ihre eigenen Wege in einer sich rasant verändernden Arbeitswelt beginnen?

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Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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