Studie 29.07.2026, 12:30 Uhr

Wechseljahre im Job: Unternehmen unterschätzen ein Thema, das Millionen Frauen betrifft

Studie zeigt: Wechseljahre werden im Job stark unterschätzt. Viele Frauen leiden unter Beschwerden, doch Unternehmen bieten kaum Unterstützung oder offene Kultur.

Eine Frau im Büro

Viele Frauen erleben Wechseljahresbeschwerden auch im Berufsalltag – doch in Unternehmen fehlt es häufig an Unterstützung.

Foto: Smarterpix/HayDmitriy

Die Wechseljahre sind für viele Frauen auch im Berufsleben ein relevantes Thema – werden dort aber bislang kaum berücksichtigt. Das zeigt die aktuelle Studie „Arbeit in den Wechseljahren“, für die das Marktforschungsinstitut bilendi im Auftrag von voiio 1037 Frauen befragt hat, die sich aktuell in den Wechseljahren befinden oder diese bereits abgeschlossen haben.

Doch so neu ist das Thema nicht. Wir haben auch ausführlich darüber berichtet, warum die Wechseljahre deutsche Unternehmen teuer zu stehen kommen. Auch eine andere Studie aus dem Jahr 2024 beschäftigte sich mit diesem „Tabu-Thema“. Doch in der Studie aus dem Jahr 2024 wurde vor allem die Sicht der Unternehmen untersucht, indem Personalverantwortliche befragt wurden. Die Perspektive der Frauen in den Wechseljahren selbst blieb dabei weitgehend unberücksichtigt.

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Demnach wünschen sich viele Betroffene mehr Aufmerksamkeit für das Thema. 70 % der befragten Frauen sind der Meinung, dass die Wechseljahre im Berufsleben unterschätzt werden. Gleichzeitig zeigt die Studie eine große Lücke zwischen dem Bedarf der Beschäftigten und den Angeboten der Arbeitgeber.

Doch zurück zu der aktuellen Studie. Nur wenige Unternehmen unterstützen Frauen in den Wechseljahren aktiv:

  • 3 % der Befragten geben an, dass ihr Unternehmen entsprechende Maßnahmen anbietet.
  • 78 % berichten, dass es kein Unterstützungsangebot ihres Arbeitgebers gibt.
  • 19 % wissen nicht, ob solche Maßnahmen vorhanden sind.

Damit bleibt ein Thema, das viele berufserfahrene Frauen betrifft, in der Arbeitswelt bislang weitgehend unsichtbar.

Jede zweite Arbeitnehmerin spürt Auswirkungen im Berufsalltag

Die Studie zeigt zudem, dass Beschwerden während der Wechseljahre für viele Frauen konkrete Auswirkungen auf den Arbeitsalltag haben. Mehr als die Hälfte der Befragten berichtet von Beeinträchtigungen.

Dabei unterscheiden sich Häufigkeit und Intensität:

  • 14 % erleben Beschwerden im Arbeitsalltag immer oder häufig.
  • 41 % berichten von gelegentlichen Auswirkungen.
  • Bei den Frauen, die Einschränkungen wahrnehmen, bewertet fast ein Drittel (30 %) deren Einfluss auf die berufliche Leistungsfähigkeit als stark.

Am häufigsten nennen die Befragten körperliche und psychische Belastungen, die sich auf ihre Arbeit auswirken:

  • 78 % berichten von schnellerer Erschöpfung.
  • 58 % erleben stärkere Schwankungen ihrer Leistungsfähigkeit.
  • 56 % fühlen sich emotional weniger belastbar.
  • 55 % haben Konzentrationsprobleme.
  • 53 % fühlen sich im Arbeitsalltag schneller gereizt oder weniger ausgeglichen.
  • 42 % geben an, länger für Aufgaben zu benötigen.

Wechseljahre im Job: Viele Frauen arbeiten trotz Beschwerden weiter

Wenn es um den Umgang mit Beschwerden während der Wechseljahre geht, setzen viele Frauen im Berufsalltag auf Zurückhaltung. Statt offen darüber zu sprechen oder sich krankzumelden, arbeiten viele Betroffene trotz gesundheitlicher Belastungen weiter.

Nur etwa jede zehnte Frau in den Wechseljahren gibt an, sich aufgrund der Beschwerden transparent krankgemeldet zu haben oder dies bereits getan zu haben. 18 % nennen andere Gründe für ihre Abwesenheit. Deutlich häufiger ist dagegen der Umgang nach dem Motto „durchhalten“:

  • 62 % der befragten Frauen arbeiten trotz Beschwerden weiter.
  • 41 % dieser Frauen greifen dafür auf Medikamente zurück oder haben dies bereits getan.

Die Ergebnisse zeigen, dass viele Frauen versuchen, ihre Beschwerden im Arbeitsalltag möglichst unsichtbar zu halten.

Angst vor Vorurteilen: Frauen wollen nicht als weniger belastbar gelten

Auch beim Austausch über die Wechseljahre spielt Vertrauen eine entscheidende Rolle. Viele Frauen sprechen darüber vor allem mit Personen, bei denen sie sich sicher fühlen.

  • 65 % können nach eigenen Angaben mit engen weiblichen Kolleginnen über das Thema sprechen.
  • Im gesamten Team würden dies nur noch 34 % tun.
  • Lediglich 5 % wenden sich an die Personalabteilung.
  • Nur 8 % sprechen das Thema gegenüber einer männlichen Führungskraft an.
  • Bei einer weiblichen Führungskraft liegt der Anteil bei 28 %.

Die Zurückhaltung gegenüber Arbeitgebern hat vor allem mit der Sorge vor negativen Bewertungen zu tun. Viele Frauen befürchten, im beruflichen Umfeld als weniger leistungsfähig oder belastbar wahrgenommen zu werden.

Von den Frauen, die nicht mit der Personalabteilung über Wechseljahresbeschwerden sprechen, nennen 64 % genau diese Sorge als Grund. Auch bei Gesprächen mit weiblichen Führungskräften spielt dieser Faktor eine wichtige Rolle: 65 % möchten nicht den Eindruck erwecken, weniger belastbar zu sein.

Zudem fehlt vielen Frauen das Vertrauen, auf Verständnis zu stoßen:

  • 50 % erwarten kein ausreichendes Verständnis von einer weiblichen Führungskraft.
  • Ebenfalls 50 % vermuten bei männlichen Führungskräften fehlendes Einfühlungsvermögen.

„Viele Frauen in den Wechseljahren bringen wertvolle Erfahrung, Wissen und Verantwortung in ihr Arbeitsumfeld ein – genau deshalb sollten Arbeitgeber das Thema nicht als Randfrage behandeln. Es geht nicht darum, Frauen in dieser Lebensphase als weniger leistungsfähig zu betrachten. Im Gegenteil: Unternehmen sollten Bedingungen schaffen, unter denen erfahrene Mitarbeiterinnen ihre Stärken weiterhin gut einsetzen können. Dafür braucht es flexible Rahmenbedingungen, sensibilisierte Führungskräfte und eine HR-Kultur, die Unterstützung ermöglicht, ohne Beschäftigte unter Rechtfertigungsdruck zu setzen“, ordnet Kerstin Michels, Geschäftsführerin von voiio, die Ergebnisse der Untersuchung ein.

Für die Studie „Arbeit in den Wechseljahren“ wurden 1037 Frauen befragt, die sich nach eigenen Angaben aktuell in den Wechseljahren befinden oder diese bereits abgeschlossen haben. Die Befragung wurde im April 2026 durchgeführt und von voiio beim Marktforschungsinstitut bilendi in Auftrag gegeben. Voiio ist eine 2018 in Berlin gegründete Plattform für Vereinbarkeit, Gesundheit und mentale Unterstützung im Arbeitsleben.

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Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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