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Berufswechsel kostet Einkommen, Branchenwechsel kaum

06. August 2026

Weibliche Ingenieurin und männlicher Projektmanager stehen in einer modernen Industriehalle neben einem präzisen Roboterarm.
Strukturwandel verändert die Industrie: Wer berufliche Kompetenzen weiterentwickelt, kann neue Aufgabenfelder erschließen. Foto: Smarterpix/halfpoint
Berufswechsel kostet oft Einkommen, während ein Branchenwechsel kaum schadet. Entscheidend ist, vorhandene Kompetenzen zu nutzen und gezielt weiterzuentwickeln.
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Der Strukturwandel in Deutschland hat weniger produktionsnahe Tätigkeiten verdrängt, als reine Branchenstatistiken vermuten lassen. Zwischen 1975 und 2019 gingen im Verarbeitenden Gewerbe nach Betrachtung der Wirtschaftszweige rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze verloren. Gleichzeitig entstanden jedoch gut eine Million vergleichbare produktionsnahe Stellen im Dienstleistungssektor.

Inhaltsverzeichnis

Damit wurden rund zwei Drittel der weggefallenen Industriearbeitsplätze durch vergleichbare produktionsnahe Tätigkeiten im Dienstleistungssektor kompensiert. Das zeigt eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

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Dabei wurde untersucht, wie sich Beschäftigte nach Arbeitsplatzverlusten entwickeln.

„Wenn Beschäftigte ihren Arbeitsplatz in der Industrie verlieren, ist für sie nicht in erster Linie entscheidend, ob sie weiter in der Industrie oder stattdessen im Dienstleistungssektor arbeiten, sondern ob sie ihren Beruf und ihre beruflichen Kompetenzen auf einer neuen Stelle weiter einbringen können“, erklärt Thilo Kroeger (DIW Berlin), der die Studie gemeinsam mit Dominik Boddin (Deutsche Bundesbank) erstellt hat.

Berufswechsel führt häufiger zu Einkommensverlusten als Branchenwechsel

Bisher wird der Strukturwandel häufig anhand von Wirtschaftszweigen betrachtet. Dieser Blick kann jedoch täuschen, weil er nicht berücksichtigt, welche konkreten Aufgaben Beschäftigte tatsächlich übernehmen.

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Die DIW-Forschenden nutzten deshalb zwei repräsentative Datensätze des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die auf Sozialversicherungsdaten basieren und Informationen zu Berufen und Tätigkeiten enthalten.

Die Analyse zeigt: Nach Betrachtung konkreter Berufe gingen zwischen 1975 und 2019 netto rund 500.000 Arbeitsplätze in der Produktion verloren. Das ist weiterhin eine erhebliche Zahl, liegt aber deutlich unter den rund 1,5 Millionen verlorenen Industriearbeitsplätzen bei einer Betrachtung nach Wirtschaftszweigen.

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„Ein erheblicher Teil produktionsnaher Jobs verschwindet entgegen der Wahrnehmung also gar nicht“, kommentiert der Koautor der Studie Dominik Boddin die Ergebnisse.

Für die Einkommensentwicklung nach einem Arbeitsplatzverlust ist demnach vor allem relevant, ob Beschäftigte ihre bisherigen beruflichen Kompetenzen weiter nutzen können. Üben ehemalige Industriebeschäftigte nach einem Wechsel in den Dienstleistungssektor weiterhin vergleichbare produktionsnahe Tätigkeiten aus, beispielsweise als Elektriker, sinken ihre Löhne – bereinigt um betriebsspezifische Lohnunterschiede – langfristig durchschnittlich um 0,5 %.

Wechseln sie zusätzlich in einen anderen Beruf, liegt ihr Einkommen langfristig rund 17 % niedriger.

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Vorhandene Fähigkeiten stärker berücksichtigen

Die Ergebnisse der Studie zeigen: Der Erhalt und die Weiterentwicklung beruflicher Kompetenzen können entscheidend sein, wenn sich Arbeitsmärkte verändern. Für Unternehmen bedeutet das, vorhandene Fähigkeiten stärker zu berücksichtigen und Beschäftigte gezielt auf neue Aufgaben vorzubereiten.

Für viele Fachkräfte geht es dabei nicht zwangsläufig um einen vollständigen Neustart, sondern um die Erweiterung bestehender Kompetenzen.

„Aus unserer Sicht ist für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wichtig, dass man auf die Berufe, auf die erlernten Tätigkeiten, sowie auf das Wissen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer abstellt und eben nicht auf die Branchen, die im Strukturwandel schrumpfen und in denen Arbeitsplätze abgebaut werden. Das heißt, man sollte nicht versuchen, Branchen und Arbeitsplätze in Branchen zu erhalten, sondern man sollte versuchen, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ähnliche Berufe mit ähnlichen Tätigkeiten weiterzuvermitteln, unabhängig davon, welche Branchen das sind. Das kann dann auch im Dienstleistungssektor sein“, sagt Kroeger.

Die Weiterbildung sollte auf vorhandenen Erfahrungen aufbauen und nicht versuchen, Beschäftigte komplett neu auszurichten. Wie die DIW-Analyse zeigt, bleiben berufliche Kompetenzen ein wichtiger Faktor für erfolgreiche Übergänge. „Stabile Beschäftigungsverhältnisse bedeuten Verlässlichkeit und erleichtern damit Qualifikationsentscheidungen“, resümiert DIW-Ökonom Kroeger.

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