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Heiko Mell analysiert Arbeitszeugnisse: Diese Formulierungen drücken die Note

12. September 2026

Arbeitszeugnis
Ein Arbeitszeugnis kann auf den ersten Blick besser wirken, als es tatsächlich bewertet wird. Foto: picture alliance / dpa Themendienst | Jens Kalaene
Ein Arbeitszeugnis kann auf den ersten Blick sehr gut wirken und trotzdem einige Formulierungen enthalten, die nur für die Note „gut“ stehen. Warum einzelne Bewertungen entscheidend sind und worauf Bewerberinnen und Bewerber achten sollten.
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Frage: Nach einem Arbeitgeberwechsel liegt mir mit einigen Monaten(!) Verspä­tung nunmehr das Zeugnis vor (siehe Anlage). Grundsätzlich bin ich damit zufrieden, Aufgaben und Erfolge sind gut dargestellt, die Bewertung ist durchgehend sehr gut. Lediglich die Schlussbewertung sagt nur „stets und uneingeschränkt volle Anerkennung“.

Im Zeugnis finden sich auch Bewertungen mit der Note „gut“

Antwort: Es „hakt“ in meinen Augen ein wenig mit der von Ihnen behaupteten „durchgehend sehr guten“ Bewertung. Beispiele aus Ihrem Dokument:

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„Fachwissen und technisches Verständnis“: sehr gut;

„sehr gute Lösungen auch für schwierige Konstellationen“: sehr gut;

sieben cm tiefer: „… auch schwierige Situationen sofort zutreffend zu erfassen und schnell gute(!) Lösungen zu finden“: gut;

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weitere sechs cm tiefer: „…für alle auftretenden Probleme fand er ausnahmslos gute(!) Lösungen“: gut;

Führungsqualitäten: „verstand es aber dennoch, sich in schwierigen Situationen durchzusetzen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gutem(!) Einsatz zu motivieren“: gut; gerade dieser Aspekt ist bei einer Führungsposition von großer Bedeutung;

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Die Gesamtbewertung liegt eher bei „2+“

Gesamturteil: „Die Leistungen … haben stets uneingeschränkt unsere volle Anerkennung gefunden“; gut+;

Schlussformulierung: „…weil wir mit ihm einen ausnehmend guten Mitarbeiter verlieren“: gut;

Schlussformulierung: „bedanken uns für die durchweg exzellenten Leistungen …“: sehr gut.

Fazit: Neben einigen sehr guten Wertungen in wichtigen Bereichen gibt es an anderen entscheidenden Stellen explizit „nur gute“ Urteile – und die Gesamtwertung ist etwa 2+. Also wird man nach flüchtigem Durchlesen des Dokumentes insgesamt ein Gesamturteil „2+“ registrieren. Damit können Sie (bei Bewerbungen) durchaus „leben“ – aber Ihr Eindruck, die Bewertung sei „durchgehend sehr gut“, ist nicht ganz zutreffend.

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Widersprüchliche Formulierungen können das Gesamtbild verwässern

Wenig durchdacht wirken die an drei verschiedenen Stellen vorkommenden „Lösungen“ Ihrer Aufgaben, von denen zwei gut und eine sehr gut beurteilt werden. Im Prinzip ist die letzte Aussage „für alle auftretenden Probleme fand er ausnahmslos gute Lösungen“ die zusammenfassende Generalaussage dazu.

Bei manchen Details hat man den Eindruck, sie passten nicht optimal zusammen: So bescheinigt man Ihnen abschließend „durchweg exzellente Leistungen“ – verweigert Ihnen aber die eigentlich dazu passende Gesamtwertung „sehr gut“. Nun, man sieht ja die Einschränkung mit den deutlich „gut“ lautenden Einzelbewertungen, es gab also doch den Versuch, ein differenziertes Urteil zu formulieren.

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Arbeitszeugnisse bestehen häufig aus Textbausteinen

Viele vermeintliche Unstimmigkeiten beruhen auf der Verwendung von vorgefertigten Textbausteinen, die schließlich zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden – und die oft mehr schlecht als recht zusammenpassen.

Die Bewerbungsempfänger haben sich an solche „Kleinigkeiten“ gewöhnt, setzen sie doch in der Regel selbst entsprechende Textbausteine ein.

Wo „gut“ steht, kann nicht „sehr gut“ gemeint sein

Nur ein Aspekt ist bei aller Nachsicht und Toleranz nicht vom Tisch zu wischen: wo „gut“ steht, kann nicht „sehr gut“ gemeint sein.

Übrigens: Um den auf sehr gute Zeugnisse fixierten Mitarbeitern entgegenzukommen, wenden erfahrene Formulierer gern eine besondere Methode an: Entweder vergeben sie diverse sehr gute Einzelnoten – und zeigen dann aber mit der „nur“ guten Gesamtnote, was gemeint war oder sie vergeben eine (ungedeckte) sehr gute Gesamtnote – und zeigen mit vielen „nur“ guten Einzelnoten, was sie wirklich dachten.

Es gehört also nicht nur zum Formulieren, sondern auch zum Interpretieren von Zeugnissen viel Erfahrung und Hintergrundwissen.

Lesen Sie auch: Arbeitszeugnis Formulierungen: Bedeutung, Noten und Beispiele



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