Teamgedanke als Führungstrategie 02.05.2013, 10:45 Uhr

Wie Manager die Viererabwehrkette knacken

Beim Fußball stellen elf Spieler ihre Stärken in den Dienst des Ganzen. Auch ein Unternehmen baut auf sein Team. So sollte es sein, ist es aber nicht immer. Der ehemalige Bundesligaprofi und Trainer Uwe Fuchs lässt Manager kicken, um die Bedeutung des Teamgedankens vor Augen zu führen.

Fußball als Vorlage für Führungskräfte-Seminare: Der ehemalige Bundesligaprofi und Trainer Uwe Fuchs lässt Manager kicken, um die Bedeutung des Teamgedankens vor Augen zu führen.

Fußball als Vorlage für Führungskräfte-Seminare: Der ehemalige Bundesligaprofi und Trainer Uwe Fuchs lässt Manager kicken, um die Bedeutung des Teamgedankens vor Augen zu führen.

Foto: dpa/Peter Kneffel

In aller Seelenruhe, aber dennoch blitzschnell, ließen die Deutschen Ball und Gegner laufen. Die Kasachen hatten vor ihrem Tor gleich zwei Viererketten aufgebaut, konnten die Rochaden, Doppelpässe und Anspiele in die Schnittstellen ihrer porös gespielten Abwehrwand aber meist nicht verhindern.

Zu variabel war eine Halbzeit lang der technisch hochwertige Kombinationsfußball der Gastgeber, bei denen jeder Spieler seine individuellen Stärken in den Dienst der Mannschaft und des Erfolgs stellte, jeder erfüllte seine Aufgabe, auch ein Fußballfeingeist wie Marco Reuss setzte seinem Gegner über 50 m nach und grätschte ihm den Ball vom Fuß. Im eng gestrickten Netz der Deutschen gab es beim 4:1 in Nürnberg über Kasachstan kaum Lücken.

Eigene Stärken und Schwächen und die der „Mitspieler“ kennen

Einiges vom dem, was Götze, Gündogan und Co. vor einigen Wochen über weite Strecken zelebrierten, können sich auch Manager zum Vorbild nehmen. Auch Führungskräfte sind in der Lage, mit akribisch ausgeklügelter Taktik harte Nüsse zu knacken und die individuellen Trümpfe in den Dienst des Erfolgs zu stellen. Sie müssen nur ihre Stärken und Schwächen sowie die ihrer Mitspieler kennen. Davon sind Uwe Fuchs und Walter Weber überzeugt.

Die beiden Management-Trainer wissen natürlich, dass die wenigsten Führungskräfte Ballvirtuosen und Laufwunder sind. Aber sie sind ebenso fest davon überzeugt, dass der Fußball in wesentlichen Elementen ein herrliches Spiegelbild von Teamarbeit sein kann, wie sie sich auch im Unternehmen wiederfindet.

Ihr Seminar „Die Kunst, die 4er-Kette zu knacken“ richtet sich daher an alle, die für Taktik und Strategie im Unternehmen zuständig sind. Viktoria Kaminski, Projektmanagement bei der veranstaltenden CP/Compartner Consulting Services GmbH: „Damit starten wir eine Coachingreihe, bei der wir auch andere Sportarten wie Biathlon und Boxen hinzunehmen, dann allerdings mit anderen Trainings-Inhalten.“ 

Effizienz des Miteinander

„Management funktioniert nie alleine“, sagt „Business Head Coach“ Walter Weber. „Es geht immer um die Effizienz des Miteinander. Die Viererkette ist Synonym dafür, wie Erfolg über die Strategie erzielt oder versemmelt werden kann.“ Hier wie dort drehten Manager an Stellschrauben, die über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Kaum ein anderes Medium eigne sich so gut wie der Fußball, kontrollorientierten Vorgesetzten die Bedeutung des Teams vor Augen zu führen, sagt Weber. Der Fußball dient dank seiner Popularität als emotionale Brücke, Taktikübungen im Stadion verdeutlichen Sinn und Wert individueller Aufgabenverteilung im möglichst reibungslos funktionierenden Kollektiv. Jeder Teilnehmer trägt als Zeichen seiner Teamzugehörigkeit ein Fußballtrikot – ohne Krawatte. Letztlich gehe es aber nicht um Sport, sondern ums Geschäft zu 80 % bestimmen daher klassische Management-Tools den Seminarablauf.

Der ungewohnte Kontakt mit dem Ball und mit der „Zonendeckung“ soll für Nachhaltigkeit sorgen, die gewonnenen Erkenntnisse brennen sich dank ihrer außergewöhnlichen Vermittlung in den Köpfern ein. Die Anschaulichkeit erleichtert den Transfer vom grünen Rasen in die Arbeitswelt. Weber: „Wir wollen nicht eine vorgefertigte Management-Soße über den Teilnehmern auskippen, sondern sie über das Erleben Stärken und Schwächen herausarbeiten lassen.“ Oder: Perspektivwechsel und Reflexion führen zu neuen Einsichten.

Führungsverantwortungen verschieben sich

Uwe Fuchs geht ins Detail. „In der ballorientierten Zonendeckung und im auf Torerfolg orientierten Angriffsspiel verschieben sich je nach Zone die Aufgaben und Verantwortlichkeiten, also auch die Führungsverantwortungen.“ Fuchs muss es wissen. Der „Co-Trainer“ von Walter Weber war Fußballprofi in Deutschland und England, anschließend Trainer bei mehreren hochklassigen Vereinen, wie bei Fortuna Düsseldorf, Wuppertaler SV sowie VfL Osnabrück. „Wer im Berufsleben in einem Projekt den Chefhut aufhat, wird nach dem Seminar im nächsten Projekt akzeptieren, dass er nun Zuarbeiter ist und ein anderer, der für die neue Aufgabe eher prädestiniert ist, fortan den Hut trägt.“ Ähnliches gelte auch für Philipp Lahm, der – obwohl bei Bayern München Spielführer – auch mal nach der Pfeife von Innenverteidiger Daniel van Buyten tanzt.

Dass dieses Miteinander beim Deutschen Meister so reibungslos und unspektakulär verlaufe, sei Verdienst von Trainer Jupp Heynckes, zollt Uwe Fuchs seinem prominenten Kollegen ein dickes Lob. Obwohl der 67-Jährige viele unterschiedliche Charaktere unter einen Hut bringen und viele hochdotierte Stars auf dem Boden der Tatsachen und der Erfordernisse halten müsse, fresse ihm auch die eitelste Diva aus der Hand. Fuchs: „Er managt das so hervorragend, weil er die Dinge gemeinsam mit seiner Mannschaft entwickelt, er erklärt seine Entscheidungen und ist so für die Spieler berechenbar. Da kann man viele Parallelen zur Unternehmenswelt ziehen.“

Mitarbeiter in Prozesse einweihen

Als Spieler, so Fuchs, seien sie früher fluchend, aber ohne Mucks, auf allen Vieren um den Platz gekrochen, wenn es der Trainer wollte. „Marschieren – schuften – Klappe halten“ sei heute nicht mehr machbar. Die heutige Spielergeneration wolle zumindest in Prozesse eingeweiht werden. Der Trainer (der Manager) sollte als „primus inter pares“ wissen, wann er seinen Spielern (seinen Mitarbeitern) die nötigen kreativen Freiräume einräumen kann und in welcher Spielfeldzone (Arbeitssituation) er selbst uneingeschränkt Regie führt.

Dazu müsse der Manager die Mitarbeiter kennen. „Ein Messi braucht eine andere Ansprache und manchmal ein anderes Training als Abwehrspieler Piqué, sie trainieren auch zusammen, denn sie müssen harmonieren“, so Uwe Fuchs. Für das Unternehmen und die Zielsetzung des Seminars heißt das: Die Mitarbeiter rücken enger zusammen, ein Kollege nimmt Hilfe und Kompetenz des anderen in Anspruch.

„Frauen sind disziplinierter“

Fabian Grimpe kann noch nicht sagen, was das Seminar seinen weiblichen Führungskräften im Detail vermittelt hat. Der Geschäftsführer Salzgitter Mannesmann Grobblech GmbH hat aber das Gefühl, die Fußballeinheiten hätten die Frauen „nach vorne gebracht“. „Anfangs hatten sie die Befürchtung, wir machten Defizite nur bei unseren weiblichen Führungskräften aus, dabei war das Seminar lediglich als Bereicherung für Frauen in einer sehr männerlastigen Branche gedacht.“

Die weibliche Grobblech-Mannschaft jedenfalls schlug sich unter den Augen von Trainer Uwe Fuchs prächtig. „Die Teilnehmerinnen haben die Übungen wahnsinnig schnell umgesetzt und ihre Bedeutung verstanden.“ Seine Bilanz: „Frauen sind disziplinierter. Bei Männern muss man die Bälle zu Beginn einschließen, sonst will jeder zeigen, wie stramm er schießen kann.“ Wer auch immer: Spaß hätten alle gehabt. 

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