Warum erfolgreiche Geschäftsführer bewusst die Flughöhe wechseln
Unser Kolumnist Jürgen Schmid hat sich Gedanken gemacht: Maschinendesign ist im besten Fall das Produkt einer verantwortungsvollen Führung. Und dazu zählt, sich aus dem Tagesgeschäft auch mal herauszunehmen.
Wer die richtigen Entscheidungen fällen möchte fürs Unternehmen, muss manchmal das Tagesgeschäft in den Hintergrund rücken und seine eigene Flughöhe erreichen.
Foto: Smarterpix/diego_cervo
Eigentlich hätten sie dafür keine Zeit. Geschäftsführer und Eigentümer erfolgreicher Technologieunternehmen haben volle Kalender. Kunden, Investitionen, Personal, Lieferketten, Innovationen – kaum ein Tag endet mit dem Gefühl, alles erledigt zu haben.
Inhaltsverzeichnis
- Sich Zeit nehmen und aus dem Tagesgeschäft aussteigen
- Keine Entscheidungen unter Zeitdruck fällen
- Welche Probleme sollen zukünftig gelöst werden?
- Die richtigen Fragen stellen - das ist entscheidend
- Welcher Nutzen wird künftig relevant für den Kunden sein?
- Maschinendesign ist nicht losgelöst
- Dem Maschinendesign gehen Führungsfragen voraus
- Maschinendesign ist das Werkzeug
- Distanz gewinnen - das bringt den entscheidenden Vorteil
- Die Zukunft des Unternehmens sichtbar machen
Sich Zeit nehmen und aus dem Tagesgeschäft aussteigen
Gerade deshalb nehmen sich diejenigen Unternehmen, die wirtschaftlich erfolgreich sind, immer wieder bewusst Zeit, um das operative Tagesgeschäft zu verlassen. Nicht weil sie unter Druck stehen oder weil sie nach einer Krise neue Antworten suchen, sondern weil sie ihre Position weiter ausbauen wollen. Sie wechseln ihre Flughöhe.
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Keine Entscheidungen unter Zeitdruck fällen
Was zunächst wie eine persönliche Arbeitsweise wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als unternehmerisches Prinzip, denn Entscheidungen mit großer wirtschaftlicher Wirkung entstehen selten unter Zeitdruck. Sie entstehen dort, wo ausreichend Distanz zum Tagesgeschäft vorhanden ist.
Welche Probleme sollen zukünftig gelöst werden?
Der Markt entscheidet zwar über den Erfolg eines Produkts, die entscheidenden Weichen dafür werden jedoch fast immer Jahre früher gestellt: Nicht, wenn die Entwicklung startet, der erste Prototyp gebaut wird oder der Vertrieb beginnt. Sondern in dem Moment, in dem entschieden wird, welche Probleme künftig gelöst werden sollen, welche Kunden im Mittelpunkt stehen, welche Technologien verfolgt werden und welche Rolle die nächste Produktgeneration im Markt übernehmen soll.
Je erfolgreicher ein Unternehmen wird, desto größer wird deshalb eine paradoxe Gefahr. Nicht mangelnde Innovationskraft oder fehlende Technologie, sondern der Verlust dieser Flughöhe.
Die richtigen Fragen stellen – das ist entscheidend
Der operative Erfolg verlangt täglich Entscheidungen. Strategischer Erfolg entsteht dagegen meistens dort, wo zunächst gar nichts entschieden wird – sondern die richtigen Fragen gestellt werden. Genau diese Beobachtung wurde mir vor Kurzem bei einer Veranstaltung deutlich. Dort diskutierten Geschäftsführer und Eigentümer führender Technologieunternehmen miteinander. Nicht über ihre Quartalszahlen, über einzelne Maschinen oder aktuelle Vertriebsprojekte, sondern über Entscheidungen, deren wirtschaftliche Wirkung sich möglicherweise erst Jahre später zeigen.
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Welcher Nutzen wird künftig relevant für den Kunden sein?
Obwohl die Unternehmen aus völlig unterschiedlichen Branchen kamen, kreisten viele Gespräche erstaunlicherweise um dieselben Fragen: „Welche Technologie, welche Anwendung, welcher Nutzen wird für unsere Kunden künftig überhaupt relevant sein?“ „Wie treffen wir heute Entscheidungen, die der Markt morgen bestätigt?“ Gerade dort beginnt häufig unsere Arbeit.
Maschinendesign ist nicht losgelöst
Kaum ein Geschäftsführer beauftragt uns mit den Worten: „Entwerfen Sie uns eine neue Maschine.“ Die Fragen betreffen selten die Maschine isoliert. Sie betreffen ihre strategische Rolle im Unternehmen und im künftigen Marktumfeld: „Warum wird unsere technologische Stärke im Markt nicht ausreichend wahrgenommen?“ „Warum dauern Kaufentscheidungen länger als früher? “ „Warum entwickelt sich unser Portfolio zunehmend in unterschiedliche Richtungen? “„Warum erkennen Kunden den Unterschied zu Wettbewerbern nicht sofort? “
Dem Maschinendesign gehen Führungsfragen voraus
Oder ganz grundsätzlich: „Welche Rolle soll unser Unternehmen in fünf oder zehn Jahren überhaupt im Markt spielen?“ Keine dieser Fragen ist zunächst eine Designfrage. Es sind Führungsfragen. Es sind Fragen nach der strategischen Ausrichtung eines Unternehmens. Erst wenn diese Entscheidungen belastbar getroffen sind, beginnt die tatsächliche Entwicklungsarbeit.
Maschinendesign ist das Werkzeug
Design wird dann zum Werkzeug, um diese Entscheidungen sichtbar, verständlich und wirtschaftlich wirksam werden zu lassen. Vielleicht liegt genau darin der Grund, warum erfolgreiche Geschäftsführer immer wieder bewusst ihre Flughöhe wechseln. Nicht weil sie operative Probleme lösen müssen. Sondern weil sie wissen, dass sich die wirtschaftlich wichtigsten Entscheidungen nicht im Tagesgeschäft treffen lassen.
Distanz gewinnen – das bringt den entscheidenden Vorteil
Wer ausschließlich auf die nächste Kundenanfrage, das nächste Entwicklungsprojekt oder den nächsten Auftrag blickt, verbessert häufig das Vorhandene. Wer dagegen regelmäßig Distanz gewinnt, erkennt Entwicklungen früher. Er erkennt Veränderungen im Kundenverhalten, neue Wettbewerber, neue Technologien, neue Chancen. Vor allem aber erkennt er, welche Entscheidungen heute getroffen werden müssen, damit ein Unternehmen auch zukünftig noch erfolgreich ist.
Die Zukunft des Unternehmens sichtbar machen
Der Markt entscheidet später über den Erfolg eines Produkts. Die entscheidenden Weichen dafür werden jedoch lange vorher gestellt. Vielleicht besteht genau darin eine der wichtigsten Führungsaufgaben unserer Zeit. Nicht dauerhaft aus der Perspektive des nächsten Projekts zu entscheiden, sondern regelmäßig bewusst in die Flughöhe zu wechseln, in der die Zukunft des Unternehmens sichtbar wird. Denn der Markt entscheidet zwar erst am Ende, die wirtschaftlich wichtigste Entscheidung ist dann jedoch längst gefallen.
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