Management

Interim Manager: Gekommen, um zu bleiben

Ihnen haftet das Image des Blitzsanierers an. Heute hier, morgen dort. Doch das stimmt nicht mehr – besonders für Ingenieure mit betriebswirtschaftlicher Erfahrung. Die Interimsmanager sind auf allen Ebenen im Einsatz – und bleiben mitunter ganz im Unternehmen. Die Chancen auf eine dauerhafte Position stehen für führungserfahrene Ingenieure gut.

Eberhard Fries blieb als Interim Manager nicht lange Führungskraft auf Zeit. Für den studierten Maschinenbauer und Verfahrenstechniker, der in Mess- und Regeltechnik promovierte, war es bereits bei seinem dritten Auftrag mit der Wanderschaft vorbei – und seine Laufbahn als freiberuflicher Manager rasch abgehakt. Als wichtiger Karriereschritt.

Die Essener Firma tekmar, ein Spezialist für Hausenergiesteuerung, engagierte ihn zunächst, weil die Hard- und Softwareentwicklung des Mittelständlers nicht recht vorankam. Einen fest angestellten Leiter für diesen Bereich wollte sich das 40-Mitarbeiter-Unternehmen nicht leisten. Damit hatte die Stunde für Fries geschlagen. Als Entwicklungsleiter brachte er tageweise Schwung in das Geschäft. Knapp fünf Jahre lang, wobei er nebenher noch ein eigenes Ingenieurbüro betrieb.

Interim Manager Fries: „Ich bin klassisch hängen geblieben“

Als sich bei dem inhabergeführten Unternehmen kein geeigneter Nachfolger für die Geschäftsleitung fand, fiel die Wahl auf Fries. „Anfangs bin ich für drei bis vier Tage interimistisch als Geschäftsführer eingestiegen“, berichtet er. Seit einem Jahr kümmert er sich nun in Vollzeit als Hauptgeschäftsführer um die Entwicklung, den Vertrieb und die Technik bei tekmar. „Ich bin klassisch hängen geblieben“, sagt Fries.

Damit ist der Ingenieur kein Einzelfall. Interimsmanager, gerade in technologieorientierten Unternehmen, sind längst für mehr gefragt als nur den Vertreter, Feuerlöscher, Kostendrücker oder Blitzsanierer zu geben. Vielmehr zählt ihre Expertise, die für die Entwicklung neuer Produkte oder den Aufbau eines neuen Geschäftsbereichs gefragt ist. Hier macht sich auch der Fachkräftemangel bemerkbar, bemerkt Sven Scholz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bremer Technologieberatung Salt and Pepper, die ihre Ingenieure als Interim Manager in Unternehmen schickt. „Auch in den Bereichen, in denen man die Arbeit normalerweise mit eigenen Mitarbeitern erledigt hätte, werden externe Experten wie Interim Manager ins Unternehmen geholt“, sagt Scholz, selbst Ingenieur. Außerdem stießen deutsche Unternehmen dank der guten Konjunktur an ihre Grenzen, weshalb sie sich Know-how von außen hereinholten. Scholz: „Ich glaube, ein guter Interim Manager hat zurzeit volle Auftragsbücher.“

Zunehmend auch Ingenieure als Interim Manager gefragt

Und er wird länger im Unternehmen gehalten als bisher – manchmal auch für immer. Ein Trend, den auch Anselm Görres, Chef der Vermittlungsfirma Zeitmanager München (ZMM) und Vorsitzender des Arbeitskreises Interim Management Provider (AIMP). Dennoch hafte Interim Managern bis dato ein gewisses „Retter- und Ritter-Image“ an. Zwar dominierten Kaufmänner und Controller die Szene, die häufig für Sanierungsaufgaben geholt werden, doch zunehmend seien auch Ingenieure gefragt. Laut der „AIMP Providerumfrage 2011“ haben sich zwischen 2009 und 2011 Anfragen und Anteil der Ingenieursprojekte von 10 % auf 20 % verdoppelt.

Dabei setzen mittlerweile kleinere und mittlere Firmen genauso stark auf Interim Management wie große. Die Studie zeigt, dass die Hälfte aller Interim-Projekte an Unternehmen mit einer Größe bis 500 Mitarbeiter vermittelt wird. „Der Mittelstand hat Interim Management als flexible Personallösung für sich entdeckt“, sagt Görres. Besonders kostenorientierte Unternehmen nutzen die Freiberufler, da sie sich keine Spezialisten in Führungsverantwortung auf Halde leisten können. Sie kaufen ihr Wissen dann ein, wenn es gefragt ist, etwa weil eine Zertifizierung ansteht, eine Produktionslinie im Ausland aufgemacht oder der Innovationsprozess angekurbelt werden soll.

Fachleute seien zunehmend für die Lösung anspruchsvoller Aufgaben gefragt. „Ingenieure beschleunigen durch Interim-Projekte den Know-how-Transfer, was volkswirtschaftlich wichtig ist. Und sie machen das meist schneller als Unternehmensberater“, sagt Görres. Ihr Trumpf ist ihre hohe Spezialisierung. Kehrseite: Diese steht mitunter einer raschen Vermittlung im Weg, ganz im Gegensatz zu Kaufleuten, die branchenübergreifend in vielen Funktionen einsetzbar sind. Erschwerend kommt hinzu: „Ingenieure sind in der Regel nicht geborene Selbstverkäufer“, sagt Görres.

Eine ausgedehnte Einarbeitungszeit gibt es für den Interim Manager nicht

Doch Marketing in eigener Sache und eine gute Portion Extrovertiertheit sind die Grundbedingung, um als Interim Manager zu reüssieren. „Man sollte außerdem andere schnell von sich und der eigenen Herangehensweise überzeugen können, umsetzungsstark sein und rasch Lösungen liefern können“, ergänzt Görres.

Denn eine ausgedehnte Einarbeitungszeit fällt aus, weil schon nach zwei Wochen sichtbare Fortschritte erzielt werden müssten, meint Görres: „Wenn bei fest angestellten Managern die Probezeit endet, ist für einen Interim Manager das Projekt oft schon vorbei.“

Und wer sich in dieser knappen Zeit für ein Anschlussprojekt oder gar für Höheres empfehlen möchte, dem wird seine zupackende und innovative Ader nicht unbedingt ausreichen: Denn vor allem Ingenieure, für die Unternehmensführung kein Buch mit sieben Siegeln ist, haben sehr gute Chancen auf ein langfristiges Engagement oder eine Festanstellung in oberen Unternehmensetagen.

Das ist es, was auch Eberhard Fries bei seinem Aufstieg zum Geschäftsführer geholfen hat. Der Ingenieur denkt betriebswirtschaftlich, gründete und führte selbst eine Firma. Er versteht etwas von Budgetierung, Controlling und Kennziffern. „Bei meinen Projekten bin ich oft für ein Kaufmann gehalten worden“, lacht Fries. 

Von Chris Löwer

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