Porträt

Hermann Scholl und Bosch gehören zusammen

Der Ingenieur Hermann Scholl hat viel zum Erfolg von Bosch beigetragen, dennoch bleibt er bescheiden. Wir stellen ihn hier vor.

Hermann Scholl ist ein Manager alter Schule, einer von denen, die viel und akribisch arbeiten und um ihre Person nicht viel Aufhebens machen. Es liegt ihm nicht, sich in den Vordergrund zu stellen, stets betont er die Erfolge anderer, bevor er darüber spricht, was er zum Erfolg von Bosch beigetragen hat und in diversen Funktionen immer noch beiträgt. Unter seiner Ägide wurde Bosch zum Technologieführer in der Automobil-Zulieferindustrie und stellte sich auch unabhängig von der Autoindustrie erfolgreich neu auf.

In der 9. Etage der Boschzentrale hat Hermann Scholl einen schönen Blick auf einen Teil der grünen Hügel rund um Stuttgart. Scholl wirkt deutlich jünger als er ist. Der sportliche Mann, er fährt Inline-Skates, spielt Golf, testet E-Bikes und fährt Ski, hat nach seiner Promotion in Nachrichtentechnik bei Bosch angefangen. Sein Professor riet ihm ab, Bosch habe das Image einer wenig innovativen Firma. „Das war nicht richtig und das wusste ich“, sagt Scholl.

Bosch hat Glück gehabt, dass Scholl bei der Entscheidung geblieben ist. Und Hermann Scholl hat Glück gehabt, dass er sich für Bosch entschied. Es wuchs zusammen, was zusammengehört. Scholl hat die elektronische Benzineinspritzung zur Serienreife gebracht, ebenso das ABS und ESP und Bosch zu einem Weltmarktführer gemacht. Christof Bosch, Enkel des Firmengründers Robert Bosch, sagt respektvoll über Scholl: „Er ist Manager und Techniker, in einer ausgewogenen Balance.“

Hermann Scholl: Neugierig, ausdauernd und aufgeschlossen

Dass Scholl noch so viel jünger wirkt, ist sicher auch seiner Persönlichkeit geschuldet. Er ist aufgeschlossen, sein Nachfolger, der jetzige Vorsitzende der Geschäftsführung, Franz Fehrenbach, ist voll des Lobes für Scholl, er bezeichnet ihn als „nicht eingefahren“, neugierig, ausgestattet mit einer „unglaublichen Ausdauer“, der jetzige Aufsichtsratschef wolle stets Neues grundsätzlich verstehen. Zudem ist er vielseitig und musisch begabt. Als Kind lernte Scholl Cello, die Musik hat ihn sein Leben lang begleitet und noch heute spielt er regelmäßig mit Bosch-Mitarbeitern im Quartett. „Als Musiker braucht man Eigenschaften wie Fleiß, Konzentration, Teamgeist“, sagt Scholl. Und diese Eigenschaften hätten ihm auch als Unternehmer geholfen.

Manchmal ist es doch gut, wenn etwas nicht klappt und das Leben ein paar Umwege geht. So war Scholl während der Uni-Zeit kurzzeitig auf dem Sprung, als Assistent nach Aachen zu gehen, weil sein damaliger Dozent, bei dem er promovierte (Fachgebiet: Psychologische Akustik), einen Ruf bekommen sollte, aber das zerschlug sich. „Eigentlich lag mir die streng wissenschaftliche Tätigkeit ja auch nicht so sehr, ich war von jeher eher praktisch veranlagt, mein Vater war Psychologe mit einem starken Hang zu praktischer Tätigkeit. Und ich hatte auch schon als Kind sehr viel mit handwerklichen Verrichtungen zu tun.“ 1945 beispielsweise, da war er zehn Jahre alt, half er mit, das vom Krieg stark beschädigte Elternhaus zu reparieren. Später baute er eine Gangschaltung für sein Fahrrad, und diese Liste ließe sich fortsetzen. „Ich hatte immer schon einen Hang zur Technik, die man anfassen kann, das war dann auch für meinen Berufsweg ausschlaggebend.“

Nach seiner Promotion an der damaligen TH Stuttgart im Jahr 1961 blieb er zwar noch ein Jahr am Institut, doch hatte er sich bereits in dieser Zeit sehr intensiv mit der Anwendung von Halbleitern in elektronischen Schaltungen befasst. Das war damals neu, denn die elektronischen Schaltungen funktionierten noch überwiegend mit Röhren. Seine Liebe zur Elektronik entbrannte, und wenn er über Elektronik spricht, blitzt es besonders in den lebhaften Augen. „Nur wenige verstehen, wie sehr die Elektronik das Leben der Menschen in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.“

Nach seiner Promotion geht Scholl zu Bosch

Danach ging der gebürtige Stuttgarter zu Bosch. „Dort hatte ich die Chance, die Tätigkeit, die ich mir am Institut selbst ausgesucht hatte, also Schaltungen zu entwickeln, direkt fortzusetzen, mit dem Vorteil, dass ich ein gewisses Know-how schon mitbrachte.“ Eine Karriereplanung gab es nicht. „Ich hatte keine klaren Vorstellungen von der Industrie. Ich hatte mir überlegt, wenn ich es schaffe, Abteilungsleiter zu werden, dann ist das eigentlich ein gutes Resultat, ich dachte damals nie daran, in das obere Management zu kommen.“

Mit 40 Jahren war er in der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Zwischenstationen waren die Funktion eines Gruppenleiters und Entwicklungsleiter mit mehreren Abteilungen. „Ich glaube, ich hatte eine interessante Chance in dieser Phase in der Vorentwicklung, oder wie wir heute sagen Vorausentwicklung. Ich konnte über mehrere Jahre ein Projekt leiten, das sich dann als erfolgreich erwies. Da gehört auch viel Glück dazu.“

Das ist wieder Hermann Scholl par excellence: Bescheiden, die eigene Leistung wird nicht weiter betont. Jürgen Hambrecht, bis Mai Vorstandsvorsitzender bei der BASF, sagte einmal über Scholl: „Er ist eher leise im Auftritt, aber mit unheimlicher Energie ausgestattet.“

Und wie war er als Chef? War er oft bis nachts im Büro, so wie es ein Magazin einmal geschrieben hat? Scholl lacht laut. „Das hat jemand erfunden.“ Er habe zwar meist Unterlagen mit nach Hause genommen, aber er habe fast immer mit seiner Familie zu Abend gegessen. Zu Hause, ja, da habe er manchmal noch bis nachts gearbeitet. Als er noch als Entwicklungsleiter tätig war, habe er sogar auch manchmal gegen 17 Uhr einen Versuchswagen mitgenommen und sei mit seiner Tochter auf der Autobahn Richtung Heilbronn gestartet. Die kleine Tochter, die später Medizin studierte, habe dann auf seine Anweisung hin den ein oder anderen Knopf oder Regler gedrückt, sie konnte damals schon Zahlen lesen.

In all den Jahren sei ihm die Aufrichtigkeit in der Zusammenarbeit wichtig gewesen, dass er sich auf Kollegen und Mitarbeiter verlassen kann und korrekt informiert wird. Er habe sicher hohe Zuverlässigkeit von Mitarbeitern erwartet, ihm habe stets daran gelegen, alle fair zu behandeln. “ Es war für mich wichtig, jede Art von Ungerechtigkeit, die man erlebt oder spürt, aufzugreifen und zu beseitigen.“

Hermann Scholl, der „Chef zum Anfassen“ bei Bosch

Der „Chef zum Anfassen“, wie ihn viele Mitarbeiter nannten, führte einen neuen Personalstil ein, Personalthemen wurden auf Top-Management-Ebene besprochen und „Frauen haben wir bewusst gefördert“, betont Scholl. Bislang sei zwar keine in der Geschäftsführung, doch das könnte sich ändern, denn auf Bereichsleiterebene gibt es bereits einige weibliche Chefs.

Scholl ist als Chef des Aufsichtsrats und Geschäftsführender Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand maßgeblich an der Entwicklung des Konzerns beteiligt. Er, der die Internationalisierung entscheidend vorangetrieben hat, kümmert sich heute weiterhin um neue Technologien und Märkte und hat wichtige beratende Funktion. Und immer noch wendet er sein bewährtes „Vorgangsverfolgungssystem“ an. Ein selbst ausgedachtes Ablagesystem, zusätzlich zu dem normalen im Büro. Scholl hat Themenordner angelegt und diktiert immer kurze Notizen, so kann er über Jahre die wichtigsten Aspekte eines Themas schnell erfassen und wieder aufgreifen. Das erfordert Disziplin, es ist eine Mischung aus Management und Technik. Und darin ist Scholl Meister.

 

Von Claudia Hantrop

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