Studie zu Zeitverschwendung

Veraltete Technik im Büro soll jährlich vier Arbeitswochen kosten

Fast 20 Arbeitstage pro Jahr verplempern Büromitarbeiter wegen langsamer Geräte wie Druckern. Das hat eine groß angelegte Studie in neun europäischen Ländern ergeben. Aber stimmt das so ganz?

Zeit genug für ein Schläfchen? Täglich sechs Minuten warte man in Europas Büros auf das Startsignal des Druckers nach dem Aufwärmen, heißt es in der Studie.

Zeit genug für ein Schläfchen? Täglich sechs Minuten warte man in Europas Büros auf das Startsignal des Druckers nach dem Aufwärmen, heißt es in der Studie.

Foto: Sharp Europa

Wer kennt das nicht?: Der Drucker piepst und rattert, aber bis er einsatzbereit ist, dauert es. Bis er das Ergebnis liefert, dauert es nochmal. Und vorher hat man sich in den Weiten des Firmennetzwerks einen Wolf nach den Dokumenten gesucht, die man eigentlich drucken will.

Auf diese Weise geht in Büros jedes Jahr pro Mitarbeiter praktisch ein ganzer Arbeitsmonat verloren. Das jedenfalls besagt eine neue Studie, für die in neun europäischen Ländern rund 6.000 Menschen befragt wurden, darunter allein gut 1.000 in Deutschland.

Jobwechsel wegen Dino-Technik?

Täglich sechs Minuten warte man auf das Startsignal des Druckers nach dem Aufwärmen, heißt es darin. Gar neun Minuten gingen für das Warten auf Ausdrucke drauf, und stolze 22 Minuten verbringe der Durchschnitts-Büromensch mit der Suche nach Dokumenten und Dateien auf irgendwelchen Servern. Zusammen also 37 Minuten, und das ergibt bei 250 Arbeitstagen pro Jahr und einem Standard von acht Arbeitsstunden täglich 156 Stunden oder 19,5 Arbeitstage.

Neun Minuten täglich gehen laut Studie für das Warten auf Ausdrucke drauf.

Neun Minuten täglich gehen laut Studie für das Warten auf Ausdrucke drauf.

Quelle: Sharp Europe

Der Grund dafür sei vor allem, dass mit veralteter Technik gearbeitet werden müsse. Jedenfalls sagt mehr als die Hälfte der Befragten, dass bessere Geräte ihre Produktivität erhöhen würden, und sogar zwei Drittel geben an, dass ihre Firma unbedingt neuere Technik brauche. Noch eindringlicher dürfte in den Zeiten des Fachkräftemangels diese Botschaft in den Ohren von Arbeitgebern klingen: 14 % gaben an, dass sie sich nicht mehr nach einem neuen Job umsehen würden, wenn sie endlich zeitgemäße Gerätschaften zur Verfügung hätten.

Statistik hat leichte Schieflage

Alarmierende Ergebnisse für deutsche Unternehmen? Vielleicht ist es nicht ganz so dramatisch. Denn erstens weist die Studie gar nicht aus, wie es hier zu Lande aussieht, sondern nur den Durchschnitt aus Deutschland, Frankreich, Schweden, Polen, Ungarn, Großbritannien, Tschechien, Italien und den Niederlanden. Zweitens, und wohl wichtiger: Die Statistik geht einfach davon aus, dass jeder Büromitarbeiter vor dem Drucker schnarcht oder die Nägel feilt, während das Gerät aufwärmt, oder stumpf aus dem Fenster schielt, während das Papier bedruckt wird.

Sharp hat die Ergebnisse der Studie in einer Grafik zusammengefasst. 

Sharp hat die Ergebnisse der Studie in einer Grafik zusammengefasst. 

Quelle: Sharp

Dass man einen Drucker anschalten und während der Wartezeit etwas Sinnvolles tun kann, bleibt außen vor. Hinzu kommt, dass auch die neueste Gerätegeneration ihre Zeit braucht – die „Verschwendung“ lässt sich also wohl kaum auf Null zurückfahren. Und der dickste Brocken, die Suche nach Dateien, hängt mit Sicherheit nicht nur mit lahmer Technik, sondern auch schlechter Organisation und Verwaltung zusammen.

Bei solchen Studien mit ein klein wenig Schieflage lohnt immer der Blick auf den Auftraggeber: Diese Untersuchung kommt von Sharp. Der japanische Technologiekonzern ist zwar eher für Fernseher und Weiße Ware bekannt, aber er stellt auch andere Geräte her. Drucker zum Beispiel. Sehr schnelle vermutlich. Gleichwohl: Wenn zwei Drittel der Befragten sagen, dass neue Geräte an ihrem Arbeitsplatz dringend nötig wären, dann ist das wohl nicht aus der Luft gegriffen…

Wartezeiten könnten aber auch gezielt für ein kurzes leistungsförderndes Nickerchen genutzt werden. Hier die wichtigsten Fakten zum Büroschlaf. 

Von Werner Grosch

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