Neue Chancen 28.07.2026, 10:10 Uhr

Karriere in der Rüstungsindustrie: Diese Ingenieure und IT-Experten sind jetzt gefragt

Karriere in der Rüstungsindustrie: IT-Experten und Ingenieure sind stark gefragt. Hohe Gehälter und Innovation locken – ethische Bedenken bremsen viele.

Ein Ingenieur bei der Arbeit

Die Rüstungs- und Verteidigungsindustrie sucht zunehmend Ingenieure und IT-Fachkräfte – besonders gefragt sind Kompetenzen in KI, Cybersecurity und Systems Engineering.

Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer

Kaum eine Branche polarisiert derzeit so stark wie die Rüstungs- und Verteidigungsindustrie. Dennoch ist die Bereitschaft, dort zu arbeiten, deutlich höher als viele vermuten. Defence entwickelt sich für zahlreiche Fachkräfte zu einer attraktiven Zukunftsbranche – trotz anhaltender ethischer Vorbehalte. Das zeigt die repräsentative Arbeitszufriedenheitsstudie 2026 von YER Deutschland in Zusammenarbeit mit YouGov.

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Doch wer wäre überhaupt bereit, in der Defence-Industrie zu arbeiten – und warum entscheiden sich viele letztlich dagegen?

Der potenzielle Talentpool ist größer als häufig angenommen, bleibt jedoch widersprüchlich:

  • 47 % können sich grundsätzlich eine Tätigkeit in der Rüstungsindustrie vorstellen.
  • 18 % wären für einen Zulieferer oder ein Unternehmen mit Dual-Use-Technologien offen.
  • Unter IT-Fachkräften liegt die Wechselbereitschaft sogar bei 56 %.
  • 29 % schließen eine Beschäftigung im Rüstungsumfeld kategorisch aus.

Als wichtigste Argumente für einen Einstieg nennen die Befragten ein attraktives Gehalt, sichere Arbeitsplätze und die Möglichkeit, an innovativen Technologien zu arbeiten. Die größte Hürde ist jedoch ethischer Natur: 65 % derjenigen, die eine Tätigkeit in der Rüstungsindustrie ablehnen, möchten mit ihrer Arbeit keinen Beitrag zum Kriegsgeschehen leisten. Weitere 41 % sehen die starke politische Abhängigkeit der Branche kritisch.

Philipp Riedel, CEO von YER Deutschland erklärt: „Zwischen öffentlicher Debatte und Karriereentscheidung klafft eine Lücke. Während Defence gesellschaftlich und moralisch kontrovers bleibt, bewerten viele Fachkräfte die Branche eher nach technologischer Relevanz, Innovationskraft und Arbeitsplatzsicherheit. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen heute offen kommunizieren, wofür sie stehen und welche Verantwortung sie übernehmen.“

Defence-Branche wirbt verstärkt um IT-Fachkräfte und Ingenieure

Die größte Wechselbereitschaft in Richtung Defence zeigen IT-Fachkräfte: 56 % der Befragten können sich grundsätzlich eine Tätigkeit in einem Verteidigungsunternehmen vorstellen. In der Energiebranche liegt dieser Anteil bei 35 %.

Aus der Recruiting-Praxis von YER wird zudem deutlich, dass die Branche längst nicht mehr ausschließlich in der klassischen Rüstungsindustrie nach Personal sucht. Besonders gefragt sind Fachkräfte aus der Luft- und Raumfahrt, der Automobil- und Mobilitätsbranche, dem Maschinenbau, der Elektrotechnik, der industriellen Fertigung sowie aus IT und Softwareentwicklung.

Dabei zählt weniger die bisherige Branche als die Erfahrung mit komplexen, sicherheitskritischen Systemen. Gesucht werden Expertinnen und Experten, die Entwicklung, Software, Hardware, Qualitätssicherung, Zertifizierung und den späteren Betrieb ganzheitlich verstehen.

Welche Qualifikationen derzeit besonders gefragt sind, beschreibt Philipp Riedel, CEO von YER Deutschland:

„Gesucht werden Softwareentwickler, Cybersecurity-Experten, KI-Spezialisten und Ingenieure, die interdisziplinär arbeiten und sowohl neue Lösungen entwickeln als auch deren Integration in bestehende Systeme und den laufenden Betrieb begleiten können.“

Für Ingenieurinnen und Ingenieure eröffnen sich dadurch vielfältige Karrierechancen. Aktuell werden unter anderem Fachkräfte für Systems Engineering und Systemarchitektur elektronischer Antriebe, die Integration und Erprobung von Flugsteuerungssystemen, Flugdynamik und Simulation, Qualitäts- und Produktsicherung sowie für Instandhaltungs-, Betriebs- und Logistikkonzepte gesucht.

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Von KI bis Flugsteuerung: Diese Kompetenzen sind in Defence gefragt

Entsprechend breit ist das Spektrum der gesuchten Kompetenzen: Luft- und Raumfahrtingenieure arbeiten an Flugsteuerung, Simulation und Zertifizierung, Maschinenbau- und Produktionsingenieure an Fertigung, Qualität und Instandhaltung. Elektro- und Systemingenieure bringen ihr Know-how in Antriebstechnik, Elektronik und Systemintegration ein. Für Informatiker sowie softwareaffine Ingenieurinnen und Ingenieure entstehen Einsatzfelder rund um Embedded Systems, Künstliche Intelligenz, Cybersecurity und digitale Plattformen.

Zu den konkreten Aufgaben gehören die Entwicklung autonomer Systeme und Drohnen, der Schutz kritischer Infrastruktur vor Cyberangriffen, KI-gestützte Datenanalysen für militärische und zivile Anwendungen sowie die intelligente Absicherung komplexer Lieferketten.

Karrierewege in Defence: Zwischen Sinn, Sicherheit und ethischen Fragen

Gerade für Nachwuchskräfte entstehen dadurch neue Karrierewege. Philipp Riedel sagt dazu:

„Für viele junge Menschen ist die Branche gerade deshalb interessant, weil die Arbeit oft als besonders sinnstiftend wahrgenommen wird und eine klare gesellschaftliche Relevanz hat – ein Aspekt, der für jüngere Generationen bei der Jobwahl zunehmend wichtig ist.“

Verbunden sei dies für viele mit dem Gefühl, „an etwas Größerem“ mitzuwirken und früh Verantwortung zu übernehmen.

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Über alle Befragten hinweg:

  • 47 % können sich grundsätzlich eine Tätigkeit direkt in der Verteidigungsbranche vorstellen.
  • 18 % wären für einen Zulieferer oder ein Unternehmen mit Dual-Use-Technologien offen.
  • 65 % zeigen damit Offenheit für Defence und das angrenzende Umfeld.
  • 29 % schließen eine Beschäftigung dort kategorisch aus.

Für einen Einstieg sprechen vor allem:

  • 52 % nennen ein ansprechendes Gehalt als Argument.
  • 44 % sehen die Arbeitsplatzsicherheit als wichtigen Faktor.
  • 39 % schätzen die Möglichkeit, an technologischen Innovationen mitzuwirken.
  • 35 % nennen den Beitrag zur Sicherheit des Landes als relevantes Motiv.

Tanja Goller, Team Lead Aviation & Defence bei YER Deutschland, sagt: „Die Wahrnehmung der Defence-Branche verändert sich zunehmend. Die Bereitschaft vieler Fach- und Führungskräfte, in diesem Bereich zu arbeiten, ist größer als vielfach angenommen. Wer Talente gewinnen möchte, muss Verantwortung ebenso klar und glaubwürdig kommunizieren wie Technologie, Innovation und Karriereperspektiven.“

Die größte Hürde bleibt der ethische Konflikt:

  • 65 % derjenigen, die eine Tätigkeit im Defence-Umfeld ablehnen, möchten mit ihrer Arbeit keinen Beitrag zum Kriegsgeschehen leisten.
  • 41 % bewerten zudem die starke Abhängigkeit der Branche von politischen Entwicklungen kritisch.

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Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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