Karriere in der Rüstungsbranche 13.05.2026, 17:30 Uhr

Vincorion stellt ein: Diese Hochschule bildet für Rüstungsjobs aus

Die Rüstungsindustrie sucht händeringend Fachkräfte: Unternehmen wie Vincorion bauen Personal auf, Hochschulen reagieren mit passenden Angeboten. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg bildet gezielt für Jobs in der Verteidigungsindustrie aus.

Top Gun im Schwabenland? An der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Ravensburg können Studierende zumindest an einem Flugsimulator für Kampfflugzeuge arbeiten. Foto: DHBW Ravensburg

Top Gun im Schwabenland? An der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Ravensburg können Studierende zumindest an einem Flugsimulator für Kampfflugzeuge arbeiten.

Foto: DHBW Ravensburg

Die Nachfrage nach Fachkräften in der Rüstungsindustrie steigt weiter. Der norddeutsche Zulieferer Vincorion rechnet nach eigenen Angaben mit einem jährlichen Personalwachstum von 5 % bis 6 %. Hintergrund sind steigende Investitionen in die Verteidigung und eine zunehmende Wiederaufrüstung in Europa. Parallel reagieren Hochschulen auf den wachsenden Bedarf der Branche: Die Duale Hochschule Baden-Württemberg bildet bereits seit Jahren gezielt für Tätigkeiten in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie aus.

Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) 2009 gegründet

Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) wurde 2009 gegründet, ging damals aus den Berufsakademien hervor. Heute ist die staatliche duale Bildungsschmiede mit rund 34.000 Studierenden die größte Hochschule in ihrem Bundesland. Die zwölf Standorte decken nahezu jeden Flecken in Baden-Württemberg ab. Dieses Jahr wurde die Duale Hochschule als „Top Hochschule 2026“ von der Plattform StudyCheck ausgezeichnet und zählt laut den ausgewerteten Studierendenbewertungen zu den beliebtesten Hochschulen Deutschlands.

Am DHBW-Campus Friedrichshafen wird bereits seit 2009 Luft- und Raumfahrttechnik angeboten. 2021 kam mit „Embedded Systems“ ein weiterer technischer Studiengang hinzu, der Informatik, Elektrotechnik und Systems Engineering verbindet. Studierende entwickeln dort unter anderem vernetzte Systeme für Flugzeuge und Fahrzeuge. Angeboten wird das Fach in den Vertiefungen Aerospace Engineering und Automotive Engineering. Zum Studienangebot in Friedrichshafen gehören außerdem Elektrotechnik, Maschinenbau, Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen. In der Elektrotechnik stehen verschiedene Schwerpunkte wie Automation, Energie- und Umwelttechnik oder Fahrzeugelektronik zur Auswahl.

Zum technischen Angebot in Friedrichshafen gehören außerdem Elektrotechnik, Maschinenbau, Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen. Die Elektrotechnik kann weiterhin mit verschiedenen Schwerpunkten studiert werden, darunter Automation, Energie- und Umwelttechnik oder Fahrzeugelektronik. 

Stolz ist man in Oberschwaben auf die vergleichsweise niedrige Abbrecherquote im dualen Studium. An der Fakultät Technik lag sie nach früheren Angaben lange bei rund 15 %, stieg während der Coronajahre jedoch zeitweise an. Gleichzeitig zeigen DHBW-interne Befragungen seit Jahren eine hohe Zufriedenheit unter den Absolventinnen und Absolventen. Vor allem die Praxisnähe gefiel den Nachwuchskräften – und gewiss auch, dass ihr Studium Sicherheit bietet, im wahrsten Sinne des Wortes.

Hohe Übernahme der DHBW-Absolventen durch die Ausbildungsbetriebe

73 % der Absolventen wurden im Jahr 2022 von ihrem Ausbildungsbetrieb weiterbeschäftigt. Auch die 379 jungen Menschen, die im Jahr 2021 ein Technikstudium in Ravensburg aufnahmen, müssen sich keine großen Sorgen um einen Arbeitsplatz machen. Mit relativ großer Wahrscheinlichkeit landen sie in der Sicherheits- und Rüstungsbranche.

Denn die ist ein Hauptabnehmer. Zu den Partnerunternehmen der Hochschule zählen unter anderem der Rüstungsgigant Airbus Defence and Space, der Munitionshersteller Diehl Defence aus Überlingen am Bodensee, Sensortechnikspezialist Hensoldt, die Bremer Satelliten- und Sicherheitsfirma OHB, der Panzerbauer KNDS Deutschland GmbH & Co. KG, die aus Jenoptik herausgelöste Wehrtechniksparte Vincorion sowie die Raumfahrtdivision des Schweizer Technologiekonzerns Ruag mit Namen Beyond Gravity – kurz: das Who‘s who der Branche.

Sensortechnikspezialist Hensoldt ist eines der Partnerunternehmen der DHBW. Zu seinen Produkten gehören militärische Nachtsichtgeräte. Das Foto zeigt angehende Fernspäher der Bundeswehr auf dem Truppenübungsplatz Storkow. Foto: Bundeswehr/Jana Neumann

KMW etwa bietet Elektrotechnikerinnen, Maschinenbauern, Informatikern und Wirtschaftsingenieurinnen vergütete duale Plätze an, Hensoldt hat welche für Luftfahrtingenieure und Nachrichtentechniker reserviert, Airbus interessiert sich auch für Produktionstechnikerinnen und Spezialisten für eingebettete Systeme.

Viele Mitarbeitende von Airbus haben an der DHBW studiert

Die Zahlen der Businessplattform Linkedin zeigen die Bedeutung der Hochschule für die Branche. Fast 160 Mitarbeitende von Airbus Space & Defence, die zuvor an der DHBW ihr Handwerk erlernt haben, listete Linkedin 2022 auf, außerdem rund 90, die bei Hensoldt angeheuert haben. Diehl Defence und KNDS haben sich ebenfalls ausgiebig bei der DHBW bedient.

Eng sind die Verbindungen zwischen Hochschule und Wirtschaft. Die Studiengänge werden gemeinsam mit den Firmen entwickelt und angepasst. So beruht etwa das Curriculum in Wirtschaftsingenieurwesen auf Mitwirkung von Airbus, aber auch der Verpackungsspezialist Aptar, der Maschinenbauer Liebherr und der Dichtungshersteller Schlösser waren beteiligt. Die Unternehmen schicken Mitarbeitende, oft ehemalige DHBW-Studierende, als Lehrbeauftragte in den Hörsaal. Die Vertreter prüfen Arbeiten, benoten Studierende.

Neben der Rüstungsindustrie lassen auch renommierte Maschinenbauer ihre Mitarbeitenden an der DHBW ausbilden. Foto: DHBW Ravensburg

Wenigen Professoren stehen die vielen Dozenten gegenüber, die ihre Lehrtätigkeit nebenher betreiben und aus den Unternehmen kommen. Im Studienjahr 2019/20 betrug die sogenannte Hauptamtlerquote rund 35 %, die Lehrbeauftragtenquote knapp 65 %.

Hoher Anteil von Lehrbeauftragten aus der Industrie an der DHBW

Allein in Ravensburg schicken 30 Firmen ihre Vertreter auf den Campus. Dass das ein Problem sein könnte, gesteht sogar das baden-württembergische Wissenschaftsministerium ein. Die Quote hauptberuflicher Dozenten an der DHBW soll in den kommenden Jahren erhöht werden. In Einzelfällen erhält die DHBW von ihren dualen Partnern Spenden und Sachzuwendungen oder Stiftungsprofessuren. Auch kooperative Forschung mit den Partnern sieht das Landeshochschulgesetz ausdrücklich vor.

Ein Beitrag von:

  • Sebastian Wolking

    Sebastian Wolking ist freier Journalist in Hamburg und schreibt seit über 15 Jahren für die VDI Nachrichten. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themen Arbeitsmarkt und Karriere.

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