Blockheizkraftwerk in Kletterhalle 07.09.2022, 10:22 Uhr

„Kletterei“ mit multivalenter Strom-, Wärme- und Kälteversorgung

In Gebäuden, die für sportliche Aktivitäten genutzt werden, stellen ein hoher Gesamtenergiebedarf und sensible Temperatur- und Lüftungsbedingungen komplexe Anforderungen an die Gebäudetechnik. In der Kletter- und Boulderhalle „Die Kletterei“ im bayrischen Kaufering erfüllt ein Blockheizkraftwerk einen wesentlichen Teil davon.

Bemühung um hohe Energieeffizienz: Für die Kletter- und Boulderhalle „Die Kletterei“ wurde ein neues Versorgungskonzept entwickelt. Foto: RMB/Energie

Bemühung um hohe Energieeffizienz: Für die Kletter- und Boulderhalle „Die Kletterei“ wurde ein neues Versorgungskonzept entwickelt.

Foto: RMB/Energie

Wetterbedingt ist das gefahrlose Trainieren der Bergsteigerei im nahe gelegenen alpinen Bergland nicht immer möglich. Deshalb errichtete die „Kletter- und Boulderparadies am Lech GmbH“ in den Jahren 2016/2017 in Kaufering eine Kletter- und Boulderhalle, um den Bedarf der Region an einem sicheren Trainingsumfeld ganzjährig zu gewährleisten. Weitere zum Komplex gehörende Gebäudeteile sind mit einer Wohnung, mit Büroräumen und einem Restaurant belegt. Der Gründer und Geschäftsführer der Anlage, Markus Wasserle, konzipierte die Ausstattung der Freizeit- und Sporteinrichtung gemeinsam mit den Ortsgruppen des Deutschen Alpenvereins (DAV) Landsberg und Kaufering. Eine wichtige Vorgabe bei der Planung war die Energie- und Ressourcenschonung, auch über das gesetzlich und baurechtlich geforderte Maß hinaus. Partner für die Haustechnik-Planung wurde die Firma Rössle-Technikplanung – Wärme, Luft, Wasser. Seit fast 50 Jahren führt das Büro TGA-Planungen durch und gründete 2012 sogar eine Genossenschaft, um junge Ingenieure/Techniker einzubinden, zu unterstützen und sie zu begleiten.

Betreiber Markus Wasserle (l.) und Planer Erwin Rößle am BHKW. Es stellt die Grundlast an Wärme und Strom bereit.

Foto: RMB/Energie

Eckdaten: Wo die Energie herkommt

Bei aller Bemühung um hohe Energieeffizienz ist klar, dass es dafür in einer so großen Freizeitanlage Grenzen gibt, die sich kaum unterbieten lassen, namentlich für die Raumklimatisierung und für Warmwasserversorgung. Man kann sich allerdings darum bemühen, Energiegewinnung und -nutzung möglichst umweltfreundlich zu gestalten. Entsprechend bedient heute ein Blockheizkraftwerk mit bis zu 20 kW elektrischer und 45,8 kW thermischer Leistung sowie einem Gesamtwirkungsgrad von 109,2 % die Grundlast der Wärme- und Stromversorgung. Gemeinsam mit einer Photovoltaikanlage mit 99 kW peak deckt es einen beträchtlichen Teil des jährlichen Gesamtstrombedarfs von rund 350.000 kWh ab. Lediglich etwa 6.000 kWh müssen aus dem öffentlichen Netz zugekauft werden. Zusätzliche Wärme wird bei Bedarf von einer 60 kW leistenden Gasbrennwerttherme bereitgestellt.

Zusätzlich kommt ein Gasbrennwertgerät als Spitzenlastkessel mit 60 kW zum Einsatz.

Foto: RMB/Energie

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Ausbau in mehreren Schritten

Die Gebäudeausstattung wurde in drei Bauabschnitten realisiert:

  • Installation der Grundausstattung mit Gasbrennwerttherme und Warmwasser.
  • Voraussetzungen (Leitungen und Peripherie) für die Gebäudekühlung wurden geschaffen.
  • Installation Kühlung und BHKW.

Seit 2019 übernimmt das BHKW die Grundlast und der Brennwertkessel die Spitzenlast. Die vom BHKW (und gegebenenfalls der Gasbrennwerttherme) gelieferte Wärme wird in der „Kletterei“ praktischerweise nicht nur im Winter zur Beheizung genutzt. Im Sommer wird damit aus einem kontinuierlich auf 80 °C temperierten Speicher eine Adsorptionskältemaschine mit einer Kälteleistung von 25 kW gespeist. Da das BHKW über eine breite Leistungsspanne modulierend arbeitet (ab 10,7 kW el. und 29,1 kW therm.), wird taktender Betrieb mit häufigen Starts weitgehend vermieden. Das Gerät läuft über lange Phasen durch. Das ist nicht zuletzt im Interesse einer hohen Eigenstromversorgung bedeutsam, die für den Betreiber ausgesprochen lukrativ ist und ihm eine überschaubare Amortisationszeit sichert.

Heizkreisverteiler und Pumpengruppen.

Foto: RMB/Energie

Zu den geringen Betriebskosten trägt auch das lange Wartungsintervall bei (lediglich alle 6.000 Betriebsstunden). Der Service am Gerät lässt sich überdies „automatisieren“, wenn man eines von drei Wartungsvertragsmodellen abschließt. Der Betreiber der Kletterhalle entschied sich für einen Basiswartungsvertrag, der bereits umfangreiche Services und eine Fernüberwachung umfasst. Konstruktiv bereits ab Werk ausgesprochen geräuscharm konzipiert, wurde das BHKW durch eine Körperschallentkopplung mit unterlegten Sylodynstreifen sowie durch ein Absorbtionsschalldämpfer-Set in DN 80 so leise, dass es in der Kletterhalle selbst akustisch praktisch nicht mehr wahrnehmbar ist.

Besonderheiten der Klimaanlage

Ein großer Teil des elektrischen Energiebedarfs, der in der „Kletterei“ anfällt, geht auf das Konto der Heizungs- und Lüftungsanlage. Bei der Ausgestaltung der Haustechnik waren viele spezifische Besonderheiten zu berücksichtigen. So müssen die Griffe der Kletteranlage regelmäßig gereinigt werden. Üblicherweise werden diese kalt gereinigt, was dem Betreiber der Kletterei nicht hygienisch genug erschien. Er nutzt deshalb einen Hochdruckreiniger mit Heißwasser, das ebenfalls vom BHKW geliefert wird. Diese Reinigung ist nicht nur gründlicher, sondern auch schneller, was also auch Personalkosten spart.

Außerdem waren eine zugfreie Hallenbelüftung, -beheizung und -klimatisierung gewünscht. Einerseits, um bei verschwitzter Sportkleidung keine Erkältungskrankheiten zu begünstigen, andererseits, um hohe Staubfrachten in der Raumluft zu vermeiden: Beim Klettern wird viel Kalk- beziehungsweise Magnesiumpulver für die Hände benötigt, das abtransportiert werden muss, um die Raumluft nicht zu kontaminieren. In diesem Objekt trägt die Luftführung einer Zweizonen-Klimaanlage aktiv dazu bei, den Staubanfall zu verringern. Eine Zone ist dabei der 15 Meter hohen Kletterhalle zugeordnet, die andere der etwa fünf Meter hohen Boulderhalle. In der Kletterhalle wird der Raum zwischen Innenwand der Halle und den mit Abstand dazu montierten Kletterwänden für die Be- und Entlüftung genutzt.

Die Anlagen zur Lüftungs- und Klimatisierungstechnik nehmen unter dem Dach viel Platz ein.

Foto: RMB/Energie

Separiert wird die Luftführung durch eine Abtrennung in einer Höhe von vier Metern. Im unteren Teil wird die Abluft durch Erdkollektoren unterirdisch in den Technikraum geführt. Spezielle Filter fangen Partikel und reinigen die Luft. Im Technikraum wird die Zuluft durch gefilterte Außenluft angereichert und anschließend über die Löcher in den Kletterwänden wieder zugeführt. Durch die breite Verteilung einer Vielzahl solcher Löcher geschieht dies absolut zugfrei. Abweichend von diesem Prinzip wird die Zuluft in der rund fünf Meter hohen Boulderhalle über einen waschbaren Gewebeschlauch zugeführt, der quer durch die Halle verläuft. Die Abluft wird hier über die Löcher in den Wänden sowie über Erdkollektoren in den Technikraum geführt.

 

 

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Von RMB/Energie/ Marc Daniel Schmelzer