Interview 18.11.2022, 10:22 Uhr

BIM – kein Instrument wie jedes andere

Building Information Modeling verspricht Synergien, ist aber nicht immer leicht in die Praxis umzusetzen. Wir sprachen darüber mit Dr. Albert Dürr, Geschäftsführer von Wolff & Müller.

Dr. Albert Dürr (Jahrgang 1975) ist Geschäftsführender Gesellschafter der Wolff & Müller Gruppe. Er studierte Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Zwischenbetriebliche Beziehungen und Projektmanagement am Bau an den Universitäten Tübingen, Berlin und Wien. Im Jahr 2004 promovierte der Diplomkaufmann und ist seit 2005 im Stuttgarter Familienunternehmen tätig. Als Enkel des Firmengründers Gottlob Müller führt er die Unternehmensgruppe in dritter Generation. Dr. Dürr verantwortet die Bereiche Bau- und Rohstoffe und Dienstleistungen. Von 2015 bis 2021 war er Präsident der Normungsorganisation DIN. Darüber hinaus engagiert er sich im Bundesvorstand des Wirtschaftsrats Deutschland und ist Mitglied des Aufsichtsrats der Warschauer Erbud-Gruppe. Foto: Wolff & Müller

Dr. Albert Dürr (Jahrgang 1975) ist Geschäftsführender Gesellschafter der Wolff & Müller Gruppe. Er studierte Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Zwischenbetriebliche Beziehungen und Projektmanagement am Bau an den Universitäten Tübingen, Berlin und Wien. Im Jahr 2004 promovierte der Diplomkaufmann und ist seit 2005 im Stuttgarter Familienunternehmen tätig. Als Enkel des Firmengründers Gottlob Müller führt er die Unternehmensgruppe in dritter Generation. Dr. Dürr verantwortet die Bereiche Bau- und Rohstoffe und Dienstleistungen. Von 2015 bis 2021 war er Präsident der Normungsorganisation DIN. Darüber hinaus engagiert er sich im Bundesvorstand des Wirtschaftsrats Deutschland und ist Mitglied des Aufsichtsrats der Warschauer Erbud-Gruppe.

Foto: Wolff & Müller

Kurz nach unserer Anmeldung zum Interview taucht in der Firmenzentrale am Hauptsitz von Wolff & Müller statt der erwarteten Assistentin der Firmenchef höchstpersönlich in der Eingangshalle auf. Weil er kein eigenes Büro besitzt, sondern sich wie die meisten anderen Mitarbeiter auch bei Bedarf einen der rund 500 Büroarbeitsplätze in dem 2021 fertiggestellten Campus in Stuttgart-Zuffenhausen reserviert, wird unser Gespräch in einem Konferenzraum stattfinden, erklärt Dr. Albert Dürr, lädt aber – unterm Arm sein Notebook – zuvor noch zu einem kleinen Rundgang durch die „Wolff & Müller Welt“ ein. Neben Daten und Fakten präsentiert dort eine „Petersburger Hängung“ von Bildschirmen Referenzprojekte sowie Videos. Und im Vorbeigehen weist der Enkel des Firmengründers Gottlob Müller nicht nur auf die Werte des Unternehmens, sondern auch noch auf Beton-Blumenkübel und auf eine minimalistische Garderobe hin: Beides Produkte, die Mitarbeiter zu Beginn der Corona-Zeit konzipierten und anfertigten, als es dem Unternehmenslenker wichtig war, Kurzarbeit zu vermeiden und die Arbeitszeit mit sinnvollen Projekten zu füllen.

Auch drei 3D-Drucker sind in der Eingangshalle aufgestellt, um Miniaturen aktueller Bauprojekte zu produzieren. Unter den handlichen Kunststoffmodellen befindet sich auch das derzeit größte Projekt des Stuttgarter Unternehmens im Bereich Hoch- und Industriebau: der Euref-Campus in Berlin (siehe Seite A32 in der November-Ausgabe 11|2022 des Bauingenieur). Dort geht es um dreistellige Millionensummen – eine eher untypische Größenordnung für das familiengeführte Unternehmen, in dem viele Entscheidungen im Kreise der beiden Gesellschafter – der promovierte Betriebswirtschaftler und seine Mutter – quasi an der sonntäglichen Kaffeetafel fallen. Die Druckdaten für die additive Fertigung der Kunststoffmodelle jedenfalls sind (bis auf die Drucker-spezifische Aufbereitung) ein Abfallprodukt der 3D-Planung – womit wir schon beim Thema BIM wären.

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Herr Dr. Dürr, sollte man besser von Business Information Modeling oder Business Information Management sprechen?

Dr. Albert Dürr: Die ganze BIM-Entwicklung ist entstanden mit dem Gedanken, Informationen zu Gebäuden zu modellieren. Aber es geht eigentlich um weit mehr als nur um Gebäude-Datenmodelle. Es geht um das Management sämtlicher zugehöriger Prozesse, eben den Entstehungsprozess eines Bauwerks sichtbar zu machen. So hat man den Blick immer mehr auf das Management gerichtet und weitere Komponenten mit eingebunden.

Sie haben in Ihrer Firma mit BIM schon lange Erfahrung. Wie kamen Sie zu dem Thema?

Begonnen hat die Reise mit unserem damaligen IT-Leiter, der vor etwa 15 Jahren begeistert von dieser damals recht neuen Entwicklung berichtet hatte. Wir wussten mit der Abkürzung BIM erst überhaupt nichts anzufangen, aber relativ schnell war klar, dass das Zusammenführen von Informationen höhere Transparenz bringt, gegebenenfalls auch mehr Entscheidungen entlang des Bauprozesses nach vorn verlagert. Und das sind alles Dinge, die helfen.

Und wo geht die Reise hin?

Trotz der langen Zeit, die seither vergangen ist, befinden wir uns immer noch in einer Anfangsphase. Als Branche haben wir sehr lange gebraucht, und da meine ich nicht nur die ausführenden Betriebe, sondern wirklich alle an Bauwerken und Bauarbeiten Beteiligten, von den Architekten und Planern bis hin zu den Kunden. Es hat viele Jahre gedauert, um überhaupt ein Verständnis zu erzeugen, um Berührungsängste zu verringern. Teilweise gibt es die immer noch, aber ich glaube, wir können sagen: Es ist allen an Bauwerken Beteiligten klar, dass in dieser Richtung die Zukunft liegt und wir uns dafür entsprechend aufstellen müssen.

Wenn es in die Umsetzung geht, ist BIM bei Ihnen heute schon der Normalfall?

Das wäre schön. Nein, wir haben für uns unterschiedliche Etappenziele gesetzt und sind momentan dabei, mit den Kollegen im Hochbau BIM in dafür geeigneten Projekten sukzessive auszurollen. Während der Planung hilft zum Beispiel die Kollisionsprüfung mit BIM, Überschneidungen der Gewerke zu vermeiden. Im weiteren Verlauf leitet das Projektteam die Materialmengen für verschiedenste Tätigkeiten aus dem Modell ab, verknüpft Terminpläne, simuliert den Bauablauf, vergleicht laufend den Soll- und Ist-Zustand und so weiter. Bei Baubesprechungen wird das Modell für Visualisierungen genutzt, damit alle ein gemeinsames Verständnis von den besprochenen Punkten bekommen. Wir haben die unterschiedlichen Möglichkeiten der BIM-Methode in sogenannte Anwendungsfälle heruntergebrochen. Als BIM-Anwendungsfall bezeichnen wir einen Prozess, dessen Workflow mithilfe des BIM-Modells optimiert werden kann.

Angekündigt haben Sie dieses Vorgehen schon vor etwa drei Jahren, und da war bereits von diesen Anwendungsfällen die Rede, um beispielsweise Entwurfsvarianten mit Kostenschätzungen durchzuspielen oder während der Planung mithilfe von BIM Kollisionsprüfungen vornehmen zu können. Heißt das, Sie sind da im Grunde nicht weitergekommen?

Doch, wir sprechen hier von unseren Kernanwendungsfällen. Diese kommen soweit möglich bei jedem BIM-Projekt zum Einsatz und werden kontinuierlich weiterentwickelt. Darüber hinaus haben wir weitere Anwendungsfälle im Einsatz, pilotieren Neuerungen und entwickeln stetig neue Anwendungsfälle – intern oder in Kooperation mit Partnern wie Hochschulen sowie durch Beteiligung an Arbeitskreisen und Forschungsprojekten. Zudem gibt es viele Ideen für künftige Anwendungsfälle. Der Stand ist auch abhängig vom Gewerk: Einige Anwendungen funktionieren heute bereits im Rohbau, aber noch nicht im Ausbau.

Liegt das auch an der mangelnden Anzahl von Partnern, die BIM einsetzen?

Das ist ein übergreifendes Problem. Eine Besonderheit unserer Branche ist sicher, dass nicht nur ein paar wenige entscheidende Player das Geschäftsgebaren bestimmen, etwa wie in der Automobilbranche, wo es deutlich einfacher ist, Megatrends zu setzen. Die Bauindustrie, zu der unser Geschäftsfeld Bau zählt, ist entlang der Wertschöpfungskette relativ kleinteilig und heterogen; die Marktanteile der meisten Unternehmen bewegen sich im unteren einstelligen Bereich. Bis eine neue Entwicklung alle relevanten Akteure erreicht und Mehrwert entwickelt, dauert es einfach länger. Aber diese Zeit muss man sich eben auch nehmen.

Immer häufiger ist als Erweiterung von BIM vom digitalen Zwilling die Rede, mit dem sich mithilfe von Sensorik eine Art lebendes, virtuelles Abbild eines Bauwerks erstellen lässt. Sind solche Ansätze nicht viel zu ehrgeizig, wenn noch nicht einmal die Grundlagen in der Praxis angekommen sind?

Ganz einfache Antwort: ja. Bei aller Begeisterung für Zukunftsvisionen darf man den Blick in die heutige Praxis nicht vergessen. Und wir sind gut beraten, wenn wir die Herausforderungen und die Situation von heute in die Denkweisen von morgen mit einbeziehen – nur dann kommen wir im Morgen auch gut an. Das gilt auch für die BIM-Entwicklung. Ich bin mit dem aktuellen Stand weder auf der übergreifenden Ebene noch auf der betrieblichen Ebene zufrieden, obwohl wir da im Vergleich gut dastehen. Es wäre aber nicht sinnvoll sich darauf zu beschränken, in einzelnen Abteilungen Leuchtturmprojekte umzusetzen. Wir müssen die gesamte Firma mitnehmen, etwa in Form der Anwendungsfälle, die in jeder Niederlassung zum Einsatz kommen können. Ähnlich ist das mit Virtual Reality, Künstlicher Intelligenz und anderen Visionen der Digitalisierung: Die Realität auf der Baustelle ist heute noch eine ganz andere, und das ist auch nicht schlimm. Wir müssen uns darauf konzentrieren, was uns auf der Baustelle wirklich einen Mehrwert bringt, zum Beispiel dass sich eine Schalungsplanung auf Basis von BIM relativ leicht darstellen lässt. Auf diese Weise können wir mit deutlich passgenaueren Mengen arbeiten und die zugehörigen Kosten genauer kalkulieren, als wenn wir nur mit Annahmen arbeiten müssen.

„Die übergreifende Entwicklung der BIM-Methode ist für uns deswegen interessant, weil wir daran glauben, dass dieses Instrument die Zusammenarbeit transparenter macht, sowohl im Unternehmen als auch mit den relevanten Partnern.“

BIM bringt also an einzelnen Stellen konkrete Vorteile, aber der übergreifende Nutzen scheint nicht immer so greifbar zu sein.

Die übergreifende Entwicklung der BIM-Methode ist für uns deswegen interessant, weil wir daran glauben, dass dieses Instrument die Zusammenarbeit transparenter macht, sowohl im Unternehmen als auch mit den relevanten Partnern. Es lässt sich schon früher ein höherer Grad an Entscheidungen darüber treffen, was später wie umgesetzt werden soll. Auf vielen Baustellen ist heute eine „produktionsbegleitende Planung“ noch gang und gäbe. Andere Branchen kennen diesen Begriff in der Regel nicht. Wir müssen uns in der Baubranche alle miteinander mehr Gedanken machen, wie wir Effizienzen heben, wirtschaftlicher arbeiten und Störungen reduzieren. Fehler und dadurch Verschwendung zu vermeiden, trägt schlussendlich aufgrund der vermiedenen Emissionen auch zum Thema Nachhaltigkeit bei.

Zur Nachhaltigkeit gehört aber noch mehr als Mängel zu vermeiden und Störungen früh zu erkennen.

Tatsächlich entsteht eine Menge Verschwendung aufgrund von zu spät getroffenen oder nicht hinreichend abgestimmten Entscheidungen – das können 30 oder mehr Prozent des Bauvolumens sein. Diesen Anteil zu senken, wäre für mich ein deutlicher Beitrag zur Nachhaltigkeit. Und ich glaube, dass Wirtschaftlichkeit der beste Katalysator ist, um alle Akteure für mehr Nachhaltigkeit zu gewinnen. Man muss dann nicht mit vermeintlich abstrakten und fern liegenden Klimaschutzzielen werben. Die wirtschaftliche Seite motiviert die Akteure schlussendlich viel stärker. Natürlich reicht das nicht, aber es ist schon mal ein ganz guter Anfang und ein großer Hebel.

Was Unternehmen hilft, ihre Wirtschaftlichkeit zu verbessern, packen die Unternehmen doch sowieso meist an.

Aber diese rund 30-plus-x Prozent an Verschwendung bekommt der Sektor offenbar ohne ein Instrument wie BIM nicht in den Griff. Ich spreche ganz bewusst vom gesamten Sektor, nicht nur von den ausführenden Unternehmen. Auch Politik und Verwaltung können noch viel mehr dafür tun, damit BIM sich schneller durchsetzt, etwa indem sie die Methode für Projekte der öffentlichen Hand vorschreiben. Mithilfe solcher Modelle lassen sich im Hinblick auf Klimaziele beispielsweise auch Prozesse und Abläufe simulieren, um herauszufinden, welche davon am ressourcenschonendsten sind.

Ist denn der Klimaschutz aus Ihrer Sicht überhaupt ein Ziel, dem sich die Bauindustrie verschreiben sollte?

Ja, natürlich. Sich an CO2-Emissionen zu orientieren, scheint mir sinnvoll, aber man muss genau hinschauen. Beispiel Recyclingbeton: Gerade hier in Baden-Württemberg, beeinflusst durch die Entwicklung in der Schweiz, wird Recyclingbeton von der Politik extrem gerne gesehen. Auch hier beim Neubau unserer Firmenzentrale haben wir etwa 1 500 Kubikmeter Recyclingbeton eingesetzt bei insgesamt etwa 7 000 Kubikmeter Beton. Aber Recyclingbeton ist nicht immer sinnvoll, gerade wenn weite Transporte nötig wären. Da sollte die Politik keine zu konkreten Vorgaben machen, sondern eher die Menge an Emissionen pro Jahr deckeln, die ausgestoßen werden darf – wobei das realistisch erreichbare Werte sein müssen. Unter der Überschrift Technologieoffenheit sehen wir heute schon tragfähige technische Lösungen, die dann aber nicht wieder an der Verwaltung oder dem Genehmigungsprozess scheitern dürfen.

Also sehen Sie den schwarzen Peter in der Bürokratie?

Wir haben da in der Verwaltung in Deutschland sicherlich ein Strukturproblem, das wir gemeinsam lösen müssen. Dort sitzen viele kluge Leute, aber über die Jahre ist eine völlig überbordende Komplexität entstanden. Ich habe auch gerade erlebt, dass eine Kommune eine digitale Baugenehmigung nicht ausstellen konnte, weil sie die Zertifikate für die elektronische Unterschrift nicht erstellen konnte. Da sind wir wieder beim Thema Digitalisierung: Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs sind – so als würde man ein Video anschauen, bei dem Ton- und Bildspur gegeneinander verschoben sind. Wir wollen gerne unseren Beitrag dazu leisten, um die Spuren wieder näher zusammenzubringen.

Ist die BIM-Methode dafür das richtige Instrument?

Für mich ist die BIM-Methode im Grunde nichts anderes als eine Projektmanagement-Methode, um Menschen zusammenzubringen bei einer Aufgabe, die hochkomplex ist, weil sie ständig wechselnde Akteure benötigt. Bauwerke sind immer woanders, immer unterschiedlich, die Akteure nie dieselben, und heute kommen noch die Lieferketten-Probleme hinzu. Um mit dieser Komplexität umzugehen, ist die BIM-Methode ein fantastisches Instrument – oder kann es zumindest sein.

Das Gespräch führte Dr. Karlhorst Klotz, Redaktion Bauingenieur.

Informationen zur Darstellung von Gebäuden zu modellieren ist längst nicht mehr die einzige Anwendung der BIM-Methode. Zunehmend geht es beim Building Information Modeling nicht nur um die Daten, sondern auch um die Modellierung der Prozesse.

Foto: Wolff & Müller

Weitere Informationen

Das Interview ist in der November-Ausgabe 11|2022 des Bauingenieur erschienen (Seite A6-A9).

Mehr über BIM bei Wolff & Müller erfahren Sie unter www.wolff-mueller.de/bim.

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Von Bauingenieur / Karlhorst Klotz