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Vierte Schiffskollision seit 2024 16.09.2026, 13:30 Uhr

Wieder kracht ein Schiff gegen die Huntebrücke: Was der Neubau besser machen soll

Ein Binnenschiff ist mit der Huntebrücke bei Elsfleth kollidiert — die vierte Kollision in weniger als drei Jahren. Die Hilfsbrücke blieb diesmal intakt. Direkt daneben entsteht bereits die neue 512 m lange Hub-Drehbrücke.

Huntebrücke bei Elsfleth

Die Hilfsbrücke wurde nach mehreren Schiffskollisionen zur Übergangslösung, während im Hintergrund bereits der Ersatzneubau entsteht.

Foto: Wasserschutzpolizeiinspektion Oldenburg

Ein niederländisches Binnenschiff ist am 15. September 2026 mit der Eisenbahnbrücke über die Hunte bei Elsfleth kollidiert. Während das Steuerhaus des Schiffes erheblich beschädigt wurde, blieb die Brücke nach der anschließenden Untersuchung offenbar unversehrt.

Der Zwischenfall zeigt erneut, warum die historische Querung derzeit durch einen Neubau ersetzt wird. Die neue Huntebrücke soll höher, breiter und wieder für die Schifffahrt vollständig passierbar werden.

Steuerhaus schwer beschädigt – die Huntebrücke bleibt diesmal verschont

Gegen 17:10 Uhr stieß das Binnenschiff auf der Fahrt von Brake nach Oldenburg mit der Eisenbahnbrücke zusammen. Dabei wurden Teile des Steuerhauses abgerissen. Die beiden Besatzungsmitglieder blieben unverletzt. Das Schiff konnte aus eigener Kraft zu einem Dalben fahren und dort festmachen. Die Verkehrszentrale Bremen untersagte dem Schiffsführer die Weiterfahrt.

Nach dem Unfall überprüfte das Notfallmanagement der Deutschen Bahn den Brückenersatzbau. Für die Untersuchung wurde die Bahnstrecke vorübergehend gesperrt. Gegen 19 Uhr konnte der Zugverkehr wieder aufgenommen werden. Auch die Schifffahrt auf der Hunte blieb nach Angaben der Wasserschutzpolizei möglich, weil abgerissene Teile des Steuerhauses nicht ins Wasser gefallen waren.

Die heutige Brücke ist selbst nur ein Provisorium

Dass ausgerechnet die Huntebrücke erneut in einen Schiffsunfall verwickelt ist, hat eine besondere Vorgeschichte. Die ursprüngliche Eisenbahn-Drehbrücke wurde bereits 2024 gleich zweimal schwer beschädigt. Nach der ersten Kollision im Februar 2024 mussten Drehteil und mittlerer Drehpfeiler zurückgebaut werden. Als Übergangslösung entstand zunächst eine bewegliche Hilfsbrücke.

Bereits im Juli 2024 traf ein Tankschiff auch diese Hilfsbrücke und beschädigte Bahnstrecke sowie Oberleitung erneut. Erst danach baute die Bahn die heutige, fest verankerte Hilfsbrückenkette, die sich anders als ihre Vorgängerin nicht mehr öffnen lässt.

Beschädigtes Steuerhaus bei einem Schiff.
Bei der Kollision mit der Huntebrücke rissen Teile des Steuerhauses eines niederländischen Binnenschiffs ab. Foto: Wasserschutzpolizeiinspektion Oldenburg

Seeschiffe können die Stelle seither nicht mehr passieren, Binnenschiffe nur mit ausreichend geringer Höhe und tideabhängig. Im Januar 2026 hatte zudem ein Flusskreuzfahrtschiff mit seinem Sonnensegel die Brücke berührt, ohne größeren Schaden anzurichten. Der aktuelle Unfall ist damit bereits die vierte Kollision mit der Eisenbahnbrücke beziehungsweise ihren Ersatzbauten innerhalb von weniger als drei Jahren.

Parallel dazu läuft seit Juni 2026 bereits der Bau des endgültigen Ersatzneubaus, westlich versetzt neben der jetzigen Hilfsbrücke. Die neue Eisenbahnüberführung soll Ende 2027 beziehungsweise Anfang 2028 in Betrieb gehen.

Neue Huntebrücke wird 512 m lang

Die rund 512 m lange Eisenbahnüberführung besteht aus sieben Brückenteilen. Im Zentrum sitzt die etwa 145 m lange Hub-Drehkonstruktion. Weil der Neubau parallel zur vorhandenen Hilfsbrücke entsteht, kann der Bahnbetrieb während der Bauarbeiten weiterlaufen.

Der zentrale Unterschied zur aktuellen Übergangslösung liegt in der Beweglichkeit: Das mittlere Brückenteil wird für die Schifffahrt angehoben und anschließend aus der Fahrrinne gedreht. Gleichzeitig liegt die neue Brücke höher, denn die Durchfahrtshöhe steigt auf 8,40 m und damit um 1,93 m gegenüber der alten Bestandsbrücke.

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Dadurch müssen künftig weniger Schiffe auf eine Öffnung warten. Erst wenn ein Schiff höher als die neue Durchfahrtshöhe ist, muss das bewegliche Mittelteil aus der Fahrrinne gedreht werden. Die Fahrrinne wird zudem von bislang 35 auf 42 m verbreitert.

Für die Eisenbahn bleibt die Querung eingleisig. Zusätzlich sind ein 2,50 m breiter Geh- und Radweg sowie ein separater Dienst- und Rettungsweg vorgesehen.

Die neuen Flusspfeiler sollen Schiffskollisionen besser abfangen

Eine wichtige technische Konsequenz aus den früheren Havarien steckt in den Details der Planung. Der Planfeststellungsbeschluss sieht für die Flusspfeiler in den Achsen 60 und 70 ausdrücklich Leitwerke und Anprallschutzkonstruktionen vor. Zusätzlich werden für die Schifffahrt entsprechende Vorsignale eingerichtet.

Der Planfeststellungsbeschluss macht zugleich deutlich, weshalb die neue Konstruktion technisch erheblich aufwendiger ist als die derzeitige Hilfsbrücke. Die Flusspfeiler erhalten eine Tiefgründung, wobei für die wasserseitigen Pfeiler wasserdichte Spundwandkästen hergestellt werden, die mit einer Unterwasserbetonsohle abgedichtet werden. Sobald der Beton ausreichend fest ist, können die Baugruben schrittweise leergepumpt werden. Anschließend entsteht eine mehrere Meter starke Tragplatte als Grundlage für die späteren Brückenpfeiler.

Huntebrücke bei Elsfleth
Links ist die feste Hilfsbrücke zu sehen, mit der der Bahnbetrieb nach den Kollisionen von 2024 aufrechterhalten wird; rechts entsteht der 512 m lange Ersatzneubau als Hub-Drehbrücke. Foto: picture alliance/dpa | Sina Schuldt

Die Gründung erfolgt über Verankerungspfähle. Im Bereich des Pfeilers in Achse 70 sollen diese bis zu 33,54 m NHN in den Baugrund einbinden, die Spundwände reichen dort nach aktueller Planung bis etwa 18,60 m unter NHN.

Spezialtiefbau bei laufendem Zugverkehr

Den Spezialtiefbau übernimmt eine Arbeitsgemeinschaft aus Eiffage Infra-Nordwest und Porr Spezialtiefbau. Nach Angaben von Porr kommen dabei unter anderem Frankipfähle und das VRSS-Verfahren zum Einsatz. Die Hauptbauarbeiten an der neuen Huntebrücke starteten am 1. Juni 2026.

Damit entsteht in Elsfleth derzeit eine ungewöhnliche Kombination aus Eisenbahnbau, Stahlbau, Maschinentechnik und Spezialtiefbau. Die Aufgabe besteht schließlich darin, eine beschädigte Eisenbahnbrücke zu ersetzen und dabei gleichzeitig eine wichtige Bahnverbindung aufrechtzuerhalten sowie den Schiffsverkehr auf einer Wasserstraße zu ermöglichen.

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Bis zur geplanten Inbetriebnahme Ende 2027 beziehungsweise Anfang 2028 bleibt die Hilfsbrücke Teil einer ungewöhnlich langen Übergangsphase. Der aktuelle Unfall zeigt erneut, wie anfällig eine solche provisorische Lösung an einer vielbefahrenen Wasserstraße sein kann.

Quellen