Ingenieurbaukunst 01.09.2022, 13:00 Uhr

Auszeichnung der vom Abriss bedrohten Nibelungenbrücke in Worms als „Historisches Wahrzeichen“

Die erste im revolutionären Freivorbauverfahren gebaute Spannbetonbrücke erhielt eine Ehrung als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ – ihr Abriss ist allerdings für 2025 geplant.

Die Nibelungenbrücke ist als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ausgezeichnet worden. Aus diesem Anlass fand am 1. September 2022 am Bauwerk eine feierliche Tafelenthüllung statt. Foto: Cengiz Dicleli

Die Nibelungenbrücke ist als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ausgezeichnet worden. Aus diesem Anlass fand am 1. September 2022 am Bauwerk eine feierliche Tafelenthüllung statt.

Foto: Cengiz Dicleli

Sie ist die erste Spannbetonbrücke, die über den Rhein gebaut wurde, und die erste Brücke überhaupt, die im sogenannten Freivorbauverfahren entstanden ist. Diese Bauweise erlaubt es, Brücken ohne aufwendige und teure Gerüste herzustellen und hat das Bauen von Spannbetonbrücken weltweit revolutioniert.

Daher haben die Bundesingenieurkammer (BIngK) und die Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz der Nibelungenbrücke in Worms heute mit einer feierlichen Tafelenthüllung am Bauwerk den Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ verliehen. Die technischen Daten der Brücke sind im Kasten unten aufgelistet.

Die nach der Nibelungensage benannte Brücke ist allerdings vom Abriss bedroht, da sie nicht mehr sanierungsfähig sei, wie im Jahr 2019 festgestellt wurde. Der Landesbetrieb Mobilität Worms hatte damals einen Neubau ab 2025 angekündigt.

Verbindung der Bundesländer und Zeiten

„Die Nibelungenbrücke verbindet nicht nur Rheinland-Pfalz und Hessen, sondern auf beeindruckende Weise auch die Vergangenheit und die Gegenwart“, so Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, Präsident der Bundesingenieurkammer. Sie sei entstand in wirtschaftlich schwierigen Zeiten entstanden und ein beeindruckendes Zeugnis dafür, was Ingenieurinnen und Ingenieure in der Lage waren und sind, zu leisten, „auch und vor allem, wenn es darum geht, neue Wege einzuschlagen.“

Als Präsident der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz ergänzte Dr.-Ing Horst Lenz: „Die Nibelungenbrücke in Worms ist ein technisches Bauwerk höchster Raffinesse, das für hervorragende Ingenieurleistungen steht. Historische Ingenieurbauwerke erzählen von der Genialität vergangener Ingenieur-Generationen und bilden einen wesentlichen Bestandteil unserer Baukultur.“ Nur wer auf dem Besten vergangener Zeiten aufbaue, könne auch die Zukunft erfolgreich gestalten.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Architektur / Bauingenieurwesen Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften
Hannover Zum Job 
ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH-Firmenlogo
Systemingenieur Avionik / Systems Engineer Avionics (gn) ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH
Fürstenfeldbruck bei München Zum Job 
Landeshauptstadt Stuttgart-Firmenlogo
Projektleiter*in Architektur für öffentliche Bauten (m/w/d) Landeshauptstadt Stuttgart
Stuttgart Zum Job 
MED-EL Medical Electronics-Firmenlogo
R&D Engineer for Embedded Systems (m/f/d) Research & Development MED-EL Medical Electronics
Innsbruck (Österreich) Zum Job 
Landeshauptstadt Stuttgart-Firmenlogo
Projektleiter*in Elektrotechnik und Versorgungstechnik (m/w/d) Landeshauptstadt Stuttgart
Stuttgart Zum Job 
SCHOLZE-THOST GmbH-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) für BIM-basierte HKLS-Planung SCHOLZE-THOST GmbH
Leinfelden-Echterdingen Zum Job 
GSI - Gesellschaft für Schweißtechnik International mbH Niederlassung SLV München-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur / Master / Bachelor (m/w/divers) als Inspektor für Fertigungsüberwachungen bzw. Auditor für Betriebsprüfungen GSI - Gesellschaft für Schweißtechnik International mbH Niederlassung SLV München
München (Home-Office möglich) Zum Job 
SCHOLZE-THOST GmbH-Firmenlogo
Konstrukteure (m/w/d) für BIM-basierte HKLS-Planung SCHOLZE-THOST GmbH
Leinfelden-Echterdingen Zum Job 
Langmatz GmbH-Firmenlogo
Produktmanager Glasfaser-Netzausbau (m/w/d) Langmatz GmbH
Garmisch-Partenkirchen Zum Job 
Panasonic Corporation-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur (m/w/d) in der Systementwicklung Panasonic Corporation
Lüneburg Zum Job 
MKS Instruments Deutschland GmbH-Firmenlogo
NPI Engineer (m/w/d) MKS Instruments Deutschland GmbH
Kleinmachnow Zum Job 
MED-EL Medical Electronics-Firmenlogo
Research Engineer, Hearing Implant Fitting (m/f/d) MED-EL Medical Electronics
Innsbruck (Österreich) Zum Job 
MED-EL Medical Electronics-Firmenlogo
Design Engineer, Analog / Mixed Signal IC Design (m/f/d) MED-EL Medical Electronics
Innsbruck (Österreich) Zum Job 
MED-EL Medical Electronics-Firmenlogo
Design Engineer, Analog IC Design (m/f/d) MED-EL Medical Electronics
Innsbruck (Österreich) Zum Job 
MED-EL Medical Electronics-Firmenlogo
R&D Engineer for Clinical Objective Monitoring (m/f/d) MED-EL Medical Electronics
Innsbruck (Österreich) Zum Job 
Beckhoff Automation GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) mechanische Konstruktion I/O Beckhoff Automation GmbH & Co. KG
WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH-Firmenlogo
Projektleitung Modernisierung und Instandsetzung (w/m/d) WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Leitung Verkehrsinfrastruktur (m/w/d) Stadtwerke München GmbH
München Zum Job 
DEKRA Automobil GmbH-Firmenlogo
Sachverständiger für Schadstoffe in Gebäuden - inklusive Teamleitung (m/w/d) DEKRA Automobil GmbH
Stuttgart Zum Job 
pmdtechnologies ag-Firmenlogo
Informatiker / Ingenieur / Physiker / Mathematiker (m/w/d) im Unternehmensbereich Software Development pmdtechnologies ag

Adolf Kessel, Oberbürgermeister der „Nibelungenstadt“ Worms betonte die besondere Beziehung der Stadt zu der bauwerklich wertvollen Brücke. „Wir in Worms wollen uns weiter an diesem geschichtsträchtigen Bauwerk erfreuen und wünschen uns, dass die Brücke mit allen Mitteln der Ingenieurskunst gut in die Zukunft kommt, weiter viele Wege nach Worms begleitet und noch für viele Generationen als historisches Wahrzeichen dient.“

Ausschreibung ermunterte zu Risiko, ästhetischer Wirkung und fortschrittlicher Bauweise

Jahrhundertelang konnten die Menschen den Rhein lediglich per Fähre überqueren. Ab 1900 standen ihnen in Worms zwei Brücken zur Verfügung: eine Straßenbrücke und eine Eisenbahnbrücke. Insbesondere auf die für die Straße erbaute Ernst-Ludwig-Brücke mit ihren beiden Tortürmen war die Stadt sehr stolz.

Nach der Zerstörung der Brücke während des Zweiten Weltkrieges suchte Ernst Wahl, seit 1949 Leiter der Straßenverwaltung, für den Brückenbau Wege aus der Stahlknappheit. Bei der Ausschreibung für die Nibelungenbrücke legte er großen Wert darauf, dass er „nicht gehalten war, dem absolut billigst Bietenden den Zuschlag zu erteilen“. Außer dem Preis sollten noch Gesichtspunkte wie „Risiko, ästhetische Wirkung, fortschrittliche Bauweise, Bauzeit usw. angemessene Berücksichtigung finden“.

Die Planer der Nibelungenbrücke, der Ingenieur Ulrich Finsterwalder und der Architekt Gerd Lohmer, erlangten laut Bundesingenieurkammer internationale Anerkennung, und die Baufirma Dyckerhoff & Widmann, die es gewagt hatte, die erste Betonbrücke ohne Gerüste über den Rhein zu baue, war eine der erfolgreichsten in Deutschland und weltweit.

Die „Mutter aller Spannbetonbrücken über den Rhein“ wurde im damals neuartigen Freivorbauverfahren gebaut.

Foto: BIngK

Die „Mutter aller Spannbetonbrücken über den Rhein“ vom Abriss bedroht

Alle technischen und historischen Hintergründe zur Nibelungenbrücke sind in der Publikation von Prof. Cengiz Dicleli zusammengefasst, die in der Schriftenreihe „Historische Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ erschienen ist. Laut Umschlagseite des Buches hofft der Mitgründer der Gesellschaft für Bautechnikgeschichte Dicleli, dass „der bereits angekündigte Abriss des denkmalgeschützten Bauwerks noch abgewendet werden kann“ und „die Mutter aller Spannbetonbrücken über den Rhein den künftigen Generationen erhalten bleibt“.

Umschlagseiten der Publikation von Prof. Cengiz Dicleli, auf denen er seine Hoffnung zum Ausdruck bringt, dass der Abriss des „Juwels der Ingenieurbaukunst“ sich noch verhindern lässt.

Foto: BIngK

Alle „Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ im Überblick

Seit 2007 erhielten 29 Bauwerke eine solche Auszeichnung. Die eigens hierzu herausgebrachte Schriftenreihe porträtiert alle ausgezeichneten Bauwerke.

Der Band 27 der Schriftenreihe ist bereits im Jahr der Auszeichnung der Brücke 2020 erschienen; die feierliche Enthüllung einer Tafel erfolgte am 1. September 2022.

Foto: BIngK

Zuletzt waren die Rappbodetalsperre und die auch „Kathedrale der Wellen“ genannte Sendehalle von Radio Europe 1 in Berus als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ gefeiert worden. Die Auszeichnungsreihe wird unterstützt vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, den Ingenieurkammern der Länder und dem gemeinnützigen Förderverein „Historische Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“.

Empfehlung der Redaktion – das könnte Sie auch interessieren:

  1. Energie- und Zukunfts(?)speicher; Betondecke für die Riesen-Thermoskanne in Heidelberg
  2. Deutscher Ingenieurbaupreis 2022: Carbonseilbrücke gewinnt Staatspreis
  3. Industriebau: Holzbaupreis für Halle mit weltgrößtem Dachtragwerk
  4. Mauer mit 2 Mio. Tonnen Masse: Rappbodetalsperre als höchste Talsperre Deutschlands im Rampenlicht
  5. Historisches Wahrzeichen: Beton-Muschel mit europäischer Strahlkraft
  6. Sanierung: Brückenerneuerung mit dem gewissen Dreh
  7. Weitere Beiträge zu aktuellen Ingenieurbauwerken
  8. Nichts mehr verpassen: Hier geht‘s zur Newsletter-Anmeldung
Von BIngK / Karlhorst Klotz