Betonbau 02.04.2021, 09:31 Uhr

Leichtbeton in nachhaltiger Bauweise

Bei einem monolithischen Anbau an ein Wohnhaus aus den 1970er-Jahren war die Frage nach dem Material für die Bauherrenfamilien, die mit der Betonbranche verbunden ist, schnell klar: Beton. Doch der Betonkörper ist nicht einfach aus Beton errichtet, sondern aus Leichtbeton mit Blähglas. Dabei wurde auf zusätzliches Dämmmaterial verzichtet.

Ein Anbau aus Leichtbeton ergänzt das Wohnhaus aus den 1970er-Jahren. Foto: HeidelbergCement AG / Steffen Fuchs

Ein Anbau aus Leichtbeton ergänzt das Wohnhaus aus den 1970er-Jahren.

Foto: HeidelbergCement AG / Steffen Fuchs

Das 1970er-Jahre-Wohnhaus aus Sichtbeton, einer Geschäftsführerin eines Transportbetonwerks, sollte eine Erweiterung bekommen und auf ein Vier-Gernartionenhaus anwachsen. Für die Bauherren war es wichtig, dass Leichtbton zum Einsatz kommt, der sich innerhalb des genormten Rohdichtebereichs befindet. „Wir wollten die Idee des Sichtbetons noch radikaler durch einen monolithischen Bau umsetzen. Die vorherrschende Struktur der versetzten Pultdächer sollte mit dem Neubau eine Einheit bilden. So haben wir uns anstatt eines Flachdachs, wie es bei einem monolithischen Bau zu erwarten wäre, für ein Pultdach entschieden. Die Bauherren waren sehr innovativ und haben unsere Ideen mitgetragen und unterstützt“, erklärt der Architekt Florian Gebauer.

Leichtbeton mit bestechender Optik

Auf dem 6.000 Quadratmeter großen Grundstück in Dietfurt befindet sich nicht nur das Mehrgenerationenprojekt, sondern auch ein gewachsener Obstbaumbestand. Und direkt am Grundstück fließt der Fluss Laber. Aus diesem Grund wurde bei der Planung des Anbaus eventuelles Hochwasser bedacht und er wurde auf Streifenfundamenten aufgeständert. Im rechten Winkel schließt der Anbau an das Bestandsgebäude an. Der 110 Quadratmeter große Neubau ist durch die Betonoptik geprägt, doch viele Holzelemente lockern diese auf, wie der Eichenboden in der Küche. Bauherrin Veronika Werner schwärmt: „Es lebt sich wunderbar in diesen Räumen, denn das Klima und auch die Akustik sind sehr angenehm. Uns gefällt die Optik des Leichtbetons sehr gut, die Betonwände haben eine samtige Oberfläche und sind überhaupt nicht kühl. Die Kinder fassen immer gerne an die Wände und fragen: Bleibt das jetzt so?“ Die Verbindung zwischen dem Bestandsbau und dem Anbau wurde durch einen Zwischenbau in Holzständerkonstruktion hergestellt. Hier befinden sich der Eingang und das Treppenhaus.

Der Leichtbeton harmoniert mit den Holzelementen.

Foto: HeidelbergCement AG / Steffen Fuchs

Nachhaltige Bauweise durch recyceltem Altglas

Für das ansässige Transportbetonwerk ist der Leichtbetonbau ein Pilotprojekt. Zum ersten Mal wurde der Beton mit reinem Blähglas gemischt. Dabei besteht das Blähglas aus 100 Prozent recyceltem Altglas und ist rein mineralisch. Unter der Leitung von Hans-Peter Zeitler wurde die Rezeptur des Leichtbetons im Labor der Betotech GmbH entwickelt. „Mit der Entscheidung Blähglas zu verwenden, haben wir eine Wand- und Dachstärke von 50 Zentimetern erreicht und sind mit einem Rohdichtewert von 800 kg/m³ innerhalb des Normbereichs geblieben. Der Anbau erfüllt somit die aktuelle EnEV ohne zusätzliche Dämmung. Eine Zulassung im Einzelfall war nicht erforderlich“, erklärt Zeitler. Durch die Beimischung des Blähglas war der Leichtbeton nicht pumpbar. Um dieses Problem zu lösen, wurde das Blähglas in Big Bags gefüllt und aus diesen wurde das Material in der Mischanlage durch einen Lastenkran in die Mischtrommel eingebracht. Damit diente der Fahrmischer als mobile Mischanlage. Auf der Baustelle wurde dann der Leichtbeton vom Kran mit Betonkübel in die Schalungen eingebracht. In Dietfurt wurden insgesamt 88 Kubikmeter Leichtbeton verbaut.

Pultdach aus Leichtbeton

Mit einer 14-Grad-Dachschräge ist das Pultdach aus Leichtbeton eine Herausforderung. Erhard Fritz von der Rohmann Hoch- und Tiefbau GmbH, Beilngries meint: „Für uns als Rohbauunternehmen war die Arbeit mit dieser Art der Leichtbetonmischung absolut neu. Es gab viele Überlegungen, wie die Dachdecke betoniert werden kann und wie die Schalung realisiert werden soll. Wir haben vorab eine Probeschalung erstellt, um das richtige Mischverhältnis für das Pultdach zu finden.“ Die Mischung des Leichtbetons musste für das Pultdach etwas steifer sein als für die Wände, da der Beton sonst durch die Schräge zu schnell nach unten gelaufen wäre. Die Rohmann Gmbeh entschied sich beim Dach für eine Schalung aus Holz. Bei den Wänden und Decken setzte sie eine Rahmenschalung ein. Mit der Holzschalung konnte das Dach herkömmlich bewehrt und betoniert werden. „Für uns als Planer war es ein Pilotprojekt mit Leichtbeton komplett monolithisch zu bauen. Das geringe Gewicht und die Möglichkeit der monolithischen Bauweise ermöglichen ganz andere Details als bisher. Durch diese Bauweise schafft man ein sehr angenehmes Wohnklima und benötigt keine zusätzlichen Klimaanlagen. Auch die spätere Entsorgung ist durch die rein mineralischen Zusatzstoffe problemlos. Wir als Planer sehen für die Zukunft des Wohnungsbaus großes Potenzial in diesem Baustoff“, resümiert Gebauer. Dabei übernimmt Leichtbeton mit Blähglas gleich drei Funktionen: Er dämmt, er schützt und er trägt.

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Von HeidelbergCement

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