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E-Mobilität bremst: Autozulieferer abhängig vom Verbrenner

21. Januar 2026

Großaufnahme eines Auspuffs
Die Autozulieferer sind immer noch stark von Verbrennern abhängig.
Foto: SmarterPix/Maksym Yemelyanov
Die E-Mobilität entwickelt sich langsamer als erwartet – und bringt die Zulieferbranche in ein heikles Spannungsfeld. Eine Umfrage von Berylls by AlixPartners zeigt, warum viele Unternehmen sich gut gerüstet fühlen, obwohl Margen wackeln, Plattformen rutschen und die Verbrenner-Abhängigkeit erstaunlich stabil bleibt.
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Die Umstellung auf Elektroantriebe läuft langsamer und sprunghafter, als viele Firmen noch vor wenigen Jahren kalkuliert hatten. Das zeigt eine Befragung von Berylls by AlixPartners unter europäischen Zulieferbetrieben. Für viele Entscheiderinnen und Entscheider entsteht ein Spannungsfeld: Die Ziele bleiben hoch, doch die Rahmenbedingungen ändern sich ständig.

Im DACH-Raum erleben Automobilzulieferer daher eine Paradoxon: E-Mobilität bremst, Margen geraten unter Druck und wichtige Plattformen der OEMs verschieben sich – trotzdem halten sich neun von zehn Unternehmen für gut vorbereitet. Genau diese Lücke zählt laut „E-Mobility Supplier Survey 2025“ zu den auffälligsten Ergebnissen der Studie. Viele Managerinnen und Manager sehen trotzdem keinen Anlass zur Panik.

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Verbrennergeschäft: Automobilzulieferer bleiben gebunden

Mehr als 70 Prozent der befragten Automobilzulieferer erzielen weiterhin mehr als ein Viertel ihres Umsatzes mit Teilen für den Verbrennungsmotor. Der Anteil entspricht exakt dem Wert aus der Vorjahresumfrage. Für 2030 erwarten die Unternehmen zwar 55 Prozent, doch auch diese Zahl steht unverändert seit dem vergangenen Jahr – die Abhängigkeit sinkt praktisch nicht.

Die Stimmung gegenüber der E-Mobilität kippt parallel deutlich. Nur noch 48 Prozent sehen darin eine Chance, nachdem es im Vorjahr 69 Prozent und 2023 sogar 77 Prozent waren. Im Gegenzug wächst die Gruppe, die E-Mobilität neutral oder riskant beurteilt, auf 52 Prozent. Das zeigt: Zuversicht wird seltener, Vorsicht wird zur Mehrheitsposition.

Umsätze im Blick: Automobilzulieferer dämpfen Erwartungen

Auch bezüglich steigender Erlöse durch Elektromodelle wird der Ton zurückhaltender. Während 2023 noch 75 Prozent einen positiven Umsatzimpuls für die nächsten fünf bis zehn Jahre erwarteten, sind es 2025 nur noch 50 Prozent. Gleichzeitig rechnen 17 Prozent mit Rückgängen – 2024 lag dieser Wert erst bei vier Prozent. Damit rückt die Planung stärker in den Risikomodus.

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Bei den Margen entsteht ein gemischtes Bild. Rund 35 Prozent der Unternehmen erwarten Verbesserungen, 23 Prozent dagegen zusätzlichen Druck. Die Gründe liegen tiefer: Viele Batterieauto-Programme erreichen noch nicht die Stückzahlen, die sie profitabel machen würden. Zusätzlich müssen zahlreiche Zuliefernde Verbrenner- und E-Antriebsportfolios parallel betreiben, was Fixkosten erhöht und Abläufe komplizierter macht.

Unter den Top-100-Zulieferern liegen laut Studie die durchschnittlichen EBIT-Margen demnach zwischen 5,2 und 5,9 Prozent. Reine Anbieter, die sich ausschließlich auf E-Mobilität fokussieren, kommen teils auf negative Werte – in Einzelfällen bis minus 7,2 Prozent.

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Plattformverschiebungen werden zum Bremsklotz

In Europa verzögern Autohersteller ihre BEV-Plattformen im Mittel um 150 Tage beim Start of Production. In China fallen die Verschiebungen dagegen deutlich kleiner aus, im Schnitt um 20 Tage. Für europäische Zulieferer bedeutet das: Linien stehen länger still, Auslastung bleibt hinter dem Plan und Investitionen brauchen mehr Zeit, um sich zu rechnen. Das kostet Zeit und bindet Personal.

Autozulieferer können Investitionen schlechter planen

Noch mehr Druck entsteht durch die erwartete Marktbereinigung. 92 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass es bei E-Mobilitäts-Zulieferern zu einer Konsolidierung kommen wird. Mehr als die Hälfte rechnet damit bereits innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre. Für viele Betriebe heißt das: Wer heute investiert, muss zugleich damit rechnen, dass sich der Wettbewerb morgen neu sortiert.

Lange galt die Regulierung als verlässlicher Taktgeber der Elektrifizierung, doch diese Sicherheit nimmt ab. Die Anpassung der EU-Kommission im Dezember 2025 senkte das CO₂-Reduktionsziel für Neuwagen bis 2035 von 100 auf 90 Prozent. Zulieferer von Verbrenner- und Hybridteilen gewinnen dadurch Spielraum, BEV-Spezialisten verlieren Rückenwind.

China zieht durch – und drückt die Preise

Während Europa mit schwächerer Nachfrage, Verzögerungen und Margenproblemen ringt, verfolgt China die Transformation konsequenter. Hersteller und Zulieferer dort profitieren laut Studie von größeren Volumina, niedrigeren Kosten und kürzeren Entwicklungszyklen. Batteriekosten liegen in China bereits unter 80 US-Dollar je Kilowattstunde; in Europa soll die 100-Dollar-Marke erst 2026 fallen. Die wachsende Präsenz chinesischer Anbieter in internationalen Märkten verstärkt den Preis- und Wettbewerbsdruck.

Handlungsempfehlungen für Autozulieferer

Aus der Umfrage leitet Berylls fünf Handlungsfelder ab. Erstens: das Portfolio schärfen und nur auf Technik setzen, die realistisch skalieren kann. Zweitens: die Doppelstrategie effizienter organisieren. Drittens: finanzielle Disziplin mit strenger Kapitalallokation und Cash-Fokus stärken, weil Amortisationszeiten länger werden.

Viertens rät die Studie zu szenariobasierter Planung, also zu Strategien für mehrere denkbare Zukunftsbilder statt für eine lineare E-Auto-Kurve. Fünftens soll die China-Strategie pragmatisch geprüft werden. Wo ist Beteiligung unverzichtbar, wo helfen Partnerschaften und wo wachsen Risiken zu stark. Unterm Strich bleibt E-Mobilität der große Umbruch – nur ohne die erhoffte Sicherheit.



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