Anzeige

Dimensionierung von Fernwärmenetzen

01. Februar 2017

Als einfache Form von Fernwärme verteilten bereits die Römer vor über 2 000 Jahren Thermalwasser für Bäder und Fußbodenheizungen in Gebäuden. Technische Fernwärmenetze wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt und fanden in Europa vor allem seit 1960 eine größere Verbreitung [1; 2]. Für die Wärmebereitstellung kamen früher oft fossile Feuerungen…
Anzeige
Anzeige


Als einfache Form von Fernwärme verteilten bereits die Römer vor über 2 000 Jahren Thermalwasser für Bäder und Fußbodenheizungen in Gebäuden. Technische Fernwärmenetze wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt und fanden in Europa vor allem seit 1960 eine größere Verbreitung [1; 2]. Für die Wärmebereitstellung kamen früher oft fossile Feuerungen zum Einsatz, während größere Netze heute meist mit Abwärme betrieben und für kleinere Netze Biomasse-Heizwerke errichtet werden. Für Biomasse bietet Fernwärme Vorteile in Bezug auf Komfort und Luftreinhaltung. Dem stehen zusätzliche Kosten für das Fernwärmenetz und die Wärmeverluste des Netzes gegenüber. Da die Netzauslegung die Verluste und die Kosten der Wärmeverteilung beeinflusst, wird im Beitrag der Einfluss der Auslegungsparameter auf die Effizienz und Wirtschaftlichkeit anhand von einer Sensitivitätsanalyse untersucht.

Grundlagen

Für eine gegebene Anschlussleistung und Vorlauftemperatur werden die Effizienz und Wirtschaftlichkeit eines Fernwärmenetzes vor allem durch folgende fünf Faktoren beeinflusst:

  1. Die Wärmeverluste des Netzes verursachen einen zusätzlichen Wärmebedarf. Im Falle eines Heizkessels wird dazu Brennstoff verbraucht, dessen Energie­inhalt den Wärmeverlusten dividiert durch den Kesselwirkungsgrad entspricht.
  2. Eine Verkleinerung der Rohrdurchmesser bewirkt niedrigere Kapitalkosten und Brennstoffkosten, gleichzeitig steigen der Druckverlust und damit die Pumpleistung und die Stromkosten.
  3. Die Temperaturspreizung zwischen Vor- und Rücklauf bestimmt die mit einem bestimmten Volumenstrom transportierbare Wärmeleistung:

 


 

Bild 1 Netztemperatur und spezifischer Volumenstrom in Funktion der Temperaturdifferenz zwischen Vor- und Rücklauf für 1 MW. Das Beispiel zeigt den Referenzfall mit 80 °C Vorlauftemperatur und 30 K Temperaturspreizung. Bild: eigene Darstellung

Bild 1 zeigt den zum Transport von 1 MW Wärmeleistung erforderlichen Volumenstrom in Funktion der Temperaturspreizung. Eine hohe Temperaturspreizung ermöglicht den Einsatz kleiner Rohre, wodurch die Kapitalkosten und die Wärmeverluste sinken, während für ein gegebenes Netz die Anschlussleistung durch Vergrößerung der Temperaturspreizung erhöht werden kann.

  1. Durch Anhebung des Temperaturniveaus steigen die Wärmeverluste. Gleichzeitig kann die Effizienz des Wärmeerzeugers sinken, was vor allem für Heizkessel mit Abgaskondensation, Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und Wärmepumpen entscheidend ist.
  2. Für einen wirtschaftlichen Betrieb eines Fernwärmenetzes ist auch die Wärmeübertragung auf der Verbraucherseite (den Hausstationen) wichtig, da die übertragbare Wärmeleistung bei Nichterreichen der Temperaturspreizung sinkt und die Netzverluste steigen.

Methode

Wirtschaftlichkeit

Für die Wirtschaftlichkeit werden die Kapitalkosten nach der Annuitätenmethode bestimmt, während sich die Betriebskosten aus den Brennstoffkosten zur Deckung der Wärmeverluste und den Stromkosten für den Netzbetrieb ergeben. Die Kosten für den Unterhalt werden vernachlässigt. Für die Wärmeverteilkosten c bezogen auf die Wärme am Netzeingang gilt damit c = cK + cB in [Ct/kWh] mit:


Annahmen

Für den Referenzfall wird mit einer Annuität von 5,1 %/a gerechnet, was einem Zinssatz von 3,0 %/a bei 30 Jahren entspricht. Die Investitionskosten für Rohre, Verlegung und Tiefbau werden mit Richtwerten der Branche nach Tabelle 1, die durch Erfahrungen bestätigt wurden, angenommen [3].

Nenndurchmesser (DN) Kosten Rohre [€] Kosten Graben [€] Gesamtkosten [€]
Gelände Straße Gelände Straße
20 226 83 165 308 391
25 231 83 165 313 396
32 257 83 165 340 422
40 272 83 165 355 437
50 293 107 202 400 495
65 335 107 202 442 537
80 376 124 240 500 616
100 504 140 256 645 760
125 640 157 273 798 913
150 791 165 310 956 1 101
200 960 182 351 1 141 1 311
250 1 363 207 393 1 569 1 755
Basis Schweiz 2014 mit 1 € = 1,2 CHF [3].

Tabelle 1 Investitionskosten in Euro pro Trassenmeter für Fernwärmenetze mit Dämmstärke (DS) 2.

Als Basis dienen erd­verlegte Kunststoffverbundmantelrohre (KMR) in offenem Gelände. Für Straßen ist für DN 80 mit 23 % und für DN 200 mit 18 % höheren Kosten zu rechnen.

Für die Brennstoffkosten zur Deckung der Netzverluste wird ein Preis von 5,0 Ct pro ins Netz eingespeiste kWh Wärme angenommen. Dies entspricht Energieholz zu 4,15 Ct/kWh mit Jahresnutzungsgrad 83 % oder Strom zu 15 Ct/kWh und einer Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3.0. Die Wärmeverluste werden nach Tabelle 2 berechnet.

 

Wärmeleitfähigkeit Dämmmaterial 0,026 W/(m · K)
Dämmdicke für DS 1 bis 3 30 bis 110 mm
Bodentemperatur 10 °C
Wärmeleitfähigkeit Boden 1,2 W/(m · K)
Überdeckungshöhe 0,6 m
Wandrauigkeit Rohr 0,01 mm
Pumpwirkungsgrad für Strömung und Antrieb 80 und 90 %

Tabelle 2 Annahmen für Wärme- und Strömungsverluste.

Die Stromkosten für die Pumpleistung werden durch Massenstrom, Druckverlust und Pumpwirkungsgrad sowie Betriebsdauer des Netzes bestimmt. Der Druckverlust ist abhängig von der Strömungsgeschwindigkeit, die zur Vermeidung von Kavitation und Lärm auf einen vom Durchmesser abhängigen Maximalwert nach Tabelle 3 begrenzt wird.

Nenndurchmesser (DN) Innendurchmesser [mm] maximale Fließ- geschwindigkeit [m/s]
20 21,6 0,6
25 28,5 1,0
32 37,2 1,1
40 43,1 1,2
50 54,5 1,4
65 70,3 1,6
80 82,5 1,8
100 107,1 1,9
125 132,5 2,0
150 160,3 2,5
200 210,1 3,3
250 263,0 3,9
300 312,7 4,3
350 344,4 4,6
400 393,8 5,0

Tabelle 3 Nenndurchmesser (DN) mit effektiven Durchmessern für KMR und maximale Fließgeschwindigkeiten nach ÖKL [4] für Haupt- und Zweigleitungen.

Für den Referenzfall wird ein „worst case“ für die Stromkosten mit einem Netzbetrieb mit 8 760 Vollbetriebsstunden pro Jahr angenommen. Bei geregelten Netzen wird der Volumenstrom bedarfsgerecht reduziert, wobei die theoretische Pumpleistung bei halbem Volumenstrom auf ein Viertel sinkt. Aufgrund von Erfahrungswerten wird als realitätsnaher oder hier optimistischer Wert damit gerechnet, dass sich die Pumpleistung proportional zur Vollbetriebsstundenzahl der Wärmeabnehmer reduziert.

Netzdimensionierung

Für einen durch die Leistung und die Temperaturspreizung bestimmten Volumenstrom verbleibt der Rohrdurchmesser als Auslegungsparameter zur Netzdimensionierung. Als Bedingung für den Mindestdurchmesser dient die in Tabelle 3 eingeführte Limitierung der Fließgeschwindigkeit. Alternativ kommen auch Branchenempfehlungen aus Schweden infrage [2], während in der Schweiz eine Begrenzung des Druckverlusts auf 150 bis 200 Pa/m für Dauerbetrieb [5] sowie 250 Pa/m für maximal 500 h/a [3] empfohlen wird. Bild 2 zeigt einen Vergleich verschiedener Auslegungswerte.

Bild 2 Maximale Strömungsgeschwindigkeit nach ÖKL 67 [4] und DHA Schweden [2] im Vergleich zu Druckverlusten von 100, 200 und 300 Pa/m (eigene Berechnungen). Bild: eigene Darstellung

Definition des Fernwärmenetzes



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

13.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Bauprojektleiter (m/w/d)
Allbau Managementgesellschaft mbH

13.09.2026
Essen
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

13.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

13.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

13.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

13.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

13.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Netphen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bochum
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Osnabrück
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hagen
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau
SCHEIDL

13.09.2026
Moosburg/Landshut
Projektingenieur Fachplanung Versorgungstechnik (m/w/d)
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH

13.09.2026
Achim, Celle, Salzgitter, Wolfsburg
Meister (m/w/d) für die mechanische Fertigung
Montanhydraulik GmbH

13.09.2026
Gelsenkirchen
Bauingenieur (w/m/d)
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bayreuth

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige