Anzeige

Das Stromnetz braucht Speicher – möglichst schnell

04. März 2011

Der Anteil der erneuerbaren am Verbrauch elektrischer Energie soll bis 2030 in Deutschland mindestens 50 % erreichen. Doch Wind und Sonne sind nicht kontinuierlich verfügbar. Der Umbau geht also nicht ohne massive Speicherkapazitäten. Das bietet auch erhebliches Marktpotenzial.
Anzeige
Anzeige


„Wir müssen uns Ziele setzen, damit Speicher wirtschaftlich werden.“ So umreißt Dirk Uwe Sauer, Professor an der RWTH Aachen und einer der maßgebenden deutschen Experten für elektrische Energiespeicher, die aktuelle Situation der erneuerbaren Energien und ihrer Rolle in der politisch gewollten Energiewende.

Gleichzeitig prognostizieren die Marktforscher der Boston Consulting Group, das Geschäft mit Energiespeichern werde stark wachsen. Weltweit gebe es heute 100 GW Speicherkapazität, man brauche jedoch bis 2030 jedoch 330 GW, was Investitionen von 280 Mrd. € entsprechen würde.

Anzeige
Anzeige

Daher stehen die Speichertechnologien, keinen Tag zu früh, in der Mitte der Diskussion. Ansätze und Initiativen gibt es in Hülle und Fülle. Das erschwert die Bewertung für den gesamtwirtschaftlichen Erfolg. Die fünfte „International Renewable Energy Storage Conference“ (IRES) Ende November in Berlin hat das klar gemacht.

„Was wir brauchen, ist ein strategischer Ansatz“, sagt Sauer. Der Anspruch richtet sich an Technologen wie Stromanbieter. „Die Kraftwerks-kapazität übernimmt mehr und mehr Regelfunktionen in den Netzen.“ Speicher müssen sie dabei unterstützen. „Das Nachfahren der Kraftwerke ist zu teuer.“

Die Spitzen und Lücken von Wind und Sonne müssen systematisch geglättet werden. Und zwar bald. Sonst wird eine ebenso fluktuierende Zwangsabschaltung der heute priorisierten Erzeuger erneuerbarer Energien zum Programm. Die Speicherkapazität im deutschen Netz, heute zu 95 % aus Pumpspeicherkraftwerken mit 6,6 GW Kapazität, müsse, so Sauer, verzehnfacht werden.

Anzeige
Anzeige

Aber wie? „Eine komplexe Frage ohne Antwort“, sagt Sauer. Die Vorschlagsliste möglicher Speichertechnologien ist lang. Deshalb, so Sauer, sei eine Klassifizierung nach Funktion und Nutzwert nötig, um alle Ansätze zielpragmatisch zu sortieren.

Modulare Speicher mit Doppelnutzung, also dezentrale Systeme. Dazu zählen Elektrofahrzeuge und auch der inzwischen geförderte Eigenverbrauch aus Photovoltaikanlagen.

Anzeige
Anzeige

Modulare Speicher für den Netzeinsatz sind Akkumulatoren, die neueren Redox-Flow-Batterien, supraleitende Spulen und „Supercaps“. Und die guten alten Schwungradspeicher.

Zentralisierte Großspeicher stehen im Gegensatz zu modularen und dezentralen, am Ort der Erzeuger platzierten Speichern. Dies sind Hydro-Pumpspeicher, Luftdruckspeicher und die Wasserstofferzeugung.

Zeitliche Energiespeicherkapazität ist die nächste Dimension der Klassifikation. Kurzzeitspeicher puffern Sekunden bis Minuten bei großem Verhältnis von Leistung zu gespeicherter Energie. Dazu zählen Batterien und Schwungräder. Mittelfristige Speicher überbrücken einige Tage – wie Hydro, Luftdruck, Redox-Flow-Batterien oder Elektrofahrzeuge. Langzeitspeicher, etwa Pumpspeicher oder Wasserstoff, bewahren die Energie über Wochen und Monate.

Differenzierung nach Energiewandlermedien nebst ihren Stärken und Schwächen könnte ebenfalls hilfreich beim gebotenen raschen Aufbruch in das neue Speicherzeitalter sein. „Electricity to Electricity“ ist die Stromentnahme aus dem Netz und ihre zeitversetzte Rückeinspeisung. „Anything to Electricity“ steht für Stromerzeugung aus anderen Energieformen oder die – virtuelle – Stromspeicherung durch die Steuerung von Stromverbrauchern. Schließlich ist „Electricity to Anything“ die negative, unproduktive Form der „Speicherung“ von Elektrizität in Energieformen mit niedrigerer Wertigkeit, auch Exergie genannt. Also in Kauf genommene Verluste durch Wärme oder Reibung.

Anhand dieser zugegeben abstrakten Klassifikation des Speichernutzens lassen sich der Wettbewerb und der Zeitrahmen der unterschiedlichen technischen Realisierungen evaluieren und beschreiben. Denn, das ist wichtig, sie alle wirken auf denselben Markt. In diesem Umfeld entscheiden dann kurz- und langfristige Handelsgrößen: Investitionen, Lebensdauerkosten und Umweltlasten.

„Bisher war das Netz so gut, dass es alle Zulieferungen aufnehmen konnte“, resümiert Sauer. Jetzt muss dringend etwas unternommen werden. Anders als das Gasnetz fungiert das Stromnetz nicht per se als Speicher. Das geltende Energiekonzept der Bundesregierung aber enthält keine Modelle, die das Speicherprinzip aufwerten. Ob die gebotene Umsteuerung auf die Speicherung bis 2020 machbar ist, ist zu bezweifeln.



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

13.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Bauprojektleiter (m/w/d)
Allbau Managementgesellschaft mbH

13.09.2026
Essen
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

13.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

13.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

13.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

13.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

13.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Netphen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bochum
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Osnabrück
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hagen
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau
SCHEIDL

13.09.2026
Moosburg/Landshut
Projektingenieur Fachplanung Versorgungstechnik (m/w/d)
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH

13.09.2026
Achim, Celle, Salzgitter, Wolfsburg
Meister (m/w/d) für die mechanische Fertigung
Montanhydraulik GmbH

13.09.2026
Gelsenkirchen
Bauingenieur (w/m/d)
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bayreuth

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige