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Batteriespeicher in Europa: Boom durch Großprojekte erwartet

25. Dezember 2024

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Immer mehr Energieversorger, Betreiber von Solar- und Windparks sowie Industrie und Gewerbe in Europa setzen auf große Batteriespeicher. Das Bild zeigt einen Techniker an der Steuerung eines sogenannten Utility Scale Batteriespeichers im südfranzösischen Carros. Foto: picture alliance / REUTERS/Eric Gaillard
Energieversorger, Betreiber von Solar- und Windparks, Industrie und Gewerbe in Europa: Alle setzen aus guten Gründen auf große Batteriespeicher.
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Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa boomen im Zuge der Energiewende Batteriespeicher. Laut Angaben des europäischen Solarbranchenverbandes Solarpower Europe wurden 2023 Batteriespeichersysteme mit einer Kapazität von 17,2 GWh installiert, fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Die gesamte installierte Kapazität in Europa lag bei 35,8 GWh. Für 2024 veranschlagt der Branchenverband den europaweiten Zubau auf mindestens 22,4 GWh (+31 %), abschließende Zahlen liegen noch nicht vor. Zum Vergleich: Der jährliche Nettostrombedarf der EU liegt laut EU-Kommission bei rund 2700 TWh.

Wurde bisher das Wachstum bei Stromspeichern vor allem von Heimspeichern in Haushalten „befeuert“, so legen sich nun immer mehr Energieversorger, Solar- und Windparkbetreiber sowie Industrie- und Gewerbebetriebe große Batteriespeicher zu. Bis in vier Jahren soll der europäische Batteriespeichermarkt laut dem „European Market Outlook for Battery Storage 2024-2028“ von Solarpower Europe auf eine gesamt installierte Kapazität von bis zu 135 GWh klettern, in einem mittleren Szenario auf 78 GWh. Letzteres entspricht einem jährlichen Marktwachstum von 30 % bis 40 %.

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Dabei dominieren immer mehr Großbatteriespeicher, vor allem Netzspeicher (sogenannte Utility-Scale-Speicher). Ihr Anteil an der neu installierten Kapazität soll bis 2028 auf 45 % klettern (2023: 21 %), der Anteil der gewerblichen Speicher (Commercial & Industrial) auf 25 % (2023: 9 %), während der Anteil der privaten Heimspeicher auf 29 % (2023: 70 %) sinken wird. Im Ranking für die Prognose von 2024 bis 2028 im Gesamtbatteriespeicherzubau liegt Deutschland auf Nummer drei, dabei soll der Anteil der Utility-Scale-Speicher auf 65 % im Jahr 2028 steigen.

Deutschland war im Ranking 2023 die Nummer eins in Europa im Gesamtspeicherzubau und baute 5,9 GWh zu, das war ein Anstieg von 152 %. Allerdings waren nur wenig Utility-Scale-Großspeicher dabei. Italien folgte mit 3,7 GWh (+86 %), danach Großbritannien mit 2,7 GWh (+91 %).

Energiewende in Europa treibt Ausbau von Stromspeichern voran

Die zunehmende Bedeutung von Großbatteriespeichern ist vor allem auf den steigenden Bedarf an Netzstabilisierungsleistungen und die Verschiebung von Lastspitzen durch den europaweit wachsenden Anteil von fluktuierendem Solar- und Windstrom zurückzuführen. So setzen Energieversorger vielerorts immer mehr darauf, dass Netzspeicher in Sekundenschnelle große Mengen Strom aufnehmen und im Bedarfsfall wieder abgeben. Sie sollen das Netz stabil halten und die Leitungen im Normalbetrieb besser auslasten.

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Hinzu kommt, dass es sich für Unternehmen bei schwankendem Stromangebot und -preisen häufig rechnet, in große Batteriespeicher zu investieren. Kann doch auf diese Weise Strom günstig an der Börse gekauft werden, beispielsweise mittags, wenn die Photovoltaikanlagen auf Volltouren laufen, und abends, wenn der Preis steigt, wieder verkauft werden. Betreiber von Solar- und Windparks können die Abriegelung ihrer Anlagen in Zeiten von Stromüberschüssen und Preiskannibalisierung vermeiden, indem sie die Einspeisung ins Stromnetz mittels großer Batteriespeicher in die Abendstunden verlagern.

Batteriekosten für Großspeicher purzeln stark nach unten

Das lohnt sich für Unternehmen vor allem auch deshalb, weil die Kosten und Preise für die Batteriespeicher aufgrund von Skaleneffekten und technologischen Verbesserungen stark nach unten purzelten. So sanken die Preise für die vorherrschenden Lithium-Ionen-Batterien (Zellen und Akkus) laut Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) in den vergangenen zehn Jahren von etwa 690 $/kWh (ca. 635 €/kWh) im Jahr 2014 auf weniger als 140 $/kWh (ca. 129 €/kWh) im Jahr 2023. Dies entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Rückgang von etwa 15 %. Die IEA rechnet damit, dass die Kosten der Batteriespeicher bis 2030 nochmals deutlich fallen werden, für große Batteriespeicher um voraussichtlich 30 % und für kleine Batteriespeicher um 21 %.

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„Lithium-Ionen-Batterien sind die führende Technologie bei stationären Speichern, nicht nur aufgrund ihrer niedrigen Kosten, sondern auch wegen ihrer hohen Haltbarkeit“, sagt Raffaele Rossi, Head of Market Intelligence bei Solarpower Europe. Zudem verfügen sie über eine große Energiedichte pro Gewicht und Volumen, eine hohe Lade- und Entladeleistung, sind skalierbar und derzeit gut verfügbar, so Katja Esche, Sprecherin des Bundesverbands Energiespeicher Systeme (BVES).

Nummer eins in Europa: Italien forciert den Großspeicherausbau systematisch

Die Nase vorne bei Batteriegroßspeichern in Europa hat laut Prognose von Solarpower Europe in den kommenden vier Jahren Italien. Vor allem Netzspeicher profitieren vom stark wachsenden Bedarf des Ausgleichs der schwankenden Stromproduktion im Zuge des starken Ausbaus der erneuerbaren Energien. Unterstützt wird der Speichereinsatz durch einen staatlich gestützten Kapazitätsmechanismus und gesetzlich geregelte Auktionen für Speicherkapazitäten (MACSE) mit langfristigen Lieferverträgen. Hier zahlt der nationale Übertragungsnetzbetreiber Terna den Betreibern von Netzspeichern, die über MACSE gefördert werden, eine Kapazitätsprämie. Diese kann gegen Einnahmen aus dem Stromhandel eingetauscht werden.

Zudem werden Unternehmen im Rahmen des Kapazitätsmarktes 15-Jahres-Verträge zur Unterstützung von Investitionen in Speicherkapazitäten angeboten. Darüber hinaus wird Terna eine neue Energiehandelsplattform einführen, über die Speicherbetreiber die zeitliche Verschiebung von Energie (Time-Shifting) an Solar- und Windparkbetreiber sowie Zusatzleistungen verkaufen können.

Aufgrund der neuen Regelungen legte der Zubau von Netzbatteriespeichern in Italien in 2024 auf voraussichtlich 5,2 GWh zu, was 67 % des gesamten italienischen Batteriespeichermarktes entspricht. Bis 2028 wird eine jährliche Neuinstallation von Netzspeichern mit einer Kapazität von mehr als 8 GWh in dem Land erwartet (59 % des italienischen Speichermarktes).

Großbritannien als Nummer zwei im Großspeichermarkt setzt auf einen Kapazitätsmechanismus

Als Nummer zwei in Europa bis 2028 bei den Großbatteriespeichern wird Großbritannien geführt. Dort wird die Bereitstellung von Netzspeichern durch Unternehmen ebenfalls über einen gesetzlichen Kapazitätsvergütungsmechanismus aktiv finanziert. Zudem gibt es ambitionierte nationale Ausbauziele für die Leistungsfähigkeit aller Energiespeicher – 24 GW bis 2030. Für 2024 rechnet Solarpower Europe mit einem Zubau von 3,7 GWh an Netzspeichern (82 % des britischen Batteriespeichermarktes), bis 2028 mit jährlich 4,7 GWh (65 % des britischen Batteriespeichermarktes).

Interesse an Großbatteriespeichern in Osteuropa wächst stark

Auch in Osteuropa sind große Batteriespeicher infolge des Ausbaus der erneuerbaren Energien und dem Streben nach Energiesicherheit immer mehr im Kommen. Ihr Zubau wird – unterstützt von der EU – finanziell angereizt, wie sich jüngst auf der Kongressmesse Cisolar & Greenbattery 2024 in Bukarest zeigte:

  • Unter anderem führt Rumänien ab 2026 Kapazitätsauktionen für Netzspeicher ein und setzt bereits auf Differenzverträge (Contracts for Difference, CfD).
  • Auch in Polen gibt es Kapazitätsmarktauktionen sowie steuerliche Anreize, um große Batteriespeicher zu fördern.
  • In Ungarn werden bis zu 45 % der Projektkosten für Großbatteriespeicher durch Zuschüsse gedeckt, zusätzlich zu einem CfD-Programm und Netzanschlusserleichterungen.
  • Auch Litauen fördert Batteriespeicher im Netzmaßstab durch diverse Maßnahmen.
  • Der Zubau von Großbatteriespeichern in der vom Krieg zerrütteten Ukraine wird stark von internationalen Geldgebern finanziert, und es gibt auch Befreiungen von den Einfuhrzöllen.

Bis 2030 werde der Markt von „Utility-Scale-Batteriespeichern“ in den sechs wichtigsten Ländern Ost- und Mitteleuropas bis 2030 um das Fünffache wachsen, prognostizierten Industrievertreter wie Eliza Stefan von Jinko Solar auf dem Branchenevent in Bukarest.



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