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Basecamp: Das bedeutet der Startup-Skandal für Software-Entwickler

04. Mai 2021

Basecamp: Das bedeutet der Startup-Skandal für Software-Entwickler
Ärger im Paradies: Beim einstigen Start-up-Primus Basecamp haben zahlreiche Mitarbeiter via Twitter ihre Kündigung erklärt. Was steckt dahinter? Foto: Panthermedia.net/AndreyPopov
Beim Software-Unternehmen Basecamp brodelt es: Nach internen Streitigkeiten will rund ein Drittel der Belegschaft kündigen. Das hat Auswirkungen für Entwicklerinnen und Entwickler.
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Eine der klassischen Konversationsregeln: Rede nicht über Politik und Religion. Jedenfalls nicht, wenn es um Smalltalk bei Tisch geht – oder wenn man bei Basecamp arbeitet. Letzteres ist eine eher neue und überraschende Entwicklung bei dem US-Software-Unternehmen, das lange für eine vorbildhaft innovative und offene Unternehmenskultur stand.

Diese Zeiten scheinen jetzt vorbei zu sein, nachdem Basecamp-Chef Jason Fried neue Unternehmensrichtlinien verkündet hat. Die Folge: Von einem Tag auf den anderen erklärte ein Drittel der Belegschaft via Twitter die Kündigung: Darunter der Marketingchef, die Chefin des Kundendienstes und der Leiter der Designabteilung.

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Die Nachricht wühlt die Branche auf. Was war passiert? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist Basecamp?

1999 gründeten Jason Fried, Carlos Segura und Ernest Kim das Webdesign-Unternehmen 37signals, das später zu Basecamp wurde. Im Laufe der 2000er hat Basecamp sein Geschäft tendenziell weg vom reinen Webdesign hin zur Entwicklung von Webanwendungen verlagert. Die ersten kommerziellen Anwendungen waren Basecamp, Backpack, Campfire und Highrise.

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Ab 2014 konzentrierte sich Basecamp immer mehr auf sein Flaggschiffprodukt: Das gleichnamige Softwarepaket. Basecamp ist als Software für Remote-Work sehr populär. Mit über drei Millionen Accounts gehört Basecamp zu den beliebtesten Projektmanagement-Tools überhaupt. Seine Funktionen sind in sechs Kernmodulen organisiert, die dem einfachen Dateiaustausch, der Kommunikation mit Kunden und Kollegen, der Dokumentation von Projektzielen und der Einhaltung von Zeitplänen gewidmet sind.

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Die Basecamp-Anwendung gilt als besonders flexibel: Mit Clients und Apps für PC, Mac, iOS, Android und einer eigenen Browserversion ist Basecamp auf allen Plattformen nutzbar, über Schnittstellen zu zahlreichen Programmen ist eine nahtlose Integration in bestehende Infrastrukturen möglich.

Entwickler kennen Basecamp nicht zuletzt wergen des Open-Source-Webanwendungsframeworks Ruby on Rails. Das Framework mit der eigenen Programmiersprache 2004 wurde eigentlich für den internen Gebrauch bei 37signals erstellt, 2004 dann aber veröffentlicht – sehr erfolgreich, es ist mittlerweile weit verbreitet.

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Basecamp galt von Anfang an als meinungsstarkes Unternehmen, das oft als Vorbild herhalten musste, wenn es um gesunde und offene Unternehmenskultur ging. Mehrere Bücher haben die Basecamp-Macher zum Thema Unternehmensphilosophie herausgebracht, manche davon wurden Bestseller.

Was kostet Basecamp?

Die Preisstruktur von Basecamp ist simpel: Für eine unbegrenzte Anzahl an Jobs und Mitarbeitern zahlen Nutzer pauschal 99 US-Dollar pro Monat. Dabei gibt es keine vertragliche Mindestlaufzeit. Außerdem gibt es Sonderkonditionen für Schulen oder Non-Profit-Organisationen sowie eine kostenlose Testversion für 30 Tage zum Ausprobieren.

Warum gibt es Ärger bei Basecamp?

Eigentlich galt Basecamp als durchaus meinungsstarkes Start-up, das – gerade in den USA – als progessiv geltende Ansichten vertrat. Im Mai 2021 aber hatte Basecamp-Chef Jason Fried einen Blog-Post veröffentlicht, der bei vielen Beobachtern für Stirnrunzeln sorgten – und erst recht bei den Mitarbeitern. Demnach sollten Gespräche, die „auch nur im Entferntesten mit Politik oder gesellschaftlichen Themen zu tun haben“ während der Arbeit bei Basecamp tabu sein. Außerdem sollen „paternalistische Mitarbeiterboni“ wie Zuschüsse für Fitnessstudios oder Weiterbildung gestrichen werden.

Grund für den Schritt: Politische Diskussionen hätten in letzter Zeit zu von der eigentlichen Arbeit geführt.  „Wir machen Projektmanagement, Team-Kommunkation und E-Mail-Software. Wir sind keine Social-Impact-Firma“, schrieb Fried. Ferner sollten die Mitarbeiter „die Vergangenheit ruhen“ lassen und nicht mehr darüber diskutieren. Entscheidungen sollen überdies künftig wieder stärker und zentralisiert werden.

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Hintergrund der Ansage sind erhitzte Debatten in den USA etwa über Rassismus, die Präsidentschaftswahl im vergangenen November und die Rechte von Transgender.  Wie verschiedenen Blog-Beiträgen zu entnehmen ist, ging es bei Basecamp konkret unter anderem um eine seit Jahren gepflegte interne Namensliste mit dem Titel „Best Names Ever“. Darin enthalten: Besonders „lustige“ Namen von Kunden. Diese Liste galt vielen offenbar inzwischen als unpassend und in Teilen als rassistisch. Diskussionen darüber fanden vornehmlich schriftlich über die Basecamp-Plattform statt, da die Mitarbeiter in der Regel Remote-Work nutzen und im Homeoffice arbeiten.

Was passiert mit Ruby on Rails?

Solche Diskussionen sollten die Mitarbeiter doch bitte privat führen, schrieb zuletzt David Heinemeier Hansson. Der dänische Entwickler ist Partner beim Unternehmen und steht federführend hinter dem Framework Ruby on Rails. Er reagierte – teils sarkastisch – auf die Kritik, die sich kurz nach Frieds Blogpost in den sozialen Netzwerken formierte:

„Es überrascht nicht, dass Teile von Twitter sehr enttäuscht von uns sind. (…)“ Grundsätzlich ermutige er jeden, seine politische Meinung kundzutun. „Nutzen Sie dafür Twitter, Facebook, alles. Bringen Sie es nur nicht in die internen Kommunikationsplattformen, die wir für die Arbeit verwenden, es sei denn, es bezieht sich direkt auf unser Geschäft. Ich wende denselben Standard auf mich selbst an, und Jason auch.“

Nichtsdestotrotz kehrt ein Drittel der Belegschaft dem Unternehmen nun den Rücken: Unter anderem auch einige Mitglieder des Kernteams, das an Ruby on Rails arbeitet. Gerade unter Entwicklerinnen und Entwicklern sorgt das für Verunsicherung: Wie geht es nun weiter mit dem Framework? Zwar liegen die Namensrechte bei Basecamp, aber eine Alternative beziehungsweise ein Fork, also eine Abspaltung, des Open-Source-Frameworks aus der Entwickler-Community heraus könnte denkbar sein.



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