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Branchenprofil Maschinenbau in Deutschland: Stirbt der Klassiker aus?

05. April 2022

Branchenprofil Maschinenbau in Deutschland: Stirbt der Klassiker aus?
Der Maschinenbau gehört zu den klassischen Ingenieurfächern. Foto: Panthermedia.net/Gorodenkoff
Der Maschinenbau ist eine wichtige Branche im Ingenieurwesen. Historisch gesehen nimmt diese Sparte der Ingenieurwissenschaften mit der Erfindung der Dampfmaschine durch James Wattihren Anfang. Seitdem hat sich viel getan – heute gehört der Maschinenbau zu den größten Industriezweigen Deutschlands. Doch die Zahl der Jobangebote stagniert.
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Allgemeines zum Maschinenbau

Historisch gesehen ebnete der Maschinenbau den Weg zur seriellen Fertigung. Vor der industriellen Revolution konnten in kleinen Handwerksunternehmen nur Einzelstücke oder Serien mit geringen Stückzahlen erstellt werden. Und auch der industrielle Maschinenbau war in seinen Anfängen von der Fertigung einzelner Maschinen geprägt: dazu gehörten Nähmaschinen und Fahrräder, später Autos, dann folgten die Flugzeuge. Der Maschinenbau verlagerte die Herstellungsprozesse früh in die Fabriken. Als Begründer des Maschinenbaus in Deutschland gilt Johann von Zimmermann, der in seiner Chemnitzer Fabrik ab 1848 die ersten Werkzeugmaschinen herstellte.

Mittlerweile hat sich der Maschinenbau in Deutschland zum führenden Industriezweig entwickelt. Es gibt knapp 6.600 Unternehmen, der Schwerpunkt liegt auf dem Export. 95 % der Unternehmen haben weniger als 500 Beschäftigte. Der Maschinenbau ist demnach ein stark mittelständisch geprägter Zweig des Ingenieurwesens. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts war ein akademischer Abschluss bei jungen Ingenieuren üblich. Heute sind Maschinenbauerinnen und Maschinenbauer in fast allen Industriebranchen zu Hause. Sie überwachen Verpackungsanlagen, entwickeln Turbinen und optimieren bestehende Maschinentechnik.

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Beschäftige, Umsatz und Export im Maschinenbau

Der Maschinenbau ist einer der größten Arbeitgeber Deutschlands: 2018 arbeiteten rund 1.065.000 Menschen in dieser Branche – die Neueinstellungen im genannten Jahr lagen bei 33.000 Beschäftigten. Damit war der Maschinenbau in 2018 größter industrieller Arbeitgeber. Übrigens: Die meisten Maschinenbauingenieure gibt es in Baden-Württemberg, gefolgt von Bayern und Nordrhein-Westfalen. Dies ist unter anderem historisch in der Entwicklung der Industrie begründet.

Bereits seit etwa 2006 sind die Beschäftigtenzahlen grundsätzlich wieder steigend, mit einem leichten Knick in den Jahren 2010 und 2011 – verursacht durch die Wirtschaftskrise. Davor hatte der Maschinenbau seit 1996 in Sachen Beschäftigungsverhältnisse eine lange Stagnation durchgemacht – die Zahlen lagen immer knapp unter 900.000 Personen. Die Talfahrt zwischen 1991 und 1996 war noch gravierender: Der Maschinenbau brach in dieser Zeit stark ein, die Beschäftigungszahlen rutschten von 1,4 Millionen auf knapp 950.000 ab.

2018 war für den Maschinenbau nach längerer Stagnation das zweite Wachstumsjahr in Folge. Der nominale Umsatz betrug 232,5 Milliarden Euro gegenüber 226 Milliarden Euro im Vorjahr. 2017 waren es vor allem die Auslandsbestellungen, die für ein kräftiges Wachstum sorgten. Im Folgejahr hingegen gaben Bestellungen aus dem Inland neue Impulse. Die preisbereinigte Produktion war mit einem Plus von 2,1 % ebenfalls positiv. Der Export macht mit 177,8 Milliarden Euro einen Großteil des Umsatzes aus (2017: 168,9 Milliarden Euro).

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Der größte Umsatz wurde 2018 mit folgenden Bereichen erwirtschaftet

  • Werkzeugmaschinen: 23,4 Milliarden Euro
  • Antriebstechnik: 20 Milliarden Euro
  • Fördertechnik: 18,2 Milliarden Euro
  • Bergbau- und Baustoffmaschinen: 14,1 Milliarden Euro
  • Kälte- und Lufttechnik: 13,9 Milliarden Euro

Schlusslicht waren die Metallerzeugung und Walzwerkeinrichtung mit 1,7 Milliarden Euro. Aktuell (2. Quartal 2019) sind die Zahlen wieder rückläufig. Erstmals seit 3 Jahren wird ein negatives Wachstum von -0,5 % erwartet. Mehr zur Krise im deutschen Maschinenbau und wie Tech-Unternehmen darauf reagieren wollen.

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Studium des Maschinenbaus

Nach wie vor ist der Maschinenbau eines der beliebtesten Studienfächer der Ingenieurwissenschaften – auch wenn die Studierendenzahl in letzter Zeit ein wenig gesunken ist. Viele junge Menschen streben eine Karriere im Maschinenbau an. Zwischen dem Wintersemester 2007 und 2015 stieg die Zahl der Studierenden im Maschinenbau kontinuierlich: von knapp 77.500 auf knapp 120.000. Im Folgejahr sank er leicht auf 118.500 Studierende, um zu Beginn des Wintersemesters 2017/2018 auf knapp 93.000 zu fallen. Einer der Gründe für diesen starken Rückgang dürfte sein, dass 5 Jahre zuvor mit den ersten G8- und den letzten G9-Absolventen doppelt so viele junge Menschen in einem Jahrgang das Studium aufgenommen haben. Dieser Sondereffekt ist nun verpufft.

Das Maschinenbaustudium kann sowohl an Fachhochschulen als auch an Universitäten und Berufsakademien absolviert werden. Voraussetzung, um ein Studium des Maschinenbaus beginnen zu können, sind das Abitur oder eine vergleichbare Hochschulzugangsberechtigung. Im Zuge des Bologna-Prozesses wurde auch das Maschinenbaustudium in einen Bachelor- und einen Masterteil gegliedert. Diplomstudiengänge werden nur noch an wenigen Hochschulen angeboten.

Der Studiengang ist sehr praxisorientiert. Praktika sind ein Muss für jeden Maschinenbaustudenten. Die Regelstudienzeit beträgt 10 Semester. Während das Bachelorstudium den Schwerpunkt auf die mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundlagen legt, folgt im Master die Vertiefung in verschiedenen Teildisziplinen. Dies ist nötig, um die enorme Bandbreite von Produkten im Maschinenbau (von der Kaffeemaschine bis zum Schaufelradbagger) überhaupt abdecken zu können.

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Die Spezialisierung im Master variiert von Hochschule zu Hochschule. Möglich sind beispielsweise die Teildisziplinen Fertigungstechnik, Papiertechnik, Schiffstechnik oder Textiltechnik. Teilweise haben sich aus diesen Spezialisierungen eigene Studiengänge entwickelt, so bei der Fahrzeugtechnik, der Luft- und Raumfahrttechnik oder der Mechatronik. Zu den beliebtesten Hochschulen bei Maschinenbaustudenten gehören das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die RWTH Aachen, die TU München, die TU Darmstadt sowie die FH Kiel. Letztere, weil sie sich auf Windenergie und Schiffbau spezialisiert hat.

Der Frauenanteil bei den Maschinenbauern liegt bei etwa 20 %. Die überraschend hohe Zahl kommt dadurch zustande, weil Fachdisziplinen wie die Textil-, die Umwelt- oder die Medizintechnik eine hohe Frauenquote haben, während der klassische Maschinenbau ein Frauenanteil von nur 10 % hat. Übrigens: Die erste Diplom-Maschinenbauerin war Ilse Knott-ter Meer, die 1924 ihren Abschluss an der TU München machte. Sie musste sich damals im Hörsaal von ihren männlichen Kommilitonen noch auspfeifen lassen. Später war sie auch die erste Frau im Verein Deutscher Ingenieure (VDI).

Unternehmen im Maschinenbau

Etwa 6.600 Unternehmen gibt es im Maschinenbau. Sie alle aufzulisten sprengt den Rahmen. Unter den Top 20 in Deutschland sind jedoch regelmäßig mit kleineren Wechseln folgende Unternehmen zu finden:

  1. Bosch Rexroth (Antriebs- und Steuerungstechnik)
  2. Claas Gruppe (Landmaschinentechnik)
  3. Dürr AG (Maschinen- und Anlagenbau, Automobilzulieferer)
  4. Enercon (Windkraftanlagen)
  5. Exyte AG, ehemals M+W-Group (Gebäudetechnik, Anlagenbau, Spezialgebiet Reinraumtechnologie)
  6. Festo (Steuerung- und Automatisierungstechnik)
  7. GEA Group (Spezialmaschinenbau für Nahrungsmittel sowie Anlagenbau)
  8. Heidelberger Druckmaschinen (Druckmaschinen)
  9. Jungheinrich (Intralogistik, Lagertechnik)
  10. Kion Group (Lagertechnik und Fördertechnik)
  11. Körber AG (Logistik, Pharmatechnik, Anlagen- und Verpackungstechnik)
  12. Krones AG (Produktions-, Abfüll- und Verpackungstechnik)
  13. Linde (Anlagenbau im Bereich Industriegase)
  14. MAN (Nutzfahrzeuge und -technik)
  15. SEW Eurodrive (Antriebstechnik)
  16. Siemens (Mischkonzern, u.a. Telekommunikationsgeräte, Lichttechnik, Hausgeräte, Medizintechnik, Kraftwerktechnik)
  17. SMS Group (Hütten- und Walzwerktechnik)
  18. Thyssenkrupp (Umschlagsanlagen, Aufbereitungstechnik)
  19. Trumpf (Lasertechnik, Werkzeugmaschinen)
  20. Voith (Maschinen zur Papierherstellung, Papiertechnik sowie Wasserkrafttechnik)

Die Teilbereiche des Maschinenbaus

Der Maschinenbau lässt sich in verschiedene Fachbereiche aufteilen, die zum Teil schon als eigene Spezialisierung im Studium auftauchen. Dazu gehören, alphabetisch sortiert, unter anderem folgende Unterbranchen:

  • Agrartechnik
  • Anlagenbau
  • Antriebstechnik
  • Armaturen, Pumpen, Verdichter
  • Baumaschinen und Baustoffanlagen
  • Druck- und Papiermaschinen
  • Keramik- und Glasindustrie
  • Bergbaumaschinen
  • Elektrische Automation
  • Fluidtechnik
  • Fördertechnik
  • Gießereimaschinen
  • Heizung, Klima, Lüftung
  • Hütten- und Walzwerkseinrichtungen
  • Holzbe- und Verarbeitungsmaschinen
  • Kältemaschinen und -anlagen
  • Kraftmaschinen
  • Kunststoff- und Gummimaschinen
  • Landtechnik
  • Mess- und Prüftechnik
  • Metallbearbeitungsmaschinen
  • Motoren und Systeme
  • Nahrungsmittelmaschinen
  • Präzisionswerkzeuge
  • Robotik und Automation
  • Textilmaschinen
  • Thermoprozesstechnik
  • Turbinentechnik
  • Verfahrenstechnische Maschinen
  • Verpackungsmaschinen
  • Werkzeugmaschinen

Eine komplette Liste aller Unterbranchen bietet der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) auf seiner Internetseite.

Karriere im Maschinenbau

Die Beschäftigungsmöglichkeiten für Maschinenbauingenieure sind ebenso vielseitig wie die Produkte, die in dieser Branche hergestellt werden. Überall dort, wo es um die Entwicklung, Konstruktion, Wartung und Vermarktung von Maschinen geht, können Maschinenbauingenieure ihr Fachwissen einbringen. Die Karrieremöglichkeiten richten sich auch nach der Spezialisierung im Studium. Waren früher Konstruktion, Planung und Vertrieb die größten Schwerpunkte, haben in den vergangenen Jahren die Wartung laufender Anlagen und der technische Support aufgeholt. Auch das Projektmanagement ist ein beliebter Bereich unter Maschinenbauingenieuren, da er viele internationale Kontakte mit sich bringt.

Nach wie vor arbeiten aber mehr als 50 % aller Maschinenbauingenieure im Bereich Forschung und Entwicklung, also in der Konstruktionstechnik. Berufliche Möglichkeiten abseits des klassischen Ingenieurwesens haben Maschinenbauer beispielsweise als Gutachter. Vor allem die Beurteilung von Schäden an komplexen Maschinen oder Windkraftanlagen setzt ein hohes technisches Fachwissen voraus, auf das auch Versicherungen gern zurückgreifen.

Direkt zu Jobs in Forschung und Entwicklung

Förderlich für die Karriere ist eine Promotion. Damit beweist der Maschinenbauingenieur, dass er sich mit einer fachlichen Fragestellung auseinandersetzen und selbstständig Lösungen finden kann. Promovierte Maschinenbauer haben gute Chancen, Führungs- und Managementpositionen in der Industrie einzunehmen. Außerdem gilt der Master nach wie vor als Gradmesser für einen erfolgreichen Berufseinstieg. Zwar stellen immer mehr Unternehmen auch Bachelorabsolventen ein, diese müssen aber meist Einbußen beim Einstiegsgehalt sowie bei der Geschwindigkeit der Karrierelaufbahn hinnehmen.

Die Zahl der Studierenden im Bereich Maschinenbau nimmt derweil ab. Im Jahr 2020 haben rund 10 % weniger Menschen ein solches Studium begonnen als im Jahr davor. Ein Grund liegt darin, dass wegen der Corona-Pandemie auch die Zahl ausländischer Studierender zwischenzeitlich deutlich abgenommen hat.

Aber auch die Digitale Transformation und die Karriere-Interessen der Studierenden spielen eine zentrale Rolle. Viele angehende Fachkräfte MINT-Branchen interessieren sich für KI-Forschung, klassische Ingenieurfächer wie Maschinenbau oder Elektroingenieurwesen sind weniger beliebt. Zudem setzen viele Studierende andere Prioritäten bei ihrer Karriereplanung. „Auf die klassische Karriereleiter in großen Konzernen mit ihren klaren Strukturen haben immer weniger Absolventinnen und Absolventen Lust“, sagt Anja Robert vom Career Center der RWTH Aachen.

Die langen Wege und die Trägheit würden viele Studierende abschrecken. „Die jetzige Generation will ernst genommen und gehört werden und ist bereit, sich dafür sehr zu engagieren. Das war noch vor zehn Jahren anders, da war eine Konzern-Karriere noch stark gefragt.“

Auch wegen der Corona-Krise schwächelt der Arbeitsmarkt für Ingenieure latent. Aber im letzten Quartal 2019 zeichnete sich ab, dass die Zahlen der Stellenangebote stagniert oder abnimmt. Das zieht sich durch die meisten technischen Branchen, besonders aber sind die Automobilbranche, der Maschinenbau und die Elektrotechnik betroffen. Nur die Baubranche verzeichnete keinen Rückgang.

Die Zukunft im Maschinenbau

Auch der Maschinenbau kann sich der Digitalisierung nicht verschließen. Digitalisierte Prozesse stellen neue Herausforderungen an den Bau von Anlagen und Maschinen, das Stichwort dazu lautet Industrie 4.0. Es wird damit gerechnet, dass sich gerade der Maschinenbau in den kommenden 5 Jahren noch stärker digitalisiert. Das bedeutet zwar, dass einfache Arbeiten künftig direkt von Maschinen übernommen werden, Fachleute aber weiterhin zwingend nötig sind. Allein für Wartung und Programmierung der Maschinen.

Eine Studie des Weltwirtschaftsforums in Davos sagte 2016 den Verlust von 5 Millionen Arbeitsplätzen bis 2020 voraus. Der VDI und der VDMA sehen das naturgemäß ganz anders: Durch die Automatisierung entstehe eine Vielzahl neuer Berufsbilder. Um in den neuen Bereichen mithalten zu können, werden sich viele Maschinenbauer in naher Zukunft weiterbilden müssen. Das müssen auch die Unternehmen auf dem Schirm haben. Nur wer rechtzeitig für die Weiterbildung seiner Fachkräfte sorgt, kann sicher gehen, auch bei neuen Produktionsprozessen und Strategien der Industrie 4.0 mithalten zu können.

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