30.06.2016, 10:16 Uhr | 0 |

Luft als Lösung Shampooflaschen, in denen nicht ein einziger Tropfen zurückbleibt

Der Rest Shampoo will nicht aus der Flasche. Der Leim auch nicht. Spüli, Creme, Honig: Immer bleiben Reste in Plastikflaschen zurück. Das ärgert nicht nur Verbraucher, sondern auch Recycler. Doch jetzt hatten Ingenieure ein tolle Idee: Luft ist die Lösung.

Frau mit einer Shampoo-Frisur in den 1950er Jahren
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Frau mit einer Shampoo-Frisur in den 1950er Jahren: Reste von Shampoo, Spüli und anderen Reinigungsmitteln bleiben meist in der Flasche zurück. Aber nicht mehr lange ...

Foto: Bayer Vital

Die verflixten letzten Tropfen bleiben immer drin: Plastikflaschen mit Shampoo, Seifen, Lotions, Spül- und Waschmittel landen selten wirklich leer im Müll. Das ist nicht nur für die Verbraucher ärgerlich, denn sie haben den kompletten Inhalte bezahlt, sondern auch für diejenigen, die den Kunststoff recyceln wollen: Sie müssen die Reste auswaschen.

Y-förmige Nanopartikel aus Glas

Künftig bekommen sie komplett entleerte Behälter aus Polypropylen. Möglich macht das ein Verfahren, das Ingenieurwissenschaftler an der Ohio State Universität in Columbus in den USA entwickelt haben. Sie beschichten die Innenflächen der Flaschen mit einem mikrometerdünnen Film aus y-förmigen Glaspartikeln, die wiederum nur nanometergroß sind.

Die Hauptarme des Buchstabens bilden mit der Innenwand einen Winkel von weniger als 90 Grad. Der Abstand ist so bemessen, dass die seifige Flüssigkeit die winzigen Plastikflächen, die sich zwischen den Glaspartikeln befinden, nicht berühren, also auch nicht anhaften können.

Zusatzkosten sind vernachlässigbar

„An der Unterseite bilden sich winzige Luftkissen“, sagt Philip S. Brown, der das Verfahren gemeinsam mit dem Mechaniker Professor Bharat Bhushan entwickelt hat. „Das sorgt dafür, dass die Flüssigkeit abgestoßen wird.“ Statt an der Wand zu haften bildet die Flüssigkeit kleine Kügelchen, die einfach ablaufen.

Die Struktur, die nötig ist, um Anhaftungen zu verhindern, ist schon lange bekannt. Forscherkollegen haben sie mit Hilfe von Ätztechniken hergestellt, die in der Produktion von Mikrochips eingesetzt werden. Das funktioniert zwar, ist aber bei weitem zu teuer.

Außerdem waren die Ärmchen nicht stabil genug, weil sie, wie die Flasche selbst, aus weichem Kunststoff bestanden. Die Partikel der Columbus-Forscher sind dagegen aus Glas und damit höchst widerstandsfähig. Außerdem sind die Kosten vernachlässigbar.

Ketchup bereitet keine Probleme

Während es relativ einfach ist, die Innenflächen von Flaschen für Ketchup und andere Produkte, die vor allem Wasser enthalten, so zu gestalten, dass alles rausläuft, ist es bei seifigen Flüssigkeiten anders. Diese sollen eine innige Verbindung zu den Oberflächen eingehen, die sie reinigen sollen: zu Händen, Haaren, Textilien und Geschirr. Um sie aus- und abzuwaschen sind relativ große Mengen an Wasser nötig. Genau dieser Bedarf wird bei den neuartigen Flaschen auf Null reduziert.

Der Kampf des Professors gegen Shampoo-Reste

2014 wurden in den USA rund 80.000 Tonnen Polypropylen zu Flaschen für seifige Flüssigkeiten, aber auch für Ketchup und Yoghurt verarbeitet, so der American Chemistry Council. Weil die Reinigung aufwendig ist, akzeptieren nur zwei Drittel der amerikanischen Recyclingbetriebe diese Flaschen. Denn kaum ein Verbraucher wäscht die seifigen Reste gründlich aus.

Bhushan nimmt sich da nicht aus. „Wir stellen die Shampoo-Flasche auf den Kopf“, berichtet er aus seinem Duschalltag. „Um möglichst viel rauszukriegen, füllt meine Frau, wenn das Shampoo zur Neige geht, Wasser nach. So kämpfen wir eine Weile mit den Resten. Doch dann geben wir auf.“ Künftig gibt es keine Kämpfe mehr, weil die gläserne Innenbeschichtung zum Standard wird – hofft er zumindest.

Und wie könnte man die Flaschen besonders pfiffig recyceln? Zum Beispiel durch Bakterien!

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Von Wolfgang Kempkens
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