02.03.2017, 12:08 Uhr | 2 |

Grünes Haus in Taipeh In diesem Hochhaus wachsen so viele Bäume wie im Central Park in New York

Hochhäuser, die eher einem Wald als einer Beton- und Glaswüste gleichen, sind schwer im Kommen. Viele sind allerdings Projekte und Visionen. Im September jedoch wird der Pariser Architekt Vincent Callebaut in Taipeh einen Bau mit 23.000 Bäumen in Betrieb nehmen. So viele Bäume trägt kein anderes Haus der Welt.

Im Moment sieht der Tao-Zhu-Yin-Yuan-Turm noch wie ein Betonklotz aus. Das auch Agora Gardens genannte Hochhaus entsteht derzeit mitten im Herzen der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh und wird einen grandiosen Blick bieten. Nicht nur, weil gleich in der Nähe Taiwans höchster Wolkenkratzer steht, der an einen Bambusbaum erinnernde Taipeh 101 –  der inklusive Spitze auf 508 m kommt.

Der Blick wird grandios, weil die Bewohner des Agora Gardens vor allem auf Bäume, Büsche und Obstgärten schauen werden, wenn sie aus dem Fenster gucken. Und das mitten in der Millionenmetropole Taipeh. „Anders als in modernen Städten, die aus Beton, Glas und Stahl gebaut werden, erscheint Agora Garden eher wie ein grüner Berg im urbanen Zentrum“, beschreibt Callebaut.

Callebaut ist fasziniert von grünen Hochhäusern

Schon seit vielen Jahren entwickelt der belgische Architekt Vincent Callebaut, der in Paris arbeitet, grüne Wohn- und Hochhauskonzepte. So hat er für Neu-Delhi sechs Hochhaustürme entworfen, die wie gestapelte grüne Dörfer aussehen und aus überwiegend regional erzeugtem Holz gebaut werden sollen. Und natürlich verfügen auch diese Häuser über Bäume und Grünflächen.2020 bis 2022 sollen sie gebaut werden.

Hochhaus wie einen Doppelhelix

In Taipeh hat Callebaut ein Haus gezeichnet, das an eine Doppelhelix erinnert. Die 20 Stockwerke sind wie eine Helix um einen runden Turm gedreht, so dass jede Etage recht viel Sonnenlicht bekommt. Das erklärt auch, warum Callebaut im Vergleich zu anderen Projekten so viele Bäume unterbringt wie noch nie.

Während zum Beispiel im gerade ebenfalls im Bau befindlichen grünen Hochhaus des italienischen Architekten Stefano Boeri in Lausanne gut 100 Bäume in die Fassade integriert sind und es die beiden Bosco-Türme in Mailand auf 1.100 Bäume bringen, will Callebaut im Agora Gardens rund 23.000 Bäume und Büsche anpflanzen lassen – das sind ungefähr so viele wie im New Yorker Central Park. Mehr Bäume gibt es in keinem realisierten Hochhaus der Welt.

Parken in der eigenen Wohnung

So viel Platz hat Callebaut, weil das Hochhaus der pure Luxus ist. Denn pro Etage werden nur zwei Luxuswohnungen gebaut. Das heißt: Das gesamte Gebäude wird von nur 40 Familien bewohnt. Und denen steht entsprechend viel Platz zur Verfügung. Die Autos können beispielsweise in den Wohnungen geparkt werden.

Wer will, kann gleich neben der Wohnung nicht nur einen Wald sein Eigen nennen, sondern auch einen Obst- und Gemüsegarten anlegen. Dass es im Haus auch reichlich Swimmingpools, Fitnessräume und Clubs auf dem Dach gibt – das versteht sich von selbst.

Die Ideen gehen Callebaut übrigens nicht aus. Spektakulär ist das Aequrea genannte Projekt schwimmender Inseln vor der Küste Rios. Diese Inseln will Callebaut aus Plastikmüll und Algen bauen. Auf ihnen sollen bis zu 20.000 Menschen leben. 

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Von Axel Mörer-Funk
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kommentare
06.03.2017, 10:15 Uhr gnulp
Ein wenig mehr kritische Relexion ist eigentlich von einer Ingenieursorganisation mit seriösen Ansprüchen zu erwarten.
Das Projekt mit 40 WE auf geschätzten 22000m² Geschossfläche kann weder als Beispiel zur Lösung der Zukunftsprobleme noch in irgend einer anderen Weise als Vorbild für Nachhaltigkeit oder sonstwas herhalten; oder soll das Auto im Vorzimmer die zukünftige Lösung innerstädtischer Parkraumprobleme sein?
Abgesehen davon lassen die verfügbaren Detailzeichnungen für die Grünintegration (http://vincent.callebaut.org/object/110130_taipei/taipei/projects) jeden erfahrenen Gärtner, Landschaftsplaner und Bauingenieur daran zweifeln, ob Bewohner und Betreiber landfristig an der Lösung Freude haben werden (Stichworte Wurzelvolumen, Standfestigkeit, Windschutz, Wechselwirkung Flora-Baukörper).

21.04.2017, 16:37 Uhr Gerhard_Herres
Wie sollen 23000 Bäume auf 20 Etagen Platz haben. Das wären 1150 Bäume pro Ebene. Genau soviel Quadratmeter hat jede Ebene, aber ist im Inneren wohl genug Licht? Aber vielleicht meint der Architekt ja nur Bonsais oder Apfelspindelbüsche. Die brauchen nur 0,25 m^2 Platz. Auf seinen Zeichnungen sind im Inneren Tische, Stühle und anderes Mobiliar zu sehen, von Bäumen keine Spur. Der Rand wird nicht reichen für so viele Bäume, die den Namen verdienen. Es scheint, dass dieser Architekt jede Grünpflanze als Baum ansieht, auch wenn es nur ein Kohlkopf oder eine Möhre ist. Die Bewohner sollen ja nach seinen Plänen ihren eigenen Gemüsegarten pflegen.
SURFACE AREA: 42.335.34 m² ist in dem Artikel angegeben - genau so mit den Punkten an den Stellen. Der letzte Punkt soll wohl ein Dezimalkomma sein, oder in englischer Schreibweise müsste der erste Punkt nach der Tausenderstelle ein Komma sein. Dann hätte jede Ebene 2116 m^2. Mit den mickrigen Bäumen, die auf einem Bruchteil diese Fläche wachsen würden, erreicht er sein Ziel der CO2-Absorption von 130 Tonnen pro Jahr aber wohl nicht. Aber vielleicht ist das alles nur ein Schreibfehler der Interviewerin von CNN.
MIt einem Wurzelraum von weniger als 50 cm Tiefe werden keine großen Bäume, die den Vergleich mit dem Central Park aushalten, wachsen können. Es wird ja auch jeder begreifen, dass ein großer 100 Jahre alter Baum mehr CO2 einsammelt als die in der Architekturzeichnung gezeigten maximal 4 m hohen Bäumchen.

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