22.02.2015, 06:55 Uhr | 0 |

Alternative zu Leder Spanische Designerin entwickelt Vliesstoff aus Ananasblättern

Atmungsaktiv, weich, leicht, flexibel, formbar und leicht einzufärben: Die Ananasblätter, die die spanische Erfinderin Carmen Hijosa zu Vlies verarbeitet, haben tolle Eigenschaften. Und damit könnte der gewebte Ananasstoff alternativ zu Leder verwendet werden. Puma experimentiert schon mit dem Fruchtleder.

Fasern aus Ananasblättern auf den Philippinen
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Die Blätter der Ananas werden auf den Philippinen nicht genutzt und verrotten üblicherweise auf den Feldern. Doch aus den Fasern der Blättern kann man Stoffe herstellen, die Leder ersetzen können.

Foto: Ananas Anam

Lederprodukte sind im Alltag kaum wegzudenken: Schuhe, Portemonnaies, Taschen, Uhrenbänder und Gürtel, Jacken, Mäntel und Möbel sind typische Produkte aus Leder. Doch für die Herstellung müssen Tiere ihr Leben lassen und Gerbereien setzen meist die giftige Chemikalie Chrom ein, die dann in weniger entwickelten Ländern auch noch in die Umwelt gelangt.

Stoff aus den Fasern der Blätter der Ananas

Viele Hersteller experimentieren bereits mit Ersatzstoffen und setzen beispielsweise bei Schuhen auf Spinnenseide oder Ersatzleder aus Tee, Zucker, Bakterien und Hefe. Auf die Idee, Ananasfasern als Ausgangsstoff zu nutzen, kam Hijosa auf den Philippinen.

Nach der Ananasernte bleiben die Blätter der Pflanze normalerweise auf den Feldern liegen und verrotten dort nach einiger Zeit. Verschwendung, dachte sich die spanische Designerin und ehemalige Beraterin der Lederindustrie. Sie entwickelte am Royal College of Art in London aus den Ananasblättern ein Material, das ähnlich wie Stoff und Leder verarbeitet werden kann. In ihrem Start-up Ananas Anam stellt sie nun das Material Piñatex her, aus dem nachhaltige Bio-Textilien produziert werden können.

Erste Musterschuhe aus Ananasblättern

Einige Firmen experimentieren bereits mit Piñatex. Erste Schuhe haben bereits der Sportartikelhersteller Puma und der spanische Schuhhersteller Camper gefertigt. An Taschen arbeiten der Taschendesigner Ally Capellino und die Industriedesignerin Patricia Moore.

„Wir können damit auch die Innenräume von Autos auskleiden“, erklärte Hijosa der britischen Tageszeitung Guardian. Sie kann sich aber auch vorstellen, Piñatex für die Verkleidung von Möbelstücken wie Stühle und Sofas zu verwenden.

16 Ananas für einen Meter Stoff

In einem speziellen Verfahren werden aus den Ananasblättern zunächst die Fasern herausgezogen – auch Enthülsen genannt. Aus den Fasern wird industriell ein nicht gewebtes Vliesgewebe hergestellt, das die Basis für das Produkt Piñatex bildet. Für einen Quadratmeter mittelschweren Stoffes braucht es etwa 480 Ananasblätter oder 16 Ananas mit 30 bis 40 Blättern.

Hijosa produziert den Stoff in 218- oder 150 cm breiten Rollen für die Weiterverarbeitung. Piñatex kann in unterschiedlichen Farbtönen, Dicken und Beschaffenheit produziert werden. Pro Quadratmeter liegen die Preise für Piñatex bei etwa 24 Euro. Für Leder müssen etwa 27 bis 40 Euro gezahlt werden.

Restliche Biomasse wird weiter verwertet

Das neue Material zeichnet sich auch dadurch aus, dass bei der Produktion kein Abfall entsteht. Nach der Weiterverarbeitung der Ananasblätter zu Piñatex bleibt nur Biomasse übrig. Sie wird zu Dünger oder Biogas weiter verarbeitet und landet am Ende wieder auf den Feldern. Damit dient sie den Bauern auf den Philippinen als zusätzliche Einnahmequelle.

Und auch die Beschaffung der Blätter als Rohstoff ist ausgesprochen nachhaltig. Da die Blätter sowieso als Nebenprodukt der Ananasernte anfallen, werden weder zusätzliche Anbaugebiete noch Wasser, Düngemittel oder Pestizide benötigt.  

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Von Petra Funk
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