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Zurück zum Drehknopf: Berliner Erfindung soll Touchscreens Konkurrenz machen

16. September 2026

ANY Entwickler
Leonard Neuberger und Linus Rüllmann haben mit ANY ein universelles Steuersystem entwickelt, das digitale Anzeige mit haptischer Bedienung verbindet. Foto: Dyson
Touchscreens sind überall – für Menschen mit motorischen Einschränkungen oft ein Problem. Zwei Berliner Studenten setzen einen Drehregler mit haptischem Feedback dagegen und gewinnen so den nationalen James Dyson Award.
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Ein Drehregler, ein Display und haptisches Feedback: Mit ihrem Projekt ANY wollen Leonard Neuberger und Linus Rüllmann von der Weißensee Kunsthochschule Berlin die Bedienung digitaler Geräte intuitiver und zugänglicher machen. Ihr universelles Steuersystem verbindet die Vertrautheit eines analogen Reglers mit den Möglichkeiten digitaler Technik.

Für ihre Entwicklung wurden die beiden Studenten als nationales Gewinnerteam des diesjährigen James Dyson Awards in Deutschland ausgezeichnet. Der internationale Design- und Innovationspreis rückt junge Erfinderinnen und Erfinder in den Mittelpunkt und soll ihnen dabei helfen, aus ihren Ideen konkrete Lösungen zu entwickeln.

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Neben Anerkennung bietet der Wettbewerb den Teilnehmenden auch die Chance auf finanzielle Unterstützung für ihre Projekte. In diesem Jahr qualifizieren sich neben ANY auch zwei weitere deutsche Erfindungen für die internationale Runde: ein personalisierter Brustschutz für Frauen im Sport von Beatriz Jerez Arnau von der OTH Regensburg sowie NURA, ein tragbarer Gebärdensprach-Übersetzer von Samuel Nagel und Paul Feiler von der HfG Schwäbisch Gmünd. In der internationalen Runde geht es um ein Preisgeld von bis zu 30.000 £, umgerechnet rund 34.600 €.

Inhaltsverzeichnis

ANY setzt sich für zugängliche Bedienoberflächen ein

In vielen modernen Haushaltsgeräten ersetzen Touchscreens klassische Bedienelemente. Doch glatte Oberflächen ohne haptisches Feedback können die präzise und selbstständige Bedienung erschweren, insbesondere für Menschen mit motorischen oder sensorischen Einschränkungen.

Hier setzt ANY an. Das universelle Steuersystem soll digitale und analoge Bedienkonzepte miteinander verbinden. Nutzerinnen und Nutzer können einen abnehmbaren Drehregler drehen und drücken, während ein dynamisches Display die jeweiligen Inhalte anzeigt. Haptisches Feedback vermittelt dabei unmittelbar, welche Eingabe erfolgt.

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Analog fühlen, digital steuern

ANY kombiniert die Darstellungsmöglichkeiten eines digitalen Displays mit der intuitiven Bedienung eines klassischen Reglers. Unter einer versiegelten Oberfläche befindet sich eine robuste LED-Matrix, auf der Symbole, Menüs und Animationen erscheinen. Die Oberfläche ist dabei vor Schmutz, Feuchtigkeit und verschütteten Flüssigkeiten geschützt.

Gesteuert wird das System über einen Knopf, der sich drehen und drücken lässt. Die Drehbewegung wird präzise erfasst und in haptisches Feedback übersetzt. Der Regler ist nicht mechanisch fixiert, sondern magnetisch mit dem System gekoppelt. Sensoren erkennen, ob der Knopf aufgesetzt, gedreht oder gedrückt wird. So lassen sich mehrere Eingabemodi in einem kompakten System vereinen.

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Der Weg zur Innovation

Die Entwicklung von ANY begann mit einer systematischen Analyse klassischer Haushaltsgeräte und ihrer Bedienkonzepte. Daraus entstand die Idee eines analogen Bedienprinzips, das intuitiv verständlich sein soll.

Hardware und Software entwickelten die Studenten parallel und in wiederholten Testphasen. Die magnetische Kopplung wurde in zahlreichen Iterationen auf ihre Zuverlässigkeit geprüft. Auch Reibung und haptisches Feedback verfeinerten die Entwickler Schritt für Schritt.

„Wir freuen uns ungemein, dass unser Projekt mit dem nationalen James Dyson Award diese Aufmerksamkeit erhält. Die Auszeichnung bestätigt für uns, dass der Ansatz, ein reales Alltagsproblem mit einer ingenieurtechnisch fundierten Lösung anzugehen, überzeugt“, so Leonard Neuberger über ANY und den Gewinn des nationalen James Dyson Awards 2026.

Linus Rüllmann betont, dass der Gewinn nicht nur finanzielle Unterstützung bedeute, sondern auch neue Möglichkeiten eröffne, mit Entwicklern, Herstellern und Unternehmen ins Gespräch zu kommen. Als Nächstes wollen die beiden die Benutzeroberfläche weiter verfeinern und ANY mit verschiedenen Nutzergruppen testen.

„ANY wird mit verschiedenen Nutzergruppen getestet, technisch verbessert und noch wichtiger: erstmals in ein reales Gerät integriert. Konkret wollen wir zeigen, wie sich damit beispielsweise eine Waschmaschine bedienen lässt. Und darüber hinaus auch andere Haushaltsgeräte, Geräte im medizinischen Bereich sowie industrielle Maschinen“, sagt Rüllmann. „Diese Schritte möchten wir in enger Kooperation mit potenziellen Projektpartnern und mit Unternehmen umsetzen.“

Mit dem Award zur nächsten Entwicklungsstufe

In den kommenden sechs bis zwölf Monaten wollen Neuberger und Rüllmann eine robustere Version des Systems mit verbessertem Nutzerfeedback entwickeln. Geplant sind außerdem eine Pilotstudie sowie die Vorbereitung auf regulatorische und kommerzielle Anforderungen.

Erste Prototypen gibt es bereits. Das Team hat unter anderem die Zuverlässigkeit der magnetischen Kopplung sowie Reibung und haptisches Feedback in umfangreichen Tests untersucht.

Als nationales Gewinnerprojekt des James Dyson Awards 2026 erhält ANY ein Preisgeld von 5000 £, umgerechnet rund 5770 €. Damit wollen die Entwickler die Prototypen weiterentwickeln und das System einen Schritt näher an die Marktreife bringen.

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Warum ANY bei der Jury hängen geblieben ist

Ich habe mich sehr gefreut, in diesem Jahr als Jurorin vertretend für VDI Media für den James Dyson Award in Deutschland dabei zu sein. Und es ist für mich etwas Besonderes, nun auch über das Projekt berichten zu können, das mich bereits während der Jurysitzung überzeugt hat.

„ANY ist mir aufgefallen, weil es ein reales Problem mit einer äußerst praxisnahen Lösung angeht. Sein intuitiver, nutzerfreundlicher Ansatz sorgt dafür, dass davon ein breites Spektrum an Menschen profitieren kann – und nicht nur eine kleine Gruppe von Spezialist*innen. Genau diese Kombination aus technischer Innovation, praktischer Anwendung und realer Wirkung macht ANY für mich zu einem so überzeugenden Projekt.“

Wie überzeugend ANY auch aus Sicht von Dyson ist, zeigt die Einschätzung von Dyson-Ingenieur Louis Thompson: „Was mir an ANY gefällt, ist, dass es eine Annahme hinterfragt, die den meisten von uns gar nicht mehr auffällt: dass eine universelle Bedienoberfläche digital sein muss. Gezielt getestet und verfeinert, wird aus einer provokanten Idee eine überzeugende Alternative zum Bildschirm. ANY erinnert daran, dass Innovation oft weniger durch das Verfeinern einer Antwort entsteht, sondern durch das Neustellen der Frage – und das Hinterfragen von Konventionen. Ich bin gespannt, wie ANY dazu beitragen wird, unser Verständnis davon, wie wir mit Produkten interagieren, deutlich zu erweitern.“

MINT-Nachwuchs braucht Sichtbarkeit und Freiräume

Bei VDI Media, also bei VDI nachrichten und ingenieur.de, berichten wir intensiv über Bildung und insbesondere darüber, wie junge Menschen für MINT-Fächer und MINT-Berufe begeistert werden können. Auszeichnungen wie der James Dyson Award spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie geben jungen Talenten eine Plattform, fördern ihre Kreativität und zeigen, dass ingenieurwissenschaftliche Ideen einen Unterschied machen können.

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