PISA 2025: Deutschlands Schüler so schwach wie nie: Was das für den Fachkräftenachwuchs bedeutet
Die Pisa-Studie 2025 offenbart historische Kompetenzlücken bei Jugendlichen – mit Folgen für MINT-Berufe und Deutschlands Fachkräftenachwuchs.
Die Pisa-Ergebnisse zeigen große Lücken bei den Basiskompetenzen – mit möglichen Folgen für den Fachkräftenachwuchs.
Foto: Smarterpix/pressefotograf
Deutschlands 15-Jährige schneiden bei der Pisa-Studie 2025 so schwach ab wie nie zuvor. Besonders in Mathematik und Lesen fehlen vielen grundlegende Kompetenzen. Das ist nicht nur ein Problem für Schulen: Es betrifft auch den Fachkräftenachwuchs.
Jedem dritten Jugendlichen fehlen grundlegende Kompetenzen in Lesen und Mathematik, jedem vierten in Naturwissenschaften. Gut jeder Fünfte erreicht in keinem der drei Bereiche ausreichende Basiskompetenzen. Damit startet ein erheblicher Teil eines Jahrgangs mit schwierigen Voraussetzungen in Ausbildung, Studium und Arbeitswelt.
Inhaltsverzeichnis
- Grundlegende Kompetenzen fehlen
- Technikkompetenzen sichern den Standort Deutschland
- Pisa-Ergebnisse 2025: Deutschland erreicht neuen Tiefpunkt
- Mathematik und Lesen: Grundkompetenzen fehlen
- Schwache Basiskompetenzen werden zum Risiko für den Fachkräftenachwuchs
- Bildungsministerin sieht dringenden Handlungsbedarf
- Merz fordert gemeinsame Kraftanstrengung für bessere Bildung
- Deutschland nur Mittelmaß im OECD-Vergleich

Grundlegende Kompetenzen fehlen
Die getesteten 15-Jährigen hätten „die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen erzielt», berichtete Studienleiter Samuel Greiff. Jedem dritten Jugendlichen fehle grundlegende Kompetenz in Lesen und Mathematik, jedem vierten in Naturwissenschaften. Gut jeder Fünfte habe in keinem der drei Felder «ausreichende Basiskompetenzen“, warnte Greiff.
„Die neuen PISA-Ergebnisse sind ein erneutes Alarmsignal für Deutschland. Wer wirtschaftlich und technologisch an der Spitze bleiben will, kann sich derartige Kompetenzdefizite beim Nachwuchs nicht leisten. Gerade im KI-Zeitalter sind Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften wichtiger denn je: Nur wer Informationen einordnen, Zusammenhänge verstehen und Inhalte kritisch bewerten kann, kann digitale Technologien souverän nutzen“, kommentierte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder diese Ergebnisse.
Technikkompetenzen sichern den Standort Deutschland
„Die notwendigen Kompetenzen, die Kinder benötigen, um den Innovations- und Technologiestandort Deutschland erhalten zu können, sind in ausreichendem Maße und in der notwendigen Breite in den nachkommenden Generationen nur über die Schulen zu verankern. Damit die Entwicklung der Zukunftskompetenzen erfolgreich gelingt, muss aber die Vermittlung der Basiskompetenzen erstmal gelingen“, sagt Frank Dieball, Leiter der Topic Force Qualifikation der VDI-Initiative Zukunft Deutschland 2050.
So zeigt das Impulspapier „Qualifikation und Bildung der Zukunft – Technik-Talente stärken“ der Initiative Zukunft Deutschland 2050, wo konkret angesetzt werden muss: Informatik und Technik müssen fester Bestandteil der Lehrpläne werden, idealerweise als eigenes Schulfach.
„Wo das kurzfristig nicht umsetzbar ist, brauchen wir Brückenlösungen: Technik in bestehende Fächer integrieren, Lerninhalte stärker praxisbezogen vermitteln oder Technik und Informatik in einem integrierten Fach zusammenführen. Technik kann generell auch dazu dienen, die oft als schwer zugänglich empfundenen Fächer wie Mathe oder Naturwissenschaften praxisnah zu vermitteln“, kommentiert Thomas Kiefer, Bereichsleiter Beruf, Bildung, Netzwerke im VDI.
Dabei sollten auch Expertinnen und Experten aus der Praxis als Lehrkräfte zugelassen werden, um anwendungsorientiertes Lernen mit modernen Lehrmethoden und realer Industrieerfahrung zu verbinden.
Denn: Wenn jedem fünften Jugendlichen in Deutschland ausreichende Basiskompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften fehlen, sind nicht nur individuelle Lebenschancen, sondern die Zukunftsfähigkeit unserer gesamten Gesellschaft in Gefahr. Die neuen PISA-Ergebnisse seien ein Weckruf dafür, dass Deutschland endlich Technik und MINT-Kompetenzen fest im Unterrichtsalltag der Schüler*innen aller Schulformen des Primar- und Sekundarbereiches in ganz Deutschland verankern muss.
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Pisa-Ergebnisse 2025: Deutschland erreicht neuen Tiefpunkt
Die internationale Pisa-Vergleichsstudie wird von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) durchgeführt. Seit dem Jahr 2000 werden etwa alle drei Jahre die Kompetenzen von 15-Jährigen in zahlreichen Ländern untersucht.
2025 nahmen in Deutschland rund 6.700 Schülerinnen und Schüler an 250 Schulen teil. Weltweit waren es mehr als 760.000 Jugendliche.
Die aktuellen Ergebnisse zeigen einen deutlichen Abwärtstrend:
- Naturwissenschaften: 486 Punkte 2025, nach 492 Punkten 2022
- Lesen: 465 Punkte, nach 480 Punkten 2022
- Mathematik: 464 Punkte, nach 475 Punkten 2022
Gegenüber 2022 gingen die Punktwerte damit in allen drei Bereichen zurück. Statistisch eindeutig ist die Verschlechterung laut OECD allerdings nur in Mathematik und Lesen. In Naturwissenschaften liegt das Ergebnis ungefähr auf dem Niveau von 2022. Im längerfristigen Vergleich markieren die Werte von 2025 in allen drei Bereichen den niedrigsten Stand, der für Deutschland seit Beginn der Pisa-Erhebungen gemessen wurde.
Die Entwicklung erinnert an den sogenannten Pisa-Schock: Die erste Studie im Jahr 2000 hatte Deutschland mit schlechten Ergebnissen überrascht und umfangreiche Bildungsreformen ausgelöst. Nach einem Zwischenhoch in den 2000er-Jahren liegen die Werte inzwischen sogar noch niedriger.
Mathematik und Lesen: Grundkompetenzen fehlen
„Erneut haben sich die Pisa-Ergebnisse in Deutschland verschlechtert“, sagte Co-Autor Francesco Avvisati. „Immer mehr junge Leute liegen mit 15 noch unter Grundkompetenzniveau. Sie verlieren die Neugier und zunehmend auch den Glauben daran, dass sich Bildung lohnt.“
Besonders die Lesekompetenz bereitet den Pisa-Forschern Sorgen. Sie ist eine wichtige Grundlage dafür, Informationen zu verstehen, einzuordnen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Diese Fähigkeiten werden auch in der Ausbildung und im späteren Berufsleben benötigt.
Wie in vielen anderen Ländern stehe Bildung im Gegenwind, sagte Avvisati. Besonders deutlich zeige sich der Abwärtstrend beim Lesen. Junge Leute ließen sich leichter in die Irre führen, weil sie zu hastig läsen.
Das Problem beschreibt er auch mit Blick auf die Art, wie Jugendliche Informationen verarbeiten. Sie investierten zu wenig Zeit, sie „überfliegen statt zu verstehen, und die Antwort ist schnell, aber falsch“.
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Schwache Basiskompetenzen werden zum Risiko für den Fachkräftenachwuchs
Die Ergebnisse sind deshalb auch für Unternehmen relevant. Deutschland braucht gut qualifizierte Fachkräfte, gleichzeitig verändern Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz die Anforderungen an viele Berufe.
Für technische und ingenieurwissenschaftliche Tätigkeiten sind solide mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse besonders wichtig. Doch auch unabhängig vom konkreten Beruf werden Fähigkeiten wie Lesen, Verstehen, Analysieren und Lernen immer wichtiger.
Denn die berufliche Qualifizierung endet längst nicht mehr mit Ausbildung oder Studium. Beschäftigte müssen sich kontinuierlich weiterbilden und neue Kompetenzen erwerben. Wer bereits bei den grundlegenden Fähigkeiten Lücken hat, startet mit schlechteren Voraussetzungen in diese Entwicklung.
Pisa untersucht allerdings nicht, ob schwache Leistungen im Alter von 15 Jahren später tatsächlich zu unbesetzten Fachkräftestellen führen. Einen direkten Zusammenhang zwischen den aktuellen Testergebnissen und dem Fachkräftemangel belegt die Studie deshalb nicht. Sie zeigt aber, wie groß der Anteil der Jugendlichen ist, der mit vergleichsweise schwachen Grundkompetenzen in die weitere schulische oder berufliche Ausbildung startet.
Die Fachkräftedebatte ist damit nicht allein eine Frage fehlender Bewerber. Sie betrifft auch die Frage, wie gut Deutschland junge Menschen auf Ausbildung, Studium und eine Arbeitswelt vorbereitet, in der lebenslanges Lernen zunehmend zur Voraussetzung wird.
Bildungsministerin sieht dringenden Handlungsbedarf
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) nannte den Befund bei der Vorstellung in Berlin besorgniserregend. Die bayerische Kultusministerin und Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Anna Stolz, sagte: „Ein desaströses, aber nicht überraschendes Ergebnis.“
Beide verwiesen darauf, dass nach früheren Warnsignalen durch andere Bildungsstudien bereits gegengesteuert werde. Dazu gehören unter anderem das Start-Chancen-Programm für Schulen und das geplante Kita-Gesetz.
Geplant sind unter anderem:
- Sprachtests bereits im Kindergarten
- Verbesserungen beim Grundschulunterricht
- mehr Ressourcen für Schulen in sozial benachteiligten Vierteln
„Wir fangen nicht bei Null an“, sagte Stolz. Gleichzeitig brauche es „einen langen Atem“.
Für die Wirtschaft ist gerade der lange Zeithorizont relevant. Bildungsreformen wirken nicht kurzfristig. Die Jugendlichen, die heute grundlegende Kompetenzen erwerben sollen, bilden in den kommenden Jahren einen wichtigen Teil des Fachkräftenachwuchses.
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Merz fordert gemeinsame Kraftanstrengung für bessere Bildung
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz sieht angesichts der schwachen Pisa-Ergebnisse dringenden Handlungsbedarf. Im Bundestag bezeichnete der CDU-Politiker die Ergebnisse als ernüchternd und bot den Ländern eine gemeinsame Initiative an.
Merz wolle ausdrücklich anbieten, noch einmal zu einer „großen Kraftanstrengung“ zusammenzukommen, um die Situation der Bildung in Deutschland zu verbessern. Damit rückt die Frage nach einer grundlegenden Reform des Bildungssystems erneut in den Fokus.
Gleichzeitig sieht der Bundeskanzler nicht allein den Staat in der Verantwortung. Bildung und Erziehung könne man nicht an den Staat „outsourcen“, sagte Merz. Auch die Familien seien gefordert und hätten eine Verantwortung.
Deutschland nur Mittelmaß im OECD-Vergleich
Trotz der gesunkenen Punktzahlen liegt Deutschland bei der Pisa-Studie weiterhin ungefähr im Durchschnitt der OECD-Staaten. Der Negativtrend ist allerdings auch international zu beobachten. Nach Einschätzung der Studienmacher fällt der Leistungsrückgang in Deutschland im längerfristigen Vergleich deutlich aus.
Mehrere OECD-Staaten erzielen bessere Ergebnisse als Deutschland. Zur internationalen Spitzengruppe gehören unter anderem Estland, Japan und Korea. Deutschland ist damit international nicht abgeschlagen, gehört aber auch nicht zu den führenden Bildungssystemen.
„Wir sind zwar nicht dramatisch abgehängt“, sagte Greiff der Deutschen Presse-Agentur. „Aber wir werden unserem eigenen Anspruch als Bildungsnation nicht gerecht. Wir spielen nicht mit unter den Top-Staaten.“
Für die deutsche Wirtschaft ist der internationale Vergleich ebenfalls relevant. Gerade bei den mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen zeigt sich, wie gut der Nachwuchs auf technische Berufe, Ingenieurstudiengänge und die Anforderungen einer zunehmend digitalen Arbeitswelt vorbereitet ist.
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