Berufliche Entwicklung 16.09.2026, 09:00 Uhr

Re-skilling zahlt sich aus – neue Zahlen zum Gehaltseffekt 2026

Re-skilling steigert das Gehalt: Neue Zahlen zeigen, welche Weiterbildung Ingenieurinnen und Ingenieure für Karriere, KI und Digitalisierung brauchen.

Geschäftsperson hält Euro-Scheine und einen roten Pfeil.

Weiterbildung kann nicht nur neue berufliche Chancen eröffnen, sondern sich auch beim Gehalt bemerkbar machen.

Foto: Smarterpix/ gregorylee

Weiterbildung ist längst mehr als eine Zusatzqualifikation. Neue Zahlen zeigen, dass sich zusätzliche Kompetenzen auch beim Gehalt auszahlen können. Besonders deutlich ist der Effekt bei Fachkräften mit Berufsausbildung, in der IT fällt das Gehaltsplus sogar zweistellig aus.

Welche Fähigkeiten heute gefragt sind und was Re-skilling gerade für Ingenieurinnen und Ingenieure bedeutet, erklärt Joachim Giese im Interview. Giese ist seit 2016 Vorstand der Wbs Training SE und ordnet die aktuellen Zahlen zu Gehältern, gefragten Kompetenzen und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten ein.

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Weiterbildung und Gehalt: So stark kann sich Re-skilling auszahlen

Weiterbildung wird oft als nette Zusatzqualifikation gesehen. Ihre Zahlen zeigen aber, dass sie sich konkret auszahlen kann. Was beobachten Sie in Ihrer Arbeit: Wie stark verändert Weiterbildung tatsächlich die beruflichen Chancen von Beschäftigten?

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Weiterbildung ist einer der wirksamsten Hebel, die Beschäftigte selbst in der Hand haben. Unser aktueller Job- und Gehaltsreport der WBS TRAINING zeigt das mit klaren Zahlen: Fachkräfte mit Berufsausbildung haben 2025 im Schnitt 7 % mehr verdient und damit stärker zugelegt als jede andere Qualifikationsstufe. In der IT steigt dieser Wert für Fachkräfte mit Ausbildung sogar auf 10 %.

Was wir in der täglichen Arbeit sehen, deckt sich damit. Menschen, die gezielt eine gefragte Kompetenz aufbauen, wechseln in neue Rollen, verhandeln anders und stehen sicherer im Job. Die Veränderung ist also nicht abstrakt, sie landet meist direkt auf der Gehaltsabrechnung.

Der Job- und Gehaltsreport 2026 zeigt für akademische Fachkräfte ein Gehaltsplus von 5 %, für Führungskräfte immerhin noch 2 %. Was sagen Ihnen diese Zahlen über den Wert von Weiterbildung? Und warum fällt der Effekt bei Führungskräften geringer aus?

Der größte Sprung entsteht dort, wo eine Lücke geschlossen wird. Eine Fachkraft mit Berufsausbildung, die sich ein gefragtes Zusatzprofil aufbaut, verändert ihren Marktwert spürbar. Bei Führungskräften ist das Ausgangsniveau bereits hoch, entsprechend fällt der prozentuale Zuwachs kleiner aus.

Für Führungskräfte misst sich der Nutzen von Weiterbildung ohnehin selten allein in Prozentpunkten. Er zeigt sich in besseren Entscheidungen, in der Fähigkeit, digitale Teams zu führen, und in der eigenen Handlungssicherheit. Die 2 % würde ich deshalb nicht als geringen Effekt interpretieren. Sie zeigen vielmehr, dass sich Weiterbildung bei Führungskräften anders auswirkt.

Re-skilling für Ingenieurinnen und Ingenieure: Diese Kompetenzen zählen

Gerade Ingenieurinnen und Ingenieure verfügen häufig über eine sehr spezialisierte Ausbildung. Welche Kompetenzen müssen sie heute zusätzlich aufbauen, damit ihr Wissen auch in fünf oder zehn Jahren noch gefragt ist?

Das technische Fundament bleibt wertvoll, aber es trägt allein nicht mehr so weit. Technische Berufe sind mit rund 1,7 Millionen Ausschreibungen die zweitgrößte Gruppe am Arbeitsmarkt, und ihre Gehälter haben 2025 um fast 7 % zugelegt. Die Nachfrage ist also da. Gefragt ist heute aber die Kombination aus Fachtiefe und neuen Kompetenzen.

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In den Stellenanzeigen wächst vor allem die Nachfrage nach datennahen Werkzeugen. Im Vergleich zum Vorjahr wird Python gut 17 % häufiger verlangt, AutoCAD rund 22 %, Power BI knapp 20 %. Dazu kommt ein Grundverständnis für KI: Wo unterstützt sie den Engineering-Prozess, wo liegen ihre Grenzen? Oft unterschätzt wird die Kommunikation. Wer technische Zusammenhänge so übersetzt, dass Management und Nachbarabteilungen mitgehen, macht sich schwer ersetzbar. Anschlussfähig bleibt, wer Fachtiefe, digitale Souveränität und Verständlichkeit verbindet.

Was merken Sie in Ihrer täglichen Arbeit: Kommen Ingenieurinnen und Ingenieure inzwischen von sich aus mit dem Wunsch nach Re-Skilling auf Sie zu, oder müssen Unternehmen sie stärker dazu motivieren?

Beides, aber die Richtung hat sich verschoben. Vor allem beim Thema KI kommen viele inzwischen aus eigenem Antrieb. Sie spüren im Arbeitsalltag, dass sich Werkzeuge und Anforderungen verändern, und wollen den Anschluss nicht verlieren.

Gleichzeitig gibt es eine Gruppe, die abwartet, weil im Projektgeschäft schlicht der Druck hoch ist. Hier sind die Unternehmen gefragt. Wenn Weiterbildung als selbstverständlicher Teil der Arbeit verstanden wird und nicht als Zusatzaufgabe nach Feierabend, sinkt die Hemmschwelle deutlich. Motivation entsteht erfahrungsgemäß nicht durch Appelle, sondern durch die passenden Rahmenbedingungen.

Weiterbildung im Beruf: Warum Zeit und Rahmenbedingungen entscheidend sind

Sie sprechen von Rahmenbedingungen statt Appellen. Genau hier nennen viele Fachkräfte aber ein Problem: Für Weiterbildung fehlt im Arbeitsalltag schlicht die Zeit. Wie lässt sich Qualifizierung so organisieren, dass sie neben einem anspruchsvollen Job tatsächlich funktioniert?

Der Schlüssel liegt im Format, nicht im Verzicht auf Struktur. Wer neben einem anspruchsvollen Job lernt, braucht die passende Form: berufsbegleitende Modelle und Teilzeitmodelle, festen Online-Live-Unterricht mit klaren Terminen, dazu Einheiten, die sich in den eigenen Projektrhythmus einfügen. So bekommt Lernen einen verlässlichen Platz, statt im Alltag zerrieben zu werden.

Zwei dieser Rahmenbedingungen wirken besonders. Erstens geschützte Zeit: feste, nicht verhandelbare Termine im Kalender, am besten als Teil der Arbeitszeit. Ein klar getakteter Kurs mit Betreuung trägt meist weiter als der Vorsatz, sich die Inhalte irgendwann allein zu erarbeiten. Zweitens Relevanz. Wenn das Gelernte am Montag direkt ins Projekt einfließt, wird Lernen vom Zusatzaufwand zum Werkzeug – und die Zeitfrage stellt sich kaum noch.

Weiterbildung wird oft angeboten, aber nicht immer genutzt. Was können Unternehmen aus Ihrer Sicht besser machen, damit gerade erfahrene Fachkräfte wie Ingenieurinnen und Ingenieure die Angebote wirklich annehmen?

Der Aufbau von Kompetenzen gelingt nur in einer Unternehmenskultur, die aktives Lernen wirklich fördert. Das heißt: Zeit, Anerkennung und ein direkter Bezug zur eigenen Arbeit.

Gerade erfahrene Fachkräfte steigen dann ein, wenn sie merken, dass es nicht um Grundlagen geht, die sie längst beherrschen, sondern um konkrete neue Werkzeuge für ihre Aufgaben. Wichtig sind außerdem die Führungskräfte. Wer selbst sichtbar lernt, nimmt dem Thema den Beigeschmack, es sei ein Eingeständnis von Defiziten. Lernen sollte im Unternehmen normal sein, nicht erklärungsbedürftig.

Future Skills: Welche Kompetenzen Ingenieurinnen und Ingenieure brauchen

Re-skilling bedeutet heute mehr als neue Fachkenntnisse. Es geht zunehmend um KI, Digitalisierung, Führung oder Kommunikation. Welche Fähigkeiten sind aus Ihrer Sicht derzeit besonders wertvoll für Ingenieurinnen und Ingenieure?

An erster Stelle steht die praktische KI-Kompetenz: die Fähigkeit, passende Werkzeuge im eigenen Arbeitsbereich sinnvoll einzusetzen und ihre Ergebnisse kritisch zu prüfen. Direkt daneben steht der souveräne Umgang mit Daten, weil datengetriebenes Arbeiten in vielen technischen Feldern zum Standard geworden ist.

Genauso wertvoll sind die Kompetenzen, die keine Maschine übernimmt. In unseren Auswertungen stehen Teamfähigkeit, Selbstständigkeit und Kommunikationsstärke ganz oben unter den gefragten Eigenschaften. Auch andere Analysen zu den Future Skills für Ingenieurinnen und Ingenieure kommen zu einem ähnlichen Bild: Interdisziplinarität und Agilität rücken nach vorn. Für Ingenieurinnen und Ingenieure ist genau das die Zukunftskombination aus technischem Können, KI-Werkzeugen und guter Kommunikation.

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Auch Führungskräfte müssen sich weiterentwickeln. Was verändert sich durch Re-Skilling auf Führungsebene und welche Kompetenzen brauchen Führungskräfte heute, die vor einigen Jahren noch weniger wichtig waren?

Führung findet heute in verteilten, oft hybriden Teams statt und stützt sich stärker auf Daten als früher. Wer führt, muss digitale Werkzeuge nicht selbst bedienen können, aber verstehen, was sie leisten, um gute Entscheidungen zu treffen und Prioritäten richtig zu setzen.

Was klar an Bedeutung gewonnen hat, ist Veränderungskompetenz. Teams durch Umbrüche zu begleiten, Unsicherheit auszuhalten und Orientierung zu geben, war vor einigen Jahren weniger im Fokus. Dazu kommt ein reiferes Verständnis von KI, damit Führungskräfte Chancen und Risiken realistisch einordnen. Fachautorität allein trägt heute weniger weit als die Fähigkeit, Menschen durch Wandel zu führen.

Karriere durch Weiterbildung: Wann sich Re-skilling auszahlt

Die Coursera-Zahlen zu Karriereeffekten von Re-Skilling sprechen von Gehaltssteigerungen von bis zu 30 % und 17 % höhere Zahl an beruflichen Aufstiegen. Wie realistisch sind solche Effekte aus Ihrer Sicht für den deutschen Arbeitsmarkt und wovon hängt es ab, ob Weiterbildung tatsächlich zu einem Karriereschritt führt?

Solche Werte sind Spitzenwerte, keine Durchschnitte. Die Coursera-Auswertung zeigt, was möglich ist, wenn alles zusammenpasst. Als Erwartung für jeden Fall taugen diese Zahlen aber nicht, sie entstehen unter günstigen Bedingungen.

Der deutsche Arbeitsmarkt insgesamt entwickelt sich nüchterner. Das zeigt auch die amtliche Verdienststatistik: Über alle Branchen hinweg fallen Gehaltssprünge moderat aus. Unsere Zahl von 7 % für Fachkräfte mit Berufsausbildung ist entsprechend belastbar.

Ob Weiterbildung zum Karriereschritt wird, hängt an wenigen Faktoren. Passt die Qualifikation zu einer echten Nachfrage im Markt? Lässt sich das Gelernte im Job anwenden? Und trägt das Unternehmen den Schritt mit? Weiterbildung ohne Anwendung verpufft. Weiterbildung, die auf eine reale Lücke trifft und im Alltag ankommt, zahlt sich verlässlich aus.

Wenn Sie Ingenieurinnen und Ingenieuren, die seit Jahren im Beruf stehen und überlegen, ob sich eine Weiterbildung noch lohnt, einen Rat geben müssten: Was würden Sie ihnen und auch den Unternehmen sagen?

Die beste Zeit für Weiterbildung ist jetzt. Wer seit Jahren im Beruf steht, bringt genau das mit, was Weiterbildung wirksam macht: Erfahrung und Urteilsvermögen. Neues Wissen setzt sich auf dieses Fundament und entfaltet dort schneller Wirkung als bei Berufseinsteigern. Mein Rat ist deshalb, klein und gezielt anzufangen, mit einer Kompetenz, die im eigenen Feld nachweislich gefragt ist.

Von den Unternehmen wünsche ich mir drei Dinge: geschützte Lernzeit, ein realistisches Budget und ein Klima, in dem Lernen selbstverständlich ist. Wer Menschen weiterbildet, verliert keine Zeit, sondern gewinnt Fachkräfte, die dem Unternehmen erhalten bleiben.

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Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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