Karrieregitter: Wenn Karriere nicht mehr nur nach oben führt
Statische Karrieren sind vorbei: Karrieregitter, Fachlaufbahnen und Re-Skilling eröffnen Ingenieurinnen und Ingenieuren neue berufliche Wege.
Berufliche Laufbahnen verlaufen heute oft in verschiedene Richtungen und führen nicht immer auf direktem Weg nach oben.
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Studium, Berufseinstieg, Aufstieg und Ruhestand: Lange folgten viele berufliche Laufbahnen einem ähnlichen Muster. Heute wechseln Beschäftigte häufiger das Fachgebiet, den Arbeitgeber oder die berufliche Rolle.
Inhaltsverzeichnis
- Verliert die Karriereleiter an Bedeutung?
- Vom Karriereweg zum Karrieregitter
- Vom Konstrukteur zum Projektmanager: Ein Beispiel
- Ein Lebenslauf muss nicht gerade verlaufen
- Fachkarriere statt Führungskarriere
- Weiterbildung gehört zur beruflichen Entwicklung
- Berufserfahrung verschwindet nicht
- Unternehmen müssen mehr Wege ermöglichen
Verliert die Karriereleiter an Bedeutung?
Technologien entwickeln sich weiter, Unternehmen verändern ihre Geschäftsmodelle und manche Tätigkeiten verschwinden oder bekommen neue Inhalte. Auch Beschäftigte wechseln häufiger den Arbeitgeber oder orientieren sich beruflich neu.
Für Ingenieurinnen und Ingenieure ist diese Entwicklung besonders sichtbar. Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz verändern Aufgaben in Entwicklung, Produktion, Konstruktion und vielen anderen Bereichen. Das bedeutet nicht automatisch einen kompletten Berufswechsel. Oft verändert sich eine Tätigkeit Schritt für Schritt.
Ein Maschinenbauingenieur kann sich beispielsweise stärker mit Software und Automatisierung beschäftigen. Eine Produktionsingenieurin kann in ein Digitalisierungsprojekt wechseln. Ein Konstrukteur kann später im technischen Produktmanagement arbeiten. Die bisherige Berufserfahrung bleibt dabei erhalten.
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Vom Karriereweg zum Karrieregitter
Die klassische Karriereleiter hat eine klare Richtung: nach oben. Aus dem Konstrukteur wird der Projektleiter, daraus der Abteilungsleiter und später vielleicht der Bereichsleiter. Für manche ist das genau der richtige Weg.
Das sogenannte Karrieregitter beschreibt dagegen ein anderes Modell. Das Karrieregitter beschreibt berufliche Entwicklung als Wechsel zwischen unterschiedlichen Rollen. Der nächste Schritt muss dabei nicht automatisch eine Führungsposition sein. Möglich sind auch Wechsel in eine andere Fachrichtung oder in eine Projektrolle. Eine Fachkraft aus der Entwicklung kann beispielsweise in ein Digitalisierungsprojekt wechseln und später wieder in eine Fachrolle zurückkehren. Eine Fachkarriere ist dabei nur eine mögliche Richtung innerhalb dieses Modells. Auch Weiterbildung ist kein eigener Karriereweg, sondern kann den Wechsel in eine neue Rolle vorbereiten oder zusätzliche Aufgaben ermöglichen.
Mit anderen Worten: Berufliche Entwicklung kann nach oben führen, aber auch zur Seite oder in eine andere Fachrichtung. Beschäftigte wechseln beispielsweise in ein neues Aufgabengebiet, übernehmen ein Projekt mit anderen Schwerpunkten oder bauen sich als Spezialistinnen und Spezialisten eine Fachkarriere auf.
Vom Konstrukteur zum Projektmanager: Ein Beispiel
Ein Beispiel zeigt, wie solche Wechsel aussehen können: Ein Maschinenbauingenieur startet in der Konstruktion und übernimmt später Aufgaben in einem Automatisierungsprojekt. Dafür braucht er zusätzliche Kenntnisse in Steuerungstechnik und Software. Nach einigen Jahren kann er in das technische Projektmanagement wechseln. Voraussetzung sind dann neben dem technischen Wissen auch Erfahrung mit Zeitplanung, Kosten und der Zusammenarbeit verschiedener Teams. Eine weitere Möglichkeit ist der Wechsel in den technischen Vertrieb. Dafür sind Kundenkontakt, Präsentationsfähigkeit und ein Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge gefragt. Die technische Erfahrung aus der Konstruktion bleibt bei jedem dieser Schritte eine wichtige Grundlage.
Für Unternehmen bedeutet ein Karrieregitter ebenfalls mehr Möglichkeiten. Fachkräfte müssen nicht automatisch die Führungslaufbahn einschlagen, um sich weiterzuentwickeln. Sie können auch durch neue Aufgaben, Projekte oder Fachgebiete mehr Verantwortung übernehmen.
Ein Lebenslauf muss nicht gerade verlaufen
Ein Blick auf Stellenanzeigen vermittelt manchmal noch ein anderes Bild. Gesucht wird die Person, die möglichst genau das mitbringt, was in der Stellenbeschreibung steht. Doch gibt es wirklich so eine Person?
Wer die Branche gewechselt, eine längere Weiterbildung gemacht oder mehrere unterschiedliche Aufgaben übernommen hat, wirkt auf den ersten Blick vielleicht weniger geradlinig. Dabei können gerade solche Stationen interessante Erfahrungen mit sich bringen.
Ein Ingenieur, der zunächst in der Automobilindustrie gearbeitet und später in die Medizintechnik gewechselt hat, kennt beispielsweise unterschiedliche Produktionsabläufe und Qualitätsanforderungen. Diese Erfahrung kann auch im neuen Umfeld hilfreich sein.
Bei Bewerbungen lohnt sich deshalb ein genauerer Blick auf die einzelnen Stationen. Welche Aufgaben hat jemand tatsächlich übernommen? Welche Probleme gelöst? Welche Verantwortung getragen? Der Jobtitel allein erzählt darüber wenig.
Fachkarriere statt Führungskarriere
Auch die Vorstellung, dass eine erfolgreiche Karriere irgendwann in einer Führungsposition endet, passt nicht für jeden. Viele Ingenieurinnen und Ingenieure möchten weiterhin an technischen Fragen arbeiten. Sie wollen komplexe Projekte lösen, Produkte entwickeln oder sich auf ein Fachgebiet spezialisieren.
Dafür bieten Unternehmen zunehmend Fachlaufbahnen an. Erfahrene Spezialisten können sich weiterentwickeln und mehr Verantwortung übernehmen, ohne eine Abteilung führen zu müssen.
Das ist gerade in technischen Berufen interessant. Tiefes Wissen über ein bestimmtes Verfahren, eine Technologie oder eine Branche entsteht oft erst nach vielen Jahren. Eine Führungskraft kann deshalb wichtig sein. Ein hervorragender Spezialist kann es genauso sein.
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Weiterbildung gehört zur beruflichen Entwicklung
Wenn sich Tätigkeiten verändern, verändert sich auch der Bedarf an Weiterbildung. Dabei muss nicht jeder gleich einen neuen Abschluss machen. Manchmal reicht es, einzelne Kenntnisse zu ergänzen oder praktische Erfahrungen in einem neuen Bereich zu sammeln.
Hier kommt auch Re-Skilling ins Spiel. Der Begriff bezeichnet den Aufbau neuer Kompetenzen für veränderte oder neue Aufgaben. Beim Up-Skilling werden bestehende Fähigkeiten erweitert. Darüber haben wir mehrfach und ausführlich berichtet.
Bei einem Rollenwechsel sollten auch die praktischen Folgen berücksichtigt werden. Ein Wechsel in ein neues Fachgebiet kann zunächst mit einem anderen Gehalt oder weniger Verantwortung verbunden sein. Auch der berufliche Status kann sich verändern, wenn bisherige Erfahrung in der neuen Rolle weniger zählt. Aber: es lohnt sich – lesen Sie dazu: Berufswechsel kostet Einkommen, Branchenwechsel kaum.
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Berufserfahrung verschwindet nicht
Gerade erfahrene Beschäftigte erleben technische Veränderungen manchmal mit gemischten Gefühlen. Neue Software, KI-Anwendungen oder veränderte Produktionsverfahren können den Eindruck vermitteln, dass das bisherige Wissen plötzlich weniger wert ist. Das stimmt so nicht.
Wer 15 oder 20 Jahre an Maschinen, Anlagen oder Produkten gearbeitet hat, kennt Zusammenhänge, die sich nicht in einem Handbuch nachlesen lassen. Er weiß, wo in einem Prozess Probleme entstehen können, welche Entscheidungen sich in der Praxis bewähren und welche Fehler teuer werden.
Dieses Wissen bleibt wertvoll. Neue Technologien kommen hinzu. Sie ersetzen nicht automatisch die Erfahrung, die jemand über Jahre gesammelt hat. Für Beschäftigte kann es deshalb sinnvoll sein, beides miteinander zu verbinden: die eigene Berufserfahrung und neue Kenntnisse.
Unternehmen müssen mehr Wege ermöglichen
Auch Arbeitgeber stehen vor einer Aufgabe. Wenn sich Karriere ausschließlich über Beförderungen definiert, gibt es irgendwann zu wenige Möglichkeiten. Nicht jeder kann oder will eine Führungsposition übernehmen.
Unternehmen können deshalb unterschiedliche Wege anbieten. Dazu gehören Fachlaufbahnen ebenso wie interne Wechsel, Projektarbeit, Mentoring oder Weiterbildungen. Ein Mitarbeiter aus der Entwicklung könnte beispielsweise für einige Monate in einem Digitalisierungsprojekt arbeiten. Danach kehrt er mit neuen Erfahrungen in sein bisheriges Fachgebiet zurück.
Solche Möglichkeiten helfen auch Unternehmen, Wissen im Haus zu halten. Sie müssen nicht für jede neue Aufgabe jemanden von außen suchen, wenn passende Kompetenzen bereits vorhanden sind. Dafür braucht es allerdings eine Unternehmenskultur, in der ein Wechsel innerhalb des Unternehmens nicht als Verlust für die bisherige Abteilung gilt.
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