Arbeitsplätze 18.06.2026, 12:00 Uhr

BMW überrascht mit Gewinnwarnung – und plötzlich geht es um Tausende Jobs

Der deutsche Automobilsektor steht vor einem drastischen Umbruch: Laut Prognosen könnten bis 2035 Hunderttausende Arbeitsplätze verloren gehen.

Arbeiter aus dem Bereich Automotive

VDA warnt vor Arbeitsplatzverlusten in der Autoindustrie: Bis 2035 könnten durch Strukturwandel, hohe Standortkosten und EU-Regulierungen hunderttausende Jobs in Deutschland gefährdet sein.

Foto: Smarterpix/AndreyPopov

Von Zulieferern bis Premiumherstellern: Die Krise in der Autoindustrie greift immer weiter um sich. Auch BMW steht dabei exemplarisch für den wachsenden Kostendruck und mögliche Stellenkürzungen.

BMW unter Druck nach Gewinnwarnung

Nach der deutlichen Gewinnwarnung vom 17. Juni stehen bei BMW die Zeichen auf Sparkurs – und damit indirekt auch auf möglichen Stellenabbau, berichtet die dpa. Offiziell verweist der Konzern zwar weiterhin auf bestehende Betriebsvereinbarungen zur Beschäftigungssicherung. Gleichzeitig hatte das Unternehmen bereits in der Jahresprognose einen leichten Rückgang der Beschäftigten in Aussicht gestellt.

Die aktuellen Ankündigungen deuten jedoch darauf hin, dass sich diese Entwicklung beschleunigen könnte. Schon 2025 ist die Zahl der Beschäftigten bei BMW um etwa 3000 gesunken – vor allem in Deutschland und China. Wenn es in diesem Jahr erneut zu einem Stellenabbau kommt, dürften diese beiden Länder wieder besonders betroffen sein.

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Ein wichtiger Grund dafür ist die schwache Entwicklung des chinesischen Marktes, die auch maßgeblich zur aktuellen Gewinnwarnung beigetragen hat.

„Neben den Belastungen im operativen Geschäft wird die BMW Group die laufenden Kostensenkungen durch weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen intensivieren und beschleunigen. Deren Effekte werden in den Folgejahren sichtbar. Diese Maßnahmen belasten das Ergebnis einmalig im zweiten Halbjahr 2026“, heißt es in der BMW-Pressemitteilung.

Gewinnwarnung als Ausgangspunkt für neue Sparmaßnahmen

Besonders deutlich wird der Kurswechsel in einem zentralen Abschnitt der Gewinnwarnung: Neben den Belastungen im operativen Geschäft will BMW die laufenden Kostensenkungen durch zusätzliche Struktur- und Effizienzmaßnahmen intensivieren und beschleunigen. Die Effekte dieser Maßnahmen sollen in den Folgejahren sichtbar werden.

Auffällig ist zudem der Hinweis, dass diese Schritte das Ergebnis einmalig im zweiten Halbjahr 2026 belasten werden. Solche Einmalkosten gelten in der Industrie häufig als typischer Vorlauf für tiefgreifende Umstrukturierungen.

Kostensenkung und mögliche Auswirkungen auf Beschäftigung

Offiziell bestätigt BMW keinen Stellenabbau. Auf Nachfrage heißt es lediglich, dass weitere Maßnahmen zunächst intern sowie mit Arbeitnehmervertretern besprochen werden. Dennoch lässt sich die Aussage kaum anders interpretieren als ein Hinweis auf Anpassungen in der Belegschaftsstruktur.

Auch die bestehende Prognose bleibt zwar formal unverändert, spricht aber von einem „leichten Rückgang“ des Personalstands – was bei rund 155.000 Beschäftigten einem Minus von etwa 1 bis 5 Prozent entspricht. Das würde mehrere tausend Stellen betreffen.

Betriebsrat fordert Klarheit über BMW-Sparpläne

Der Gesamtbetriebsrat von BMW erkennt an, dass das Unternehmen vor großen Herausforderungen steht. Gleichzeitig verlangt er aber klare Informationen zu den angekündigten Struktur- und Effizienzmaßnahmen. Es müsse deutlich werden, welche Ziele damit verfolgt werden, welche konkreten Inhalte geplant sind und welche Auswirkungen das auf die Beschäftigten hat. Die Gespräche dazu sollten jetzt schnell und verbindlich beginnen, so ein Sprecher.

„Wir haben ein starkes Produktmomentum: Mit der NEUEN KLASSE bringen wir in den nächsten beiden Jahren das stärkste BMW Portfolio der Geschichte auf die Straße“, wird der Vorsitzende des Vorstands der BMW AG, Milan Nedeljković zitiert. „Gleichzeitig werden wir unsere aktuellen Strukturen und Prozesse an die sich drastisch verschärfenden Marktbedingungen anpassen. Unsere unternehmerische Verantwortung gebietet es deswegen, dass wir unsere laufenden Maßnahmen nochmals deutlich intensivieren und beschleunigen. Es geht um Geschwindigkeit und Effizienz.“

Kritik nach Führungswechsel und Gewinnwarnung

Die aktuellen Probleme kommen nur etwa einen Monat nach dem Amtsantritt des neuen BMW-Chefs Milan Nedeljković. Laut Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sei die deutliche Gewinnwarnung so kurz nach dem Wechsel überraschend und zeige, dass zuvor wichtige Probleme nicht ausreichend erkannt worden seien.

Strukturprobleme und mögliche Strategieänderungen

Dudenhöffer sieht zudem grundlegende Herausforderungen im Unternehmen. Dazu gehört vor allem die große Modell- und Variantenvielfalt, die hohe Kosten und viel Personalaufwand verursacht. Seiner Einschätzung nach müsse BMW hier stärker sparen und gleichzeitig mehr Entwicklung nach China verlagern. Als Vorbild nennt er dabei unter anderem Volkswagen, das in einigen Bereichen bereits ähnliche Strategien verfolgt.

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225.000 Jobs bis 2035 auf der Kippe – massiver Stellenabbau in der Autoindustrie erwartet

Der Verband der Automobilindustrie rechnet mit einem zusätzlichen deutlichen Stellenabbau in der Autoindustrie. „Wir müssen leider nach aktuellen Berechnungen von einem Beschäftigungsverlust von 225.000 Arbeitsplätzen bis 2035 ausgehen, also etwa 35.000 Arbeitsplätze mehr als bisher angenommen“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) im Mai 2026.

Gleichzeitig verwies der Verband darauf, dass die künftige Beschäftigungsentwicklung stark vom technologischen Kurs der Branche abhängt. Besonders der sogenannte Antriebsmix spiele eine entscheidende Rolle. Eine technologieoffene Strategie könne nach Berechnungen des VDA bis zu 50.000 Arbeitsplätze in Deutschland sichern.

Rückblickend zeigt die Entwicklung bereits deutliche Einschnitte: Zwischen 2019 und 2025 seien rund 100.000 Stellen in der Branche weggefallen. Ursprünglich hatte der VDA für den Zeitraum 2019 bis 2035 einen Abbau von etwa 190.000 Arbeitsplätzen prognostiziert. Besonders betroffen seien Zulieferbetriebe, da im Übergang vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität vor allem in diesem Segment viele Jobs wegfallen, so die Einschätzung der Verbandschefin.

125.000 Jobs bis 2035 in Gefahr – EU-Kurs könnte Autoindustrie massiv treffen

Der Verlust von weiteren 125.000 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2035 droht nach Angaben des Verband der Automobilindustrie, sollte die Europäische Union nicht stärker auf Technologieoffenheit setzen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland nachhaltig und deutlich verbessern.

Die Brüsseler CO₂-Flottenregulierung für Pkw und Vans, nach der ab 2035 ausschließlich batterieelektrische und Brennstoffzellen-Fahrzeuge neu zugelassen werden dürfen, gefährde ohne Anpassungen rund 50.000 Arbeitsplätze in Deutschland, warnt der Verband.

Nach Einschätzung des VDA könnten diese Beschäftigungseffekte jedoch teilweise abgefedert werden, wenn künftig auch Plug-in-Hybride, Range Extender sowie weiterhin weiterentwickelte Verbrennungsmotoren – etwa mit erneuerbaren Kraftstoffen über 2035 hinaus – eine größere Rolle spielen. Die negativen Auswirkungen der Transformation auf den Arbeitsmarkt würden sich dadurch spürbar verringern, während der Pfad zur klimaneutralen Mobilität grundsätzlich weiterverfolgt werden könne.

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Standortkrise verschärft sich – Industrie warnt vor Verlust der Wettbewerbsfähigkeit

Als einen zentralen Treiber der negativen Entwicklung bezeichnet die VDA-Präsidentin Hildegard Müller eine „gravierende und anhaltende Standortkrise“ in Deutschland und Europa. Sie betont zugleich, dass sich die Rahmenbedingungen zunehmend verschlechtern würden. „Hohe Steuern und Abgaben, teure Energie, hohe Lohnkosten, überbordende Bürokratie – die Liste der Herausforderung ließe sich fortführen“, sagte sie.

Einen ähnlich alarmierenden Blick auf die wirtschaftliche Lage zeichnete zuvor auch die Unternehmensseite. Die Chefin des Maschinenbaukonzerns Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller, sprach im Interview mit dem „Handelsblatt“ von einer historisch schwierigen Situation für die deutsche Wirtschaft.

„Seit Kriegsende war die wirtschaftliche Lage in Deutschland noch nie so dramatisch. Da war Corona nichts dagegen“, sagte sie. Bei einer internen Hausmesse habe sie zudem noch nie so viele frustrierte Unternehmer auf engem Raum erlebt. Besonders kleine und mittelständische Betriebe würden durch Bürokratie zunehmend belastet und an ihre Belastungsgrenzen gebracht. „Wir verlieren unsere industrielle Basis“, warnte die Managerin des Laserspezialisten. (mit dpa)

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Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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