Facebook, Instagram und WhatsApp 16.04.2025, 08:00 Uhr

Zuckerberg vor Gericht: Facebook wollte Freunde löschen

Viele Menschen nutzen Facebook, Instagram und WhatsApp – oft sogar alle drei. Diese Plattformen sind fester Bestandteil unseres Alltags geworden. Doch weil sie alle zu Meta gehören, stellt sich die Frage: Hat ein Unternehmen damit zu viel Macht im digitalen Raum?

Facebook

Facebook, Instagram, WhatsApp – Wie Meta vor Gericht um seine Macht kämpft.

Foto: PantherMedia / wichayada (YAYMicro)

Am Montag, 14. April startete in Washington ein Prozess gegen Meta. Die US-Regierung wirft dem Konzern vor, WhatsApp und Instagram gekauft zu haben, um seine Marktmacht unfair zu sichern. Die US-Handelsbehörde FTC fordert, dass die Übernahmen rückgängig gemacht werden.

Update 16.04.2025: Nun kam im Verfahren zur möglichen Aufspaltung von Meta etwas Unerwartetes ans Licht: Mark Zuckerberg dachte 2018 selbst darüber nach, Instagram wieder zu verkaufen. In einer internen E-Mail, die vor Gericht zitiert wurde, sprach er von wachsendem Druck durch Wettbewerbsbehörden. Er hielt es für möglich, dass Meta in den nächsten fünf bis zehn Jahren gezwungen sein könnte, sich von Instagram und WhatsApp zu trennen.

Und mehr noch: Meta-Chef Mark Zuckerberg dachte einmal darüber nach, allen Facebook-Nutzern ihre Freunde zu löschen – um das Netzwerk wieder wichtiger und moderner wirken zu lassen. Diese „vielleicht verrückte Idee“, wie er sie selbst nannte, wurde am ersten Tag des US-Kartellprozesses gegen Meta bekannt.

Damals entschied sich Meta doch gegen eine Trennung und integrierte Instagram und WhatsApp stärker in den Konzern. Heute kämpft das Unternehmen vor Gericht gegen eine mögliche Zerschlagung.

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Meta im Visier der Wettbewerbshüter

Meta, damals noch Facebook, kaufte Instagram 2012 für etwa eine Milliarde Dollar und WhatsApp 2014 für rund 22 Milliarden Dollar. Heute bringt vor allem Instagram viel Geld ein. Die US-Behörden hatten den Käufen damals zugestimmt.

Die Klage wurde im Dezember 2020 zum Ende von Trumps Amtszeit eingereicht. Auch ingenieur.de hat darüber ausführlich berichtet. Lesen Sie ein Hintergrundinterview dazu.

Viele sahen darin auch ein politisches Signal. Trump und seine Anhänger waren unzufrieden damit, wie Meta auf seinen Plattformen gegen Falschinformationen vorging – zum Beispiel gegen Trumps Behauptung, er habe die Wahl nur wegen Betrugs verloren.
Die erste Version der Klage wurde von Richter James Boasberg deutlich kritisiert und abgewiesen. Er warf der FTC vor, den Monopolvorwurf nicht mit Zahlen belegt zu haben.

Marktmacht von Meta und die Frage der App-Qualität

Doch die FTC gab nicht auf. Auch unter Präsident Biden hielt sie an der Klage fest und lieferte später konkrete Daten nach. Demnach hatte Facebook von 2016 bis 2020 im Schnitt 80 % Marktanteil bei täglich aktiven Nutzern auf Smartphones und 98 % auf dem PC. Der Anteil lag nie unter 70 %.
Trotzdem hat es die FTC im Prozess schwer. Da Instagram und WhatsApp kostenlos sind, kann sie nicht – wie sonst üblich – mit höheren Preisen für Nutzer argumentieren. Stattdessen sagt sie, dass die Qualität der Apps gesunken sei, weil es weniger Konkurrenz gebe. Meta widerspricht und meint, die Übernahmen hätten den Nutzern genutzt und den Wettbewerb gestärkt.

Meta-Chef Mark Zuckerberg und Donald Trump

In den letzten Monaten hat sich Facebook-Gründer und Meta-Chef Mark Zuckerberg wieder stärker Trump angenähert. Er lockerte die Regeln für Inhalte und beendete die Faktenprüfung in den USA. Außerdem einigte sich Meta mit Trump auf eine Zahlung von 25 Millionen Dollar – wegen der Sperrung seiner Konten nach dem Sturm aufs Kapitol im Januar 2021. Auch bei Trumps Amtseinführung war Zuckerberg sichtbar präsent. US-Medien berichten, dass er sich kürzlich direkt an Trump gewandt haben soll, um Druck auf die FTC auszuüben.

Laut dem Wall Street Journal bot Meta der FTC im März zunächst 450 Millionen Dollar an, um das Verfahren mit einem Vergleich zu beenden. Die Behörde forderte jedoch 30 Milliarden Dollar. In einem Gespräch mit FTC-Chef Andrew Ferguson soll Zuckerberg zuversichtlich gewesen sein, dass Trump Meta unterstützen würde, berichten Insider.

Die US-Handelsbehörde FTC war früher parteiübergreifend besetzt und arbeitete unabhängig. Doch Trump entließ die demokratischen Kommissare, um mehr Einfluss auf die Behörde zu bekommen. Richter James Boasberg, der nun auch im Meta-Prozess eine Rolle spielt, ist schon in anderen Verfahren mit Trumps Regierung aneinandergeraten – etwa im Streit um Abschiebungen nach El Salvador. Trump hat ihn öffentlich als „radikalen linken Irren“ beschimpft. (mit dpa)

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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