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Was die Theorie 50 Jahre lang versprach, zeigt nun ein 2D-Magnet

03. März 2026

wirbelnde Muster
Als Forscher der UT Austin eine atomar dünne Schicht aus Nickel-Phosphor-Trisulfid dazu brachten, in eine spezielle magnetische Phase, die sogenannte BKT-Phase, überzugehen, bildeten die magnetischen Ausrichtungen der einzelnen Atome wirbelnde Muster, sogenannte Wirbel. Foto: Ella Maru Studios
Ein atomar dünner Magnet bestätigt erstmals die komplette Phasenfolge des 2D-Uhrenmodells – inklusive BKT-Übergang.
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Seit den 1970er-Jahren sagt ein theoretisches Modell voraus, wie sich Magnetismus in zwei Dimensionen verhält. Doch die vollständige Abfolge der vorhergesagten Phasen ließ sich experimentell nie eindeutig zeigen. Ein Team der University of Texas at Austin meldet nun genau das. In einer atomar dünnen Schicht Nickel-Phosphor-Trisulfid (NiPS₃) beobachteten die Forschenden sowohl das sogenannte BKT-Regime als auch einen anschließenden geordneten Zustand.

Inhaltsverzeichnis

Widerspricht der klassischen Erwartung

In dreidimensionalen Magneten richten sich Spins unterhalb einer kritischen Temperatur dauerhaft aus. Für ideale zweidimensionale Systeme verbietet das Mermin-Wagner-Theorem jedoch eine solche konventionelle Langreichweitenordnung – zumindest ohne zusätzliche Anisotropie. Genau hier setzt die Theorie von Vadim Berezinskii sowie J. Michael Kosterlitz und David Thouless an. Sie beschreibt einen anderen Typ von Phasenübergang: topologisch statt klassisch.

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Im BKT-Regime bilden die Spins Wirbel. Diese topologischen Defekte treten paarweise auf. Ein Wirbel rotiert im Uhrzeigersinn, sein Partner entgegengesetzt. Unterhalb einer charakteristischen Übergangstemperatur bleiben beide gebunden. Oberhalb davon lösen sie sich und bewegen sich frei durch das Material. Statt einer abrupten Ordnungsbildung zeigt das System einen Übergang, bei dem sich die Korrelationen nur noch algebraisch statt exponentiell ändern.

Die Namen dahinter

  • Vadim Berezinskii – formulierte Anfang der 1970er-Jahre die grundlegende Idee.
  • J. Michael Kosterlitz und David Thouless – entwickelten die Theorie weiter und beschrieben den Mechanismus des Übergangs.

Auszeichnung: Kosterlitz und Thouless erhielten dafür 2016 den Nobelpreis für Physik.

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Messung an einer Monolage

Das Team isolierte eine einzelne Atomlage NiPS₃ – einen Van-der-Waals-Magneten, dessen Schichten nur schwach gekoppelt sind. Die Probe kühlten die Forschenden auf etwa 123 bis 143 K (–150 bis –130 °C). In diesem Temperaturbereich identifizierten sie zunächst das BKT-Regime.

„Die BKT-Phase ist besonders faszinierend, da diese Wirbel voraussichtlich außergewöhnlich robust sind und sich lateral auf nur wenige Nanometer beschränken, während sie nur eine einzige Atomschicht dick sind“, sagte Edoardo Baldini, Assistenzprofessor für Physik an der UT und Leiter der Forschung. „Aufgrund ihrer Stabilität und ihrer extrem geringen Größe bieten diese Wirbel einen neuen Weg zur Steuerung des Magnetismus im Nanobereich und liefern Einblicke in die universelle topologische Physik in zweidimensionalen Systemen.“

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Die Forschenden nutzten optische und spektroskopische Verfahren, um die magnetischen Korrelationen temperaturabhängig zu verfolgen. Entscheidend war, dass sich nicht nur eine einzelne Phase zeigte, sondern die gesamte theoretisch erwartete Sequenz.

Zweite Stufe: Das Sechs-Zustands-Uhrenmodell

Bei weiterer Abkühlung wechselte das System in eine sogenannte Six-State-Clock-Phase. In diesem Zustand können die Spins nur noch sechs diskrete Richtungen annehmen. Diese Diskretisierung hängt mit der Kristallsymmetrie des Materials zusammen. Physikalisch entspricht das einer Z₆-Symmetrie: sechs energetisch gleichwertige Orientierungen.

Damit bestätigten die Messungen das zweidimensionale Sechs-Zustands-Uhrenmodell in seiner vollständigen Form – inklusive BKT-Übergang und anschließendem geordnetem Zustand.

„Zum jetzigen Zeitpunkt zeigt unsere Arbeit die vollständige Abfolge der Phasen, die für das zweidimensionale Sechs-Zustands-Uhrenmodell erwartet werden, und legt die Bedingungen fest, unter denen nanoskalige magnetische Wirbel in einem rein zweidimensionalen Magneten auf natürliche Weise entstehen“, sagte Baldini.

Abgrenzung zu Skyrmionen und klassische Domänen

Topologische Magnetstrukturen sind nicht neu. Skyrmionen etwa werden intensiv erforscht. Doch die hier beobachteten Wirbel unterscheiden sich grundlegend. Sie entstehen nicht durch Dzyaloshinskii-Moriya-Wechselwirkungen oder starke Spin-Bahn-Kopplung, sondern aus der zweidimensionalen Symmetrie und thermischen Fluktuation heraus. Es handelt sich um elementare topologische Defekte eines 2D-Systems.

Für Anwendungen in der Spintronik sind solche Strukturen interessant, weil sie stabil und nanoskalig sind. Entscheidend bleibt jedoch die Temperatur. Aktuell treten die beobachteten Phasen weit unterhalb der Raumtemperatur auf. Die Herausforderung besteht darin, Materialparameter so zu variieren, dass ähnliche Zustände bei höheren Temperaturen stabil werden.

Bedeutung für künftige Bauelemente

Zweidimensionale Magnete gelten seit ihrer experimentellen Isolierung ab 2017 als mögliche Plattform für ultradünne Speicher- und Logikelemente. Die nun beobachtete vollständige Phasenabfolge liefert einen Referenzfall. Sie zeigt, unter welchen Bedingungen topologische Wirbel in einer echten Monolage auftreten.

Ob daraus praktische Bauelemente entstehen, hängt von der Skalierbarkeit und der Temperaturstabilität ab. Klar ist jedoch: Ein Modell aus den 1970er-Jahren hat erstmals seine komplette experimentelle Bestätigung in einem realen 2D-Material gefunden.

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