Anzeige
Bau

Kostenexplosion verhindern: Warum partnerschaftliches Bauen immer wichtiger wird

13. März 2026

Warum werden öffentliche Bauprojekte teurer und später fertig? Tim-Oliver Müller erklärt, wie partnerschaftliches Bauen Kosten senkt, Risiken teilt und Projekte effizienter macht.
Anzeige
Anzeige


Öffentliche Bauprojekte stehen unter massivem Druck: steigende Kosten, wachsende Komplexität und knappe personelle Ressourcen treffen auf hohe Erwartungen an Qualität und Nachhaltigkeit. Im Interview spricht Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie, darüber, warum es nicht „das eine“ Vergabemodell geben kann, welche Spielräume öffentliche Auftraggeber dringend brauchen – und wie partnerschaftliches Bauen dazu beitragen kann, Bauprojekte verlässlicher, effizienter und kooperativer umzusetzen.

Öffentliche Bauprojekte unter Druck: Warum das klassische Vergabemodell an Grenzen stößt

Warum stößt das klassische Vergabemodell im aktuellen Investitionsstau an seine Grenzen – und was macht das Partnerschaftliche Bauen aus Ihrer Sicht zur besseren Antwort auf steigende Kosten, Zeitdruck und komplexe Projekte?

Anzeige
Anzeige

Tim-Oliver Müller: Umfragen des Bundeswirtschaftsministeriums zeigen, 50 Prozent konventioneller, kommunaler Bauprojekte werden teurer und später fertig. Bei Bund und Ländern zeichnet sich ein ähnliches Bild. Wir haben also ein Problem in Deutschland, über das wir reden müssen. Schließlich geht es um die Verwendung von Steuermitteln.

In der Diskussion darf aber nicht der Fehler gemacht werden, zwischen guten oder schlechten Vergabemodellen, ob konventionell oder partnerschaftlich, zu unterscheiden. Diese Schwarz-weiß-Diskussion geht völlig am Thema vorbei und schürt nur Ängste und Emotionen. Die Frage muss sein: welches Vergabemodell eignet sich für welche Projektart? Und: welche Unterstützung brauchen öffentliche Auftraggeber, um ein Projekt im Zeit- und Kostenrahmen umzusetzen.

Fakt ist, die Fach- und Teillosvergabe wird heute und in Zukunft den Großteil der Vergaben in Deutschland ausmachen. Sie hat allerdings auch Schwachstellen, wie etwa den reinen Preiswettbewerb, der enormen Kostendruck bei den Unternehmen erzeugt. Gleichzeitig kann die Gewerke-Koordination enorm aufwendig sein. Beim Bau einer Schule werden heute bis zu 50 Einzelvergaben nötig. Das bedeutet hunderte Angebote, formale Prüfungen und Bietergespräche. Aber ist die Fach- und Teillosvergabe dadurch eine schlechte Vergabeform? Nein. Wenn eine Kommune aber nicht ausreichend Know-how und personelle Kapazitäten für diese komplexen Aufgaben hat, kann es schnell schief gehen und das kann man vermeiden.

Anzeige
Anzeige

An dieser Stelle können dann partnerschaftliche Projektmodelle helfen, die öffentliche Hand zu entlasten, alle Projektbeteiligten an einen Tisch zu holen und Abläufe zu optimieren, einen gemeinsamen Umgang mit Risiken festzulegen und sogar Innovationen mitzudenken, die bei konventionellen Vergabemodellen durch die Auftraggeberseite antizipiert werden müssen.

Vergaberecht mit Augenmaß: Mehr Flexibilität für Kommunen und Auftraggeber

Welche Spielräume brauchen öffentliche Auftraggeber Ihrer Meinung nach bei der Vergabe, um Bauprojekte schneller und effizienter umzusetzen – und welche Rolle können partnerschaftliche Modelle dabei spielen?

Anzeige
Anzeige

Tim-Oliver Müller: Öffentliche Auftraggeber brauchen die Möglichkeit, auf eine Vielfalt an Vergabemodellen zurückzugreifen. Dafür brauchen sie Flexibilität und Entscheidungsspielräume im Vergaberecht. Denn wenn das Vergaberecht einen Automatismus vorsieht, alles nach Schema-F abzuarbeiten, wird es der Projektrealität nicht gerecht – schließlich ist die Erneuerung einer Fassade etwas anderes als der Bau eines Flughafens.

Kurz: es gibt nicht das eine Modell für alle Projekte. Öffentliche Auftraggeber sollten Verfahren viel stärker am konkreten Vorhaben ausrichten können – besonders bei komplexen, technisch anspruchsvollen oder zeitkritischen Projekten. Nur so lassen sich Risiken realistisch einschätzen und Fehlanreize vermeiden.
Ein weiterer Punkt ist der frühe Dialog mit dem Markt. Wenn Auftraggeber schon in frühen Projektphasen mit Planern und Bauunternehmen sprechen können, werden Projekte besser strukturiert, Kosten realistischer kalkuliert und Bauabläufe effizienter geplant. Heute geht viel Know-how verloren, weil die Baupraxis erst dann eingebunden wird, wenn zentrale Entscheidungen längst gefallen sind.

Mehr Kooperation, weniger Streit: Ein Kulturwandel im öffentlichen Bauen

Partnerschaftliches Bauen setzt auf Vertrauen und Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette – welche konkreten Vorteile entstehen dadurch für Kommunen, Bauunternehmen und am Ende für die Bürgerinnen und Bürger?

Tim-Oliver Müller: Die Stärken des partnerschaftlichen Bauens zeigen sich vor allem bei komplexen Projekten mit vielen Beteiligten. Für öffentliche Auftraggeber bedeutet das vor allem mehr Planungs- und Kostensicherheit. Kosten, Termine und Qualitäten werden gemeinsam realistisch festgelegt, Risiken offen benannt und aktiv gesteuert – statt sie später über Nachträge oder juristische Auseinandersetzungen auszutragen.

Für Bauunternehmen schafft das einen deutlich konstruktiveren Rahmen. Ihre fachliche Expertise kann frühzeitig eingebracht werden, etwa bei Bauverfahren, Abläufen oder der Optimierung von Planungen. Das fördert Innovationen, reduziert Reibungsverluste zwischen Planung und Ausführung und macht Projekte insgesamt effizienter. Das ist zentral, weil wir ja mit immer weniger Menschen bauen müssen.
Am Ende profitieren davon auch die Bürgerinnen und Bürger. Rechtzeitige Inbetriebnahme, verlässliche Termine und ein wirtschaftlicherer Umgang mit Steuermitteln. Außerdem erleichtert partnerschaftliches Bauen nachhaltige Lösungen, da Wege für den Einsatz von ressourcenschonenden Materialien oder energieeffizienten Bauweisen im Team identifiziert werden.

Aus Sicht der Bauindustrie ist partnerschaftliches Bauen deshalb weit mehr als nur ein anderes Vertragsmodell. Es steht für einen echten Kulturwandel: weg vom Gegeneinander, hin zu mehr Kooperation, Transparenz und gemeinsamer Verantwortung. Und genau das brauchen wir, um öffentliche Bauvorhaben leistungsfähiger, wirtschaftlicher und gesellschaftlich wirksamer umzusetzen. Wir wollen schließlich bauen – und nicht streiten.

Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch.

Empfehlungen der Redaktion



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

Junior Projektingenieur Papierverarbeitung (m/w/d)
Fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG

03.10.2026
Miltenberg
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST AG

03.10.2026
Düsseldorf
Ingenieur:in Explosionsschutz als Fachleiter:in
TÜV NORD CERT GmbH

03.10.2026
Essen
Bauüberwacher (m/w/d) Straßenverkehrsanlagen
Bundesagentur für Arbeit - Vössing Ingenieurgesellschaft mbH

03.10.2026
Stuttgart
Bauingenieur/-in (m/w/d)
Bundesagentur für Arbeit - Landeshauptstadt Stuttgart

03.10.2026
Stuttgart
Technische/r Projektmitarbeiter/in (m/w/d) – Bauwesen / Projektkoordination
Bundesagentur für Arbeit - Dr. Kerner GmbH & Co. KG

03.10.2026
Stuttgart
Junior Bauüberwacher:in Oberbau / Konstruktiver Ingenieurbau (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Köln
Senior Ingenieur:in Leit- und Sicherungstechnik im Großprojekt Rhein-Ruhr-Express (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Duisburg
Junior Bauingenieur:in als Bezirksleiter:in Fahrbahn (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Aachen, Bonn, Köln, Troisdorf
Projektleiter (m/w/d) Industriebau
MEGGLE GmbH & Co. KG

03.10.2026
Wasserburg
Projektingenieur Elektrotechnik (w/m/d)
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG

03.10.2026
Frankfurt am Main
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST Ingenieure GmbH & Co. KG

04.10.2026
Bielefeld
Senior Projektingenieur (m/w/d) – EMSR-Technik – Projektmanagement
REUTERS INGENIEUR GmbH

04.10.2026
Hofheim
Technische*r Angestellte*r (Techniker*in oder Ingenieur*in) Werkstofftechnik, Physiktechnik, Maschinenbau
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP)

04.10.2026
Garching
Ingenieurin (m/w/d) / Techniker (m/w/d) der Mess- und Regelungstechnik für Gebäudeautomation
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH)

04.10.2026
Eutin, Lübeck
Leitung Entwicklung (w/m/d) Mechatronische Systeme / Industrielle Sicherheits- und Automatisierungstechnik
Bernstein AG

04.10.2026
Porta Westfalica
Planungsingenieur (w/m/d) und Projektsteuerung – Verkehrsinfrastruktur und Gleisplanung
Ruhrbahn GmbH

04.10.2026
Essen
Gruppenleiter:in Automatisierungstechnik
TraveNetz GmbH

04.10.2026
Lübeck
Bauleiter (m/w/d) Rohrsanierung / Kanalsanierung
Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG

04.10.2026
München, Neumarkt in der Oberpfalz, Nürnberg, Regensburg
Vertriebsingenieur / Projektingenieur (m/w/d) im Außendienst – Südbayern
DEPRAG SCHULZ GMBH u. CO. KG

04.10.2026
verschiedene Einsatzorte

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige