Anzeige

Von Rotorblättern zu Textilien: Recycling von Windenergieanlagen

27. März 2025

Mehrere Windkraftanlagen auf einem Hügel
Wie können Windenergieanlagen recycelt werden? Damit befasst sich das Fraunhofer IGCV.
Foto: PantherMedia / dpcrestock (Rafa Irusta Machin)
Windenergie ist ein Hoffnungsträger der Energiewende, doch viele Anlagen erreichen bald ihr Lebensende. Recycling-Experte Fabian Rechsteiner gibt Einblicke in die Möglichkeiten und Hürden bei der Wiederverwertung von Windkraftanlagen und zeigt auf, welche technischen und politischen Schritte nötig sind, um eine Kreislaufwirtschaft in diesem Bereich zu etablieren.
Anzeige
Anzeige


Die Windenergie spielt eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Energiewende, Sie trägt dazu bei, dass Deutschland bis 2045 seine Nachhaltigkeitsziele erreichen kann. Allerdings steht laut Fachagentur Wind und Energie bereits rund ein Drittel der heimischen Windkrafträder kurz vor dem Abbau, da ihre vorgesehene Nutzungsdauer überschritten ist. Fabian Rechsteiner vom Fraunhofer-Institut für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik (IGCV) ist Recycling-Experte für Verbundmaterialien und hat sich damit befasst, was mit den ausgemusterten Windenergieanlagen geschieht und welche Herausforderungen es auf dem Weg zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft im Windenergiesektor noch zu meistern gilt.

Obwohl die technische Lebensdauer von Windenergieanlagen meist zwischen 20 und 25 Jahren liegt, werden viele Anlagen in Deutschland deutlich länger betrieben. Rechsteiner erklärt dies mit der Preisstruktur des Strommarktes: „Wir als Endverbraucher kaufen den Strom immer zu dem Preis der teuersten Stromerzeugungstechnologie (Merit-Order) ein. Aktuell ist das Gas, das mit rund 11 Cent pro Kilowattstunde zu Buche schlägt. Windenergie kann hingegen unter optimalen Bedingungen sehr günstig produziert werden. Der Preis pro Kilowattstunde liegt derzeit bei rund 4 Cent.“ Für Betreibende sei es daher oft rentabler, bestehende Anlagen länger zu nutzen, statt sich den aufwendigen Genehmigungs- und Planungsverfahren für Neubauten zu stellen, die in Deutschland oft sechs bis acht Jahre dauern.

Anzeige
Anzeige

Recycling von Windenergieanlagen: Stahl und Zement gut verwertbar

Windenergieanlagen, die nicht mehr weiterbetrieben werden können, werden abgebaut und recycelt. Rechsteiner erläutert, dass der Stahlturm wiederverwertet und das Zementfundament beispielsweise im Straßenbau zum Einsatz kommt. Diese Komponenten machen fast 90 Prozent der Anlage aus. „Die größte Herausforderung stellt jedoch das Rotorblatt dar“, sagt der Experte. Es besteht meist aus einem Verbund verschiedener Materialien wie faserverstärkten Kunststoffen, Holz, Schaum und Metallen. Leider würden sich herstellende Unternehmen noch nicht ausreichend Gedanken über das spätere Recycling machen, und auch politisch sei recyclinggerechtes Konstruieren noch nicht stark genug eingefordert. Ein digitaler Produktpass könnte hier Abhilfe schaffen, indem er die verbauten Materialien dokumentiert.

Da viele Windräder bereits rund 30 Jahre alt sind, ist oft nicht mehr genau bekannt, welche Materialien damals verwendet wurden. „Aktuell gibt es noch keine standardisierte Dokumentation oder ein System, das diese Informationen langfristig speichert“, erläutert Rechsteiner. Für ein effizientes Recycling sei dieses Wissen jedoch essenziell. Am Fraunhofer IGCV arbeitet man daher an der Entwicklung von Recyclingprozessen, die eine bessere Verwertung dieser Materialien ermöglichen sollen.

Pyrolyse-Verfahren trennt Fasern und Kunststoffe in Rotorblättern

Ein vielversprechender Ansatz ist laut Rechsteiner ein Pyrolyse-Prozess, bei dem zerkleinerte, faserverstärkte Kunststoffe unter Ausschluss von Sauerstoff erhitzt werden: „Das Ziel des Prozesses ist es, die Fasern – meist Carbon- oder Glasfasern – vom Kunststoff zu trennen. Im Anschluss versuchen wir, aus der Faser wieder ein Textil zu gewinnen.“ Die Fasern werden dann nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form, sondern als kürzere Varianten zu einem Vlies verarbeitet. Eine Herausforderung besteht darin, die Fasern möglichst gerichtet anzuordnen, um Eigenschaften zu erzielen, die neuen Materialien ähneln. Dazu entwickelt das Fraunhofer IGCV sowohl die Recyclingprozesse als auch die Anwendungs- und Fertigungsprozesse für die recycelten Fasern.

Anzeige
Anzeige

Recycelte Carbonfasern weisen größtenteils vergleichbare Eigenschaften wie neue Fasern auf, was sie für den Einsatz in der Automobil- oder Sportindustrie interessant macht. Für Anwendungen mit sehr hohen Anforderungen an die Struktur, wie neue Rotorblätter oder tragende Strukturen in Flugzeugen, sind sie jedoch nicht geeignet. „Aber das ist ja auch gar nicht der Anspruch“, stellt Rechsteiner klar.

Politische Maßnahmen könnten Recycling von Windenergieanlagen fördern

Die Forschung zum Recycling von Rotorblättern ist bereits weit fortgeschritten, sodass eine industrielle Umsetzung möglich wäre. Allerdings fehlt es laut Rechsteiner noch an ausreichender Nachfrage nach recycelten Materialien: „Viele Unternehmen scheuen Investitionen, weil der Markt noch unklar und unsicher ist. Politische Maßnahmen wie eine Recyclingquote wären hilfreich, um die Nachfrage nach recyceltem Material zu steigern und die Wirtschaftlichkeit zu verbessern.“ Abschließend verrät der passionierte Radfahrer, dass er sich persönlich sehr darüber freuen würde, wenn das recycelte Material aus Windenergieanlagen in seinem Fahrrad zum Einsatz käme – so würde sich für ihn ganz persönlich der Kreislauf schließen.

Anzeige
Anzeige


Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

Junior Projektingenieur Papierverarbeitung (m/w/d)
Fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG

03.10.2026
Miltenberg
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST AG

03.10.2026
Düsseldorf
Ingenieur:in Explosionsschutz als Fachleiter:in
TÜV NORD CERT GmbH

03.10.2026
Essen
Bauüberwacher (m/w/d) Straßenverkehrsanlagen
Bundesagentur für Arbeit - Vössing Ingenieurgesellschaft mbH

03.10.2026
Stuttgart
Bauingenieur/-in (m/w/d)
Bundesagentur für Arbeit - Landeshauptstadt Stuttgart

03.10.2026
Stuttgart
Technische/r Projektmitarbeiter/in (m/w/d) – Bauwesen / Projektkoordination
Bundesagentur für Arbeit - Dr. Kerner GmbH & Co. KG

03.10.2026
Stuttgart
Junior Bauüberwacher:in Oberbau / Konstruktiver Ingenieurbau (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Köln
Senior Ingenieur:in Leit- und Sicherungstechnik im Großprojekt Rhein-Ruhr-Express (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Duisburg
Junior Bauingenieur:in als Bezirksleiter:in Fahrbahn (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Aachen, Bonn, Köln, Troisdorf
Projektleiter (m/w/d) Industriebau
MEGGLE GmbH & Co. KG

03.10.2026
Wasserburg
Projektingenieur Elektrotechnik (w/m/d)
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG

03.10.2026
Frankfurt am Main
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST Ingenieure GmbH & Co. KG

04.10.2026
Bielefeld
Senior Projektingenieur (m/w/d) – EMSR-Technik – Projektmanagement
REUTERS INGENIEUR GmbH

04.10.2026
Hofheim
Technische*r Angestellte*r (Techniker*in oder Ingenieur*in) Werkstofftechnik, Physiktechnik, Maschinenbau
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP)

04.10.2026
Garching
Ingenieurin (m/w/d) / Techniker (m/w/d) der Mess- und Regelungstechnik für Gebäudeautomation
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH)

04.10.2026
Eutin, Lübeck
Leitung Entwicklung (w/m/d) Mechatronische Systeme / Industrielle Sicherheits- und Automatisierungstechnik
Bernstein AG

04.10.2026
Porta Westfalica
Planungsingenieur (w/m/d) und Projektsteuerung – Verkehrsinfrastruktur und Gleisplanung
Ruhrbahn GmbH

04.10.2026
Essen
Gruppenleiter:in Automatisierungstechnik
TraveNetz GmbH

04.10.2026
Lübeck
Bauleiter (m/w/d) Rohrsanierung / Kanalsanierung
Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG

04.10.2026
München, Neumarkt in der Oberpfalz, Nürnberg, Regensburg
Vertriebsingenieur / Projektingenieur (m/w/d) im Außendienst – Südbayern
DEPRAG SCHULZ GMBH u. CO. KG

04.10.2026
verschiedene Einsatzorte

Weitere Artikel



Firmenprofile

Anzeige
Anzeige