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Unsichtbare Katastrophen im All – erst JWST macht sie sichtbar

24. Juli 2025

Schwarzes James-Webb-Teleskop
Astronomen des MIT, der Columbia University und anderer Einrichtungen haben mit dem James-Webb-Weltraumteleskop der NASA durch den Staub nahegelegener Galaxien geblickt und die Überreste eines Sternenfressers, eines Schwarzen Lochs, beobachtet. Foto: NRAO/AUI/NSF/NASA , Creative Commons BY-NC-ND 4.0
Katastrophen im Staub: Wie das James-Webb-Teleskop verborgene Sternzerreißungen durch Schwarze Löcher sichtbar macht.
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Wenn Sterne in die Nähe eines supermassereichen Schwarzen Lochs geraten, kann ihr Ende dramatisch verlaufen: Die Gravitationskräfte reißen sie auseinander, ihre Trümmer kreisen in einer glühenden Scheibe um das Schwarze Loch und senden dabei energiereiche Strahlung aus. Fachleute sprechen von einem Tidal Disruption Event – kurz TDE. Doch viele dieser Ereignisse bleiben bislang unentdeckt. Der Grund: Staub.

Mit dem James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) konnten Forschende nun gleich vier dieser seltenen Ereignisse sichtbar machen – in Galaxien, die zuvor als ruhig galten. Der Clou: Diese TDEs versteckten sich hinter dichten Staubwolken und wurden erst im Infrarotbereich sichtbar. Das verändert das bisherige Bild von Schwarzen Löchern und zeigt: Im Universum schlummern weit mehr zerstörerische Kräfte, als bisher angenommen.

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Inhaltsverzeichnis

Warum wir viele TDEs bisher nicht gesehen haben

TDEs wurden bislang vor allem durch ihre Röntgen- und optische Strahlung entdeckt. Doch diese Wellenlängen sind anfällig für Staub, wie er in vielen Galaxienzentren vorkommt. Der Staub verschluckt das Licht – die Ereignisse bleiben unsichtbar.

Bereits frühere Analysen legten nahe, dass sich viele dieser „Sternenfresser“ in von Gas und Staub verhüllten Galaxien verbergen. In diesen Umgebungen lässt sich das typische Lichtsignal eines TDEs kaum beobachten. Doch der Staub wird durch die Strahlung des Ereignisses aufgeheizt – und sendet selbst Infrarotlicht aus. Genau dort setzt das JWST an.

JWST entdeckt vier TDEs hinter der Staubwand

Das Team um Megan Masterson vom MIT konzentrierte sich auf vier vielversprechende Kandidaten, die zuvor mit dem NASA-Infrarotteleskop NEOWISE identifiziert worden waren. Alle vier Galaxien zeigten plötzlich auftretende Infrarot-Spitzen – ein mögliches Zeichen für einen TDE.

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Mit den hochauflösenden Spektren des JWST, insbesondere dem MIRI-Instrument, konnten die Forschenden nun Details erkennen, die mit bisherigen Methoden verborgen blieben. In allen vier Fällen fanden sie deutliche Hinweise auf Akkretion, also das Einströmen von Materie in ein Schwarzes Loch.

Masterson betont: „Diese vier Signale waren das Beste, was wir bisher hatten. Aber die JWST-Daten haben uns geholfen, definitiv zu sagen, dass es sich um echte TDEs handelt.“

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Die verräterischen Signale im Infrarotbereich

Wissenschaftlich gesehen sind es bestimmte Spektrallinien, die den Fingerabdruck eines TDEs tragen. In allen vier untersuchten Fällen tauchten Linien hochionisierter Gase auf – etwa Neon und Magnesium. Diese entstehen nur, wenn extrem energiereiche Prozesse ablaufen. „Es gibt nichts anderes im Universum, das dieses Gas auf diese Energien anregen kann, außer der Akkretion eines Schwarzen Lochs“, sagt Masterson.

Ein weiteres Indiz: Die Silikat-Emissionen im Bereich von 9,7 und 18 Mikrometern waren deutlich ausgeprägt. Diese Signale entstehen nur, wenn der umgebende Staub durch Strahlung aufgeheizt wird – ein indirekter Hinweis auf das Ereignis selbst.

Schwarze Löcher ohne Warnzeichen

Was die Entdeckungen besonders macht: Alle vier Galaxien galten zuvor als inaktiv. Es gab keine Jets, keine aktiven galaktischen Kerne, keine sichtbaren Vorboten eines TDEs. Das legt nahe, dass es sich um sogenannte ruhende Schwarze Löcher handelt – Objekte, die normalerweise keine sichtbare Materie verschlingen.

Erst der Vorbeiflug eines Sterns weckte diese Schwarzen Löcher kurzzeitig. Die Trümmer des Sterns bildeten eine vorübergehende Akkretionsscheibe, aus der die charakteristische Infrarotstrahlung hervorging.

Ein Modell für den Staub – und das „fehlende Licht“

Die Ergebnisse der JWST-Beobachtung helfen nicht nur beim Entdecken verborgener TDEs. Sie könnten auch ein altes Rätsel der Astronomie lösen: das sogenannte Missing Energy Problem.

Theoretisch setzen TDEs enorme Energiemengen frei – doch frühere Beobachtungen konnten nur einen Bruchteil davon nachweisen. Nun zeigt sich: Ein großer Teil dieser Energie wird offenbar als Infrarotlicht abgestrahlt und war bisher schlicht nicht sichtbar.

Das Team entwickelte ein Modell, das zeigt, wie sich Staub um das Schwarze Loch verteilt. Im Gegensatz zu typischen aktiven Galaxien bildet sich kein dicker, donutförmiger Staubring. Stattdessen verteilt sich der Staub dünn und gleichmäßig. Diese Geometrie lässt mehr Strahlung entweichen und erklärt die auffälligen Infrarotsignale.

Die untersuchten Galaxien: Vier Einzelfälle mit Gemeinsamkeiten

Die vier TDEs tragen inoffizielle Spitznamen, die auf ihre Entdeckungsmerkmale hinweisen:

  • „The closest“ – das nächstgelegene TDE in rund 130 Millionen Lichtjahren Entfernung
  • „X-ray transient“ – mit zusätzlichem Ausbruch im Röntgenbereich
  • „Galaxy merger“ – ein TDE inmitten zweier verschmelzender Galaxien
  • „Optical transient“ – ursprünglich für eine Supernova gehalten

Trotz ihrer Unterschiede zeigten alle vier sehr ähnliche Infrarotsignale. Das spricht für vergleichbare Bedingungen in ihrer Umgebung – und eine neue Klasse bislang unerkannter Ereignisse.

Bedeutung für die Zukunft der Astronomie

Die aktuelle Studie zeigt, dass TDEs wohl deutlich häufiger auftreten als bislang gedacht. Viele dieser Ereignisse finden in Galaxien statt, die optisch unauffällig sind. Mit dem JWST lassen sich diese Prozesse erstmals untersuchen.

Zukünftig wollen die Forschenden weitere Kandidaten aus den NEOWISE-Daten untersuchen. Ziel ist es, mehr über die Eigenschaften Schwarzer Löcher zu lernen – etwa über ihre Masse oder Rotationsgeschwindigkeit.

„Der eigentliche Prozess, bei dem ein Schwarzes Loch all das Sternmaterial verschlingt, dauert sehr lange“, erklärt Masterson. „Wir hoffen, dass wir bald herausfinden können, wie lange dieser Prozess dauert und wie die Umgebung dabei aussieht.“

Hier geht es zur Originalpublikation



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